Rheinwasser-Transportleitung wird jetzt gebaut. aber ... Was macht „Vater Rhein“ mit unserem Grundwasser?

Grevenbroich · Rheinwasser soll die Braunkohle-Seen und die Grundwasserleiter im „Rheinischen Revier“ auffüllen. Wie gut ist diese Idee angesichts der Tatsache, dass die Qualität des Rheinwassers immer wieder infrage gestellt wird? Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erft-Verbandes, bezog in dieser Woche Stellung.

Spatenstich Rheinwasser Transportleitung 2026

Foto: RWE.

Das RWE hat mit dem „ersten Spatenstich“ den Bau des Rheinwasser-Transportleitung eingeläutet (wir berichteten). „Vater Rhein“ soll helfen, die großen Seen entstehen zu lassen und das weggepumpte Grundwasser zu ersetzen. Noch laufen die Genehmigungsverfahren, viele fragen sich aber, wie sich das bekanntermaßen nicht unbelastete Rheinwasser auf die Trinkwasser-Versorgung der Region auswirken wird.

Bei der Nutzung des Rheinwassers sind zwei Ziele zu unterscheiden. Im so genannten „Nordraum“ nördlich des Tagebaus Garzweiler wird seit Jahrzehnten Wasser in die Grundwasserleiter infiltriert, um Feuchtgebiete, Fließgewässer und Wasserwerke vor den Folgen der bergbaubedingten Absenkungen zu schützen. Bislang wird hierfür abgepumptes Grundwasser (Sümpfungswasser) verwendet. „Die Grundwasserleiter, in die die Infiltration dort erfolgt, können im Rheinwasser enthaltene Spurenstoffe kaum zurückhalten oder abbauen“, betont der Erft-Verband. Es gelte, „ein besonders hohes Schutzniveau und die Spurenstoffe sind nach Auffassung des Erft-Verbandes durch eine entsprechende Aufbereitung zu entfernen“.

Anders stellt sich die Situation in den Bereichen dar, in denen das Flusswasser in die Tagebauseen eingeleitet wird. Dieses Wasser fließt überwiegend ins Grundwasser ab und durchströmt hierbei die sogenannten „Abraumkippen“.

Diese enthalten viele Kohlereste und sehr reaktive Eisenminerale, die erst während des Tagebaubetriebs durch den chemischen Prozess – der sogenannten „Pyritoxidation“ – entstanden sind.

Die Eisenminerale stellen ein Selbstreinigungsvermögen für Spurenstoffe dar, weil sich diese an die neugebildeten Minerale anlagern können (Adsorption). Umfang und Wirksamkeit dieses natürlichen Rückhaltevermögens werde derzeit im Rahmen eines Gutachtens untersucht.

Eine Folge dieser Pyritoxidation ist jedoch die Freisetzung von Sulfat in hoher Konzentration. Dieses Sulfat gelangt aus den Abraumkippen ins Grundwasser und breitet sich großräumiger aus als die Spurenstoffe aus dem Rheinwasser. „Die Sulfatausbreitung ist maßgebend dafür, dass dieses betroffene Grundwasser für eine Trinkwasserversorgung langfristig nicht genutzt werden kann. Das ist bereits in den langfristigen Wasserversorgungskonzepten des Erft-Verbandes für die gesamte Region berücksichtigt, um die Wasserversorgung zu sichern“, so Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erft-Verbandes: „Eine zusätzliche Aufbereitung des Rheinwassers hätte wegen der überprägenden Sulfatbelastung keine Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Grundwassers für die Wasserversorgung.“ Die langfristigen Wasserversorgungskonzepte des Erft-Verbandes zeigten aber, wie die Wasserversorgung in der Region trotzdem gesichert werden kann.

(-gpm.)