1. Jüchen

Umstrittenes Gewerbegebiet Jüchen: Bürger kämpfen für Natur

Bürger kämpfen für die Natur : Gewerbegebiet soll so groß wie 80 Fußballfelder werden

Einer Änderung des Regionalplans ist es zu verdanken, dass in Jüchen ein neues Gewerbegebiet zwischen Sasserath, Kamphausen und Jägerhof entstehen soll: Hier können neue Industrie- und Gewerbebetriebe, die unabhängig von der Braunkohle sind, ihre neue Heimat finden.

Ein Schritt in Richtung Zukunft mit Blick auf das Ende des Tagebaus. Doch die Pläne sorgen nicht nur für Begeisterung: Bürger fühlen sich nicht gut informiert und haben Angst um die Natur.

In den Tagebaurandgebieten Jüchen, Mönchengladbach und Grevenbroich muss sich in den kommenden Jahren viel tun. Der Ausstieg aus dem Braunkohle-Abbau ist beschlossen. Was unsere Region jahrelang geprägt hat, soll irgendwann Geschichte sein. Umso wichtiger ist es, den Blick in die Zukunft zu richten. Und dazu gehört auch, dass die Wirtschaft Alternativen finden muss. Bürgermeister Harald Zillikens erklärt die Notwendigkeit: „Wir brauchen Arbeitsplätze. Mit dem Ende der Braunkohle-Ära fallen so viele Plätze weg, das müssen wir erst einmal auffangen.“ Die Lage zwischen Mönchengladbach und Jüchen sei gut für ein Gewerbegebiet, wo eben eine Vielzahl von Arbeitsstellen entstehen könnten: „Die direkte Autobahn-Anbindung ist ein großer Vorteil. Und damit wäre immerhin eins vom Tisch: Die A44 kann nicht Richtung Flughafen Mönchengladbach ausgebaut werden!“

Mehr als 80 Fußballfelder (58,8 Hektar) groß soll das neue Gebiet sein, zudem wird darauf gesetzt, dass das Gewerbegebiet CO2-neutral, also „Zero-Emission“, sein soll. „Das war auch für uns eine Voraussetzung für ein solches Gebiet“, verrät Planungsamts-Leiter Tim Stein.
Bis Anfang vergangener Woche konnten die Bürger die Unterlagen einsehen und Stellungnahmen abgeben. In Otzenrath, Kamphausen und Sasserath werden indes Stimmen laut, dass die Bürger ein solches Gewerbegebiet direkt vor der Haustür als mehr als fraglich betrachten. Sie fühlten sich von den Städten nicht ausreichend informiert. Simon Fehlauer und seine Frau starteten aus Sasserath eine Petition und Unterschriftenaktion in Jüchen und Mönchengladbach: „Wieso wurden wir nicht früher informiert? Unsere Lebensqualität mindert sich, wenn hier ein solches Gewerbegebiet entsteht. Für die Natur ist das eine absolute Katastrophe!“ Fehlauer informierte sich bei der Bezirksregierung, sorgte dafür, dass noch in der vergangenen Woche die Stimmen aus der Region gegen das Vorhaben eingereicht wurden.

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Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Im Planungsausschuss am 17. Juni 2021 haben wir zum ersten Mal über die Pläne gesprochen. Die Sitzungen sind für alle Bürger zugänglich.“ Heißt im Klartext: Jeder hätte sich informieren können.
Doch noch sei es auch nicht zu spät für die Bürgerbeteiligung: „Auf kommunaler Ebene muss alles erst einmal vorbereitet, geplant und genehmigt werden. Da wird es noch zahlreiche Möglichkeiten für die Bürger zur Beteiligung geben.“ Und auch Arten- und Emissonsschutz gehören zu solchen Vorbereitungen.

Wie lange das alles dauern kann, bis tatsächlich die ersten Unternehmen in dem neuen Gebiet ansässig sind, ist schwer zu sagen. Zehn Jahre können bei einem solchen Vorhaben aber schon mal ins Land ziehen...

Bürgermeister Harald Zillikens ist ebenfalls die Natur in Jüchen wichtig. Er setzt sich für das Grüne Band um den Tagebau ein, auch der Grüne Korridor am Schloss Dyck wird voran getrieben. Neben diesem Bestreben muss der Stadtchef aber auch die Stadtkasse im Auge behalten, denn der Haushalt ist in einer desolaten Situation. Neu angesiedelte Unternehmen würden Geld in die Kasse spülen. „Uns ist als Stadt auch nicht geholfen, wenn wir zwar viele Felder haben, aber kein Geld mehr da ist, um Schulen und Kindergärten zu bauen, Radwege zu realisieren, Straßen zu errichten,alles instand zu halten...“

Neben den Plänen für das neue Gebiet in Sasserath hat die Änderung des Regionalplans auch beschlossen, dass der Industriepark Elsbachtal, der auch Jüchen umfasst, um eine 92,7 Hektar große Fläche östlich der B59 erweitert wird. Julia Schäfer