1. Jüchen

Neues Leben auch in Krisenzeiten:: Ob Papa mit in den Kreißsaal darf?

Neues Leben auch in Krisenzeiten: : Ob Papa mit in den Kreißsaal darf?

Die Schwangerschaft sollte eine Zeit voller Vorfreude sein. Doch geht das in Zeiten von Corona überhaupt? Der Top-Kurier sprach mit Line Klomfaß. Die Jüchenerin ist in der 24. Schwangerschaftswoche. Im Juli wird ihr kleiner Sohn das Licht der Welt erblicken. Doch aktuell läuft alles etwas anders als geplant…

Jüchen. „In der vergangenen Woche hätte ich eigentlich zur Vorsorge gehen müssen. Aber dank Corona musste sie verschoben werden“, erzählt die 31-Jährige.

Sie hätte den Zuckertest machen und dafür eine Stunde im Wartezimmer sitzen müssen. „Da ich aber leicht erkältet bin, was sonst ja nie ein Problem gewesen wäre, mussten wir jetzt aus Sicherheitsgründen alles verschieben. Dafür habe ich natürlich volles Verständnis, aber die Vorsorgetermine sind für werdende Mamas natürlich in vielerlei Hinsicht immer sehr bedeutend“, so die Mutter nachdenklich.

Sie hat den Vorteil, ihren ungeborenen Sohn im Bauch zu spüren: „Ich merke ja, dass es ihm gut geht, weil er sich viel bewegt. Aber für Schwangere, die in frühen Schwangerschaftswochen sind, ist das sicherlich eine schwierige Situation, wenn Termine verschoben werden müssen, auch wenn wohl jeder versteht, dass das aktuell einfach so abläuft.“

Zudem besteht – nach jetzigem Stand – auch noch die Betreuung und die Vorsorge mit der Hebamme.
Noch ein bisschen hin ist es zur Geburt im Juli. Doch schon jetzt kreisen die Gedanken darum, was ist, wenn sich die Corona-Lage bis dahin nicht entschärft hat.

Erste Krankenhäuser lassen nicht einmal mehr die werdenden Väter in das Gebäude. Die Mütter müssen die Babys ohne die Unterstützung der werdenden Väter auf die Welt bringen. Den Papas wird der Moment genommen, das eigene Kind sofort in den Arm zu nehmen. Das Wunder der Geburt also wirklich hautnah mitzuerleben und mitzuerleiden.

„Ich wünsche mir schon, dass es klassisch abläuft: Ich möchte zu zweit in den Kreißsaal gehen und zu dritt wieder raus kommen. Ich plane eigentlich im ,St. Elisabeth’-Krankenhaus in Rheydt zu entbinden. Noch dürfen die Papas mit zur Geburt, nur danach ist kein Besuch möglich. Aber es gibt auch noch die Option, dass ich vielleicht eine Hausgeburt mache.“

Denn das Baby im Bauch ist nicht das erste Kind von Line und Pascal Klomfaß. Die beiden haben schon vier Töchter und für die ist es natürlich auch wichtig, dass sie ihren kleinen Bruder so schnell wie möglich kennen lernen.

Aktuell wäre das nicht erlaubt, falls die Mama im Krankenhaus bleiben würde. Deshalb steht als weitere Möglichkeit die ambulante Geburt im Raum.
Ruhe und Entspannung in der Schwangerschaft sind eigentlich wichtig… Doch bei vier Töchtern (drei, sechs, neun und 14 Jahre alt), die aktuell alle zuhause sind, weil die Kindergärten und Schulen geschlossen haben, kaum machbar.

„Ich bin froh, dass unsere Mädels so gut mitmachen und wir einen großen Garten haben. Und die Große hilft mir ganz toll mit den Kleinen. Aber klar, es ist schon stressig. Die Kinder können aber wenigstens froh sein, dass sie sich haben… Für Einzelkinder ist es bestimmt schwierig gerade.“
Und dann sind da auch noch die Schwangerschaftshormone, denn die sorgen ja bekanntlich gerne dafür, dass die werdenden Mamas etwas emotionaler reagieren, als im Normalfall: „Ich bin auf jeden Fall sensibler und mache mir viele Gedanken wegen Corona und was das mit uns allen macht. Aber ganz sicher wird irgendwann alles wieder gut.“

Julia Schäfer