„Unseren Sommerurlaub 2024 haben wir auf Kuba in Varadero verbracht und dort im Hotel die damals 17-jährige Amanda kennengelernt, die als Schülerin einen Ferienjob als Kellnerin angenommen hatte. Wir wurden auf sie durch ihren Fleiß und ihre unheimlich freundliche Ausstrahlung aufmerksam“, so Sandra Holl.
Am zweiten oder dritten Abend gab sie ihr ein Trinkgeld von fünf Euro, welches in etwa einem fast kompletten Monatslohn eines kubanischen Arbeiters entspricht. Amanda begann, vor Freude zu weinen. „Dieser Moment war der Beginn einer engen Verbundenheit.“
Während des Urlaubes konnten sie sehen, dass die wirtschaftliche Situation in Kuba bereits 2024 sehr schwierig war. „Viele für uns selbstverständliche Waren des täglichen Bedarfs waren dort einfach nicht vorhanden und es kam immer wieder zu Stromausfällen. Auch im Hotel. Und selbst Toilettenpapier war den ein oder anderen Tag nicht verfügbar. Die Armut im Lande war bei unseren Ausflügen unübersehbar“, berichtet Sandra Holl.
Inzwischen ist die Situation für die Menschen in Kuba noch einmal deutlich schlimmer geworden. Zum Beispiel kosten 30 Eier heute inzwischen umgerechnet sieben Euro, was einem kompletten Monatslohn eines Kubaners entspricht. Tagelange Stromausfälle, fehlender Treibstoff und kaum noch erhältliche Nahrungsmittel gehören inzwischen zum Alltag.
Holl: „In unserem 14-tägigen Urlaub haben wir uns viel mit Amanda auf englisch unterhalten, ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und ihr bei unserer Abreise versprochen, ihr und ihrer Familie zu helfen.“
Direkt nach der Ankunft zu Hause begann Sandra Holl sich über Wege zu erkundigen, wie man Amanda und ihrer Familie mit Nahrungsmitteln und Geld helfen könne.
Sie begann, monatlich Pakete mit Lebensmitteln und langem Haltbarkeitsdatum nach Kuba zu schicken. Letztendlich konnten die Holls sogar organisieren, dass Amandas Familie ein nagelneues Stromaggregat bekam und so nicht im Dunkeln saß, der Kühlschrank nicht ausfiel, wenn es wieder einmal für Tage keinen Strom auf Kuba gab.
Zu Amandas 18. Geburtstag buchte Sandra Holl dann von Deutschland aus eine kleine Pension direkt am Strand für das Mädchen und ihre Eltern, die bis dahin noch nie einen mehrtägigen Urlaub am Strand von Kuba verbracht hatten, weil dies für viele Kubaner unbezahlbar ist. Inzwischen war ihnen das Mädchen so ans Herz gewachsen, „dass wir beschlossen sie nach Deutschland zu holen.“
Die junge Kubanerin begann mit großem Ehrgeiz, selbstständig Deutsch zu lernen, um ein Visum für Deutschland zu erhalten. Dann kam der Tag, an dem sie ihre Deutschkenntnisse am Goethe-Institut in Havanna nachweisen musste. Amanda bestand ihre Prüfung mit Bravour.
Amanda kam über Zwischenstopp in Santa Domingo/Dominikanische Republik und Umstieg in Madrid am 1. Juni, dem internationalen Kindertag, in Frankfurt nach fast 24 Stunden Reisezeit müde, aber überglücklich an. „Sie möchte gerne in Deutschland bleiben, studieren und einmal Lehrerin werden. Auf diesem Wege werden wir sie begleiten und mit all unseren Möglichkeiten unterstützen . So wie wir dies auch für unsere eigenen Kindern tun würden“, schließt Sandra Holl.