Strukturwandel Allrath: Ab 2030 soll das Rheinwasser fließen

Allrath · Das Loch, das der Braunkohletagebau bei Garzweiler hinterlässt, soll bekanntermaßen in den kommenden Jahrzehnten zu einem Naherholungsgebiet mit Seenlandschaft umgewandelt werden.

Schraubenschlüsseleinsatz statt Schlüsselübergabe: Bürgermeister und Co. markierten mit dem Einsatz von schwerem Werkzeug den Baustart des Verteilerzentrums.

Foto: Kurier-Verlag/Thomas Broich

Da der Abbau der Kohle natürlich zu einem so genannten „Massendefizit“ im Boden geführt hat, wird die Landschaft nicht 1:1 wie vorher restauriert, sondern bekommt Seen, die mit Wasser aus dem Rhein aufgefüllt werden. Dies dient auch einem ausgeglichenen, sich selbst tragenden Wasserhaushalt im Rheinischen Revier. Nach aktueller Planung beginnt die Seebefüllung in Hambach im Jahr 2030 und in Garzweiler im Jahr 2036.

Am 6. Juli wurde in Grevenbroich dafür der Startschuss getätigt. RWE Power hat mit einem feierlichen Akt die Bauarbeiten für das Verteilbauwerk in Allrath gestartet. Als zentraler Bestandteil der Rheinwassertransportleitung wird das Verteilbauwerk nach Inbetriebnahme der Leitung ab dem Jahr 2030 dafür sorgen, dass Rheinwasser in zwei Richtungen geleitet wird: zum künftigen Hambacher See sowie in Richtung Tagebau Garzweiler, einschließlich der Feuchtgebiete im Nordraum. Mit symbolischen Schraubenschlüssel-Drehern verbanden Landrätin Katharina Reinhold, Bürgermeister Klaus Krützen, Thomas Körber, Mitglied des Vorstands der RWE Power AG, und der Projektleiter der Rheinwassertransportleitung, Karsten Waschke zwei Rohrstücke und signierten sie anschließend. Damit war der Beginn der Baumaßnahmen besiegelt.

Für die Allrather hatte RWE Power begleitend ein Dorffest auf die Beine gestellt, bei dem das Projekt noch einmal in allen Einzelheiten vorgestellt wurde. Landrätin Katharina Reinhold beteuerte: „Das Bauwerk wird sich harmonisch in die Allrather Landschaft einfügen, und die Glasfassade schafft Transparenz im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie ermöglicht Einblicke in das Gebäude und macht die Technik dahinter sichtbar.“

Zunächst wird in Allrath die Zufahrt zur Baustelle vorbereitet. Hierzu wird parallel zu den Gleisen der RWE-Werksbahn eine neue Baustraße von der Landstraße 375 aus angelegt, um den Baustellenverkehr aus der Ortslage Allrath fernzuhalten. Für den Anschluss an die Versorgungskanäle wird die Kreisstraße 31 zwischen der Straße „An der Halde” und der Bahnunterführung vom 20. Juli bis voraussichtlich 1. September gesperrt.

Das Verteilbauwerk entsteht in L-Form an der Kreisstraße 31 am Fuße der Vollrather Höhe in der Nähe der Gleise der RWE-Werksbahn. Die 22 Kilometer lange Bündelungsleitung verläuft von der Rheinwasserentnahme bei Dormagen-Rheinfeld bis nach Allrath. Sie besteht aus drei parallel geführten Stahlrohren mit einem Durchmesser von jeweils 2,20 Metern. Vom Verteilbauwerk aus spaltet sich die Leitung in zwei Richtungen auf. Die Garzweiler-Leitung führt mit zwei Rohren (Durchmesser: 1,40 Meter) über vier Kilometer in Richtung Tagebau Garzweiler. Die Hambach-Leitung verläuft mit zwei Rohren (Durchmesser: 2,20 Meter) über rund 19 Kilometer in Richtung Hambach. Der Pegel des Rheins wird während des Pumpvorgangs in einer Bandbreite von 0.4 bis 2,4 Zentimeter abgesenkt, je nach Wasserstand. Führt der Rhein Niedrigwasser, werden höchstens 1,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgezweigt, um damit die Versorgung der Feuchtgebiete zu sichern.

Damit wird sichergestellt, dass die maximale Pegelabsenkung im Rhein auf 0,4 Zentimeter begrenzt wird. Ist die Wasserführung normal, können bis zu 18 Kubikmeter pro Sekunde in die Rheinwassertransportleitung fließen.

(Thomas Broich)