1. Grevenbroich

Wahlkampf ist eröffnet: : „Es geht um die Existenz von Grevenbroich“

Wahlkampf ist eröffnet: : „Es geht um die Existenz von Grevenbroich“

Bei Sportlern spricht man vom „zweiten Atem“, wenn sie – mit einem klaren Ziel vor Augen – urplötzlich neu durchstarten und ungeahnte Reserven mobilisieren. Diesen „zweiten Atem“ stellt derzeit auch Michael Heesch unter Beweis, der seit seiner Nominierung wie ausgewechselt scheint: Er weiß, was er will. Und er sagt es auch. Manche Aussage mag dabei überraschen.

Grevenbroich. „Ich möchte gestalten, ich möchte anpacken“, betont Heesch voller Energie. Und dabei schwingt natürlich auch der Hinweis mit, dass er als Erster Beigeordneter zu oft ausgebremst worden sei – von anderen finanziellen Prioritäten, von anderen Vorgaben des amtierenden Bürgermeisters.

Heesch macht deutlich, dass er nichts von „Leuchtturmprojekten“ hält („Da bekomme ich Nackenschmerzen, weil es immer zu Lasten aller Bürger geht.“), dass für ihn Daseinsvorsorge an erster Stelle steht. Es sei Unsinn, KiTa-Plätze gegen Stellen bei der Feuerwehr aufzurechnen. Beides sei Vorschrift, beides sei notwendig und deshalb habe das Rathaus dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Angebote gemacht werden. In seinem Verantwortungsbereich, der Jugend, habe er darauf gedrungen, dass rund 300 KiTa-Plätze zusätzlich geschaffen wurden. Dass 14 weitere Kindergartengruppen durchfinanziert seien und in der nächsten Zeit realisiert werden können. Dass im „offenen Ganztag“ fast 1.100 Plätze angeboten werden können. Und damit sei er noch immer nicht am Ende: „Nicht die Ideen fehlen, sondern am Ende fehlt das Geld.“

Und für das will Heesch nicht nur durch ein Umgewichten der Prioritäten sorgen. Auch im Bereich Wirtschaftsförderung und Strukturwandel sieht er Chancen. „Eine leitende Idee erkenne ich hier bis jetzt nicht“, merkt er kritisch an. Es gebe aber Strukturfonds, die von anderen Städten sonst längst angezapft würden, deren Nutzung in Grevenbroich bisher verschlafen worden sei. Und große Flächen, die zur Verfügung stehen würden, müssten zur Regenerierung neuer Gewerbesteuer-Einnahmen genutzt werden. Schon zu seinen Zeiten als CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat (Ende vergangenen Jahrhunderts) habe er die einseitige Gewichtung des Gewerbes in Grevenbroich gegeißelt.

Klaus Krützen wurde inzwischen auch offiziell als Bürgermeister-Kandidat der SPD nominiert. Bei der entsprechenden Abstimmung in der aufstellenden Versammlung erhielt er (nur) eine einzige Gegenstimme. Und über die habe er sich (in Erinnerung an die 100 Prozent des gescheiterten Kanzler-Kandidaten Martin Schulz) gefreut. „Ohne Gegenstimme wäre mir suspekt gewesen“, kommentiert er lachend gegenüber dem Erft-Kurier. Dem Vernehmen nach soll das „Nein“ aus Kapellen gekommen sein. Und soll mit der Krützenschen „Rolle rückwärts“ von der L 361 n durch die Erft-Aue hin zum „Krützen-Highway“ zu tun haben. Foto: SPD

Und da ist natürlich auch noch das Thema der Haushaltskonsolidierung: „Das ist nicht nur eine Floskel. Es geht wörtlich um die Existenz von Grevenbroich“, bringt es Michael Heesch mit Verve auf den Punkt. Der Haushaltsausgleich müsse (nach dem Herausrechnen der neuen Corona-Schulden) erreicht werden. Denn: „Findet man keine Antwort, wird es für die Bewohner der Stadt teuer, sehr teuer“, rechnet er vor: Dann könnte von außen die Grundsteuer locker mal verdoppelt werden. „Und das trifft den Häuschenbesitzer genauso wie den Mieter.“ Und auch die Gewerbesteuer könnte drastisch steigen.

Dirk Heyartz ist „Wiederholungstäter“: Schon bei der vorigen Bürgermeisterwahl trat er – damals als Einzelkandidat – an. Diesmal hat er eine neue Wählergemeinschaft hinter sich versammelt, die mit „Transparenz und viel persönlichem Engagement“ punkten will. Die „GGV – Grevenbroich gemeinsam verändern“ kümmert sich diese Woch in einer Versammlung um Kandidaten für die Wahlkreise und die Planung des Wahlkampfes. Foto: GGG

Kein Thema, zu dem der „neue“ Michael Heesch eine Antwort schuldigt bleibt. Oft auch mit überraschenden Inhalten. Beispiel L 361 n: Die gelinge nur mit einem „Baukörper, der von der Bevölkerung mitgetragen wird. Eine Tower-Bridge durch die Grünzone, das wird nicht laufen“, ist er überzeugt. Der so genannte „Krützen-Highway“ sei allerdings genauso ein „Rohrkrepierer“, denn er bringe den Verkehr nur in andere Wohnbereiche und werde aufgrund des hohen Rückstaupotenzials durch aus dem Raum Korschenbroich kommende Fahrzeuge nur für neues Verkehrs-Chaos sorgen. Er könne sich eine Untertunnelung der Erft-Aue vorstellen. Das sei heutzutage kein technisches Problem mehr.Gerhard Müller