Schon der Papa arbeitete in der „Villa Erckens“: Chefin über gleich drei Museen

Schon der Papa arbeitete in der „Villa Erckens“ : Chefin über gleich drei Museen

Das "St. Annen-Museum", das "Museum Holstentor" und die Katharinen-Kirche beweisen: Lübeck hat weitaus mehr als nur Marzipan zu bieten. Alle drei Museen gehören zum Bestand des Weltkulturerbes, wozu auch die Altstadt in Lübeck schon seit 31 Jahren zählt.

Chefin über diese drei Museen ist Dr. Dagmar Täube. Die gebürtige Grevenbroicherin ist Kunstkennerin mit Expertise. Ob der Spruch "Aller guten Dinge sind drei" auf Sie zutrifft, was Sie mit der "Villa Erckens" verbindet und was für Sie einen guten Krimi ausmacht, lesen hier.

Sie sind Leiterin des "St. Annen-Museums", "Museums Holstentor" und der Katharinen-Kirche. Wie sagt man doch so schön: Aller guten Dinge sind drei. Trifft das für Sie auch zu?

Ja, das kann ich voll bestätigen. Es ist eine wunderbare Herausforderung und eine große Ehre für mich, mit dem "St. Annen-Museum" nicht nur eines der schönsten Museen Deutschland leiten zu dürfen, sondern mit dem Holstentor auch ein echtes Wahrzeichen, dass es bis auf den 50-Mark-Geldschein gebracht hat. Die Katharinen-Kirche ist ein einzigartiges Baudokument der Bachsteingotik und wird heute als Museumskirche und besonderer Veranstaltungsort genutzt.

Wie unterscheiden sich die drei Museen voneinander?

Erst einmal ist eher entscheidend, was sie verbindet: Es handelt sich sowohl bei den Bauten als auch bei den Werken, die diese Bauten beherbergen, um solche des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Während das "St. Annen-Museum" ursprünglich ein Kloster war, heute unter anderem mit der größten Sammlung mittelalterlicher norddeutscher Schnitzaltäre und dem weltberühmten Passions-Altar von Hans Memling, ist die Katharinen-Kirche ein einmaliges Zeugnis seltener Franziskanischer Baukunst im Ostseeraum. Als frühere Grablege beherbergt sie heute noch zahlreiche Gräber und Epitaphien wichtiger Lübecker Persönlichkeiten. Darüber hinaus findet man hier einen riesigen echten Tintoretto. Das Holstentor ist derzeit noch dem Handel gewidmet. Hier arbeiten wir an einer zeitgemäßen Neupräsentation, die die Architektur wieder erlebbarer macht und sich stadthistorischen Themen widmet.

Wie sind Sie dazu gekommen, Leiterin dieser drei Museen zu werden?

Ich habe an der Universität Bonn Kunstgeschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert und mit Promotion abgeschlossen. Die meiste Zeit danach war ich in den Kölner Museen tätig: Im "Wallraf-Richartz-Museum", im Forschungsreferat der Stadt und lange Jahre als stellvertretender und später als kommissarische Direktorin des "Museum Schnütgen". An der Universität Düsseldorf hatte ich rund 15 Jahre lang einen Lehrauftrag. Zwischendurch habe ich das Linnicher Glasmalerei-Museum geleitet und war zu einem Forschungsaufenthalt am "Victoria and Albert"-Museum in London. In diesen ganzen Jahren dreht sich mein Forschen, Publizieren und Handeln meist um mittelalterliche Kunst. Als Leiterin der "Draiflessen Collection", dem Privatmuseum der Familie Brenniknmeyer, hatte ich Gelegenheit den Fokus auch auf zeitgenössische Themen zu erweitern. Als der Ruf nach Lübeck kam, was ich also bestens gerüstet für dich nicht ganz leichte Aufgabe, drei streng denkmalgeschützte Bauten zu übernehmen und die oft verkannte Kunst des Mittelalters auch im Norden wieder mehr in den Fokus zu rücken.

Hauptsächlich geht es bei Ihrer Arbeit um Kunst, was begeistert Sie daran?

Es ist die Vielseitigkeit und das Zusammenspiel von hochrangiger Kunst und spannenden Menschen, die mich immer wieder fasziniert. Für mich ist es grundlegend, stets die verschiedenen Künste miteinander in den Dialog zu bringen, so etwa die Kunst, Architektur und passende Musik oder Literatur. So verstehen die Besucher auf eine sinnliche Art und Weise, worum es bei den gezeigten Themen geht: Um stets neue Antworten auf immer die gleichen große Fragen der Menschheit vom Mittelalter bis heute. Die Kunst ist immer Spiegel des Lebens und verrät uns viel über unsere eigenen Wurzeln und unsere Identität. Es ist gerade in unserer globalen und digitalen Gesellschaft mit dem Zusammenspiel verschiedenster Kulturen für das gegenseitige Bestehen grundlegend, zunächst einmal die eigene Identität zu kennen.

In Ihren Forschungsschwerpunkten geht es hauptsächlich um Glasmalerei und Tafelmalerei des 14 bis 16. Jahrhunderts. Was interessiert Sie genau an diesem Thema?

Die Glasmalerei gehört einerseits zu den ganz alten Künsten, andererseits ist sie farblich oft noch so intensiv wie in ihrer Entstehungszeit und ihr wohnt immer ein ganz besonderer Zauber inne. Außerdem waren Tafel- und Glasmalerei eng miteinander verbunden und es gibt sehr spannende Querverbindungen, die viel über die Arbeit der Meister und deren Werkstattorganisation aussagt.

Besonders reizvoll war mein Forschungsprojekt zur rheinischen Glasmalerei der frühen Neuzeit, das mich quer durch England geführt hat. viele der zugehörigen Scheiben wurden im 19. Jahrhundert von einem Tuchhändler für kleines Geld aus dem Rheinland und der Eifel mit nach England genommen und dort an die Grafen für ihre Privatkapelle verkauft. Erst durch einen gewieften Kunsthistoriker mit einem Faible dafür, Geistergeschichten zu schreiben, wurde der Ursprung aus den Klöstern Steinfeld und Mariawald zufällig wiederentdeckt. Die Geschichte dahinter bietet genügend Stoff für einen spannenden historischen Krimi.

Welche Museen faszinieren Sie hier in Grevenbroich?

Ich verfolge immer die großen und vielfältig engagierten Aktivitäten der Galerie "Judithdielämmer". In dem Bau der "Villa Erckens" hat mein Vater, als sie noch Stadtverwaltung war, einst gearbeitet-. Und — wenn es auch schon über die Stadtgrenzen hinaus ist — faszinieren mich nach wie vor die schöne Insel Hombroich, die "Langen Foundation" und Schloss Dyck in besonderer Weise.