Wie viel Gewerbefläche soll nun hier für mehr Wohnraum geopfert werden? Stadtplanung fordert Umwidmung des (gesamten) „Hammerwerks“

Grevenbroich · Am Dienstag der Vorwoche waren Vertreter der CDU im Regionalrat zu Gast in Grevenbroich, um sich am „Hammerwerk“ umzuschauen. Zwischen Dorothea Rendel, Planungs-Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung, und Dirk Brügge (der Kreisdirektor hat einen Sitz im Regionalrat) kam es zu einem heftigen Disput: Alt-Kämmerer Bernd Schotten wollte sich zu den Plänen äußern. Rendel habe versucht, „ihn abzuwürgen“, so Brügge. Sein Kommentar: „Bei uns ist es üblich, den Bürgern zuzuhören.“

Die Zukunft des „Hammerwerks“ ist Thema für Dirk Brügge, Wolfgang, Kaiser, Klaus Krützen und Jürgen Steinmetz.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Diese Episode am Rande macht auf jeden Fall deutlich, dass es bei der geforderten Änderung des Regionalplanes mehrere Meinungen gibt. Bürgermeister Klaus Krützen und CDU-Chef Wolfgang Kaiser argumentieren mit Verve. Und von der IHK gibt es auch schon eine negative Stellungnahme. Der Schlusssatz lautet unmissverständlich: „Die IHK spricht sich gegen eine Wohnbebauung an dieser Stelle aus.“

Konkret geht es um das „Einkaufscenter“ am Kopf des „Hammerwerks“ vis-à-vis der „Waben-Hochhäuser“. Das steht in weiten Teil leer; geblieben sind im wesentlichen „Dross“ und das Sportstudio.

Beschlossen hat die Stadt einen Bebauungsplan für das knapp 14 Hektar große Grundstück. Es gehört der Versorgungskasse der evangelischen Kirche. Die will dem Vernehmen nach nicht selber bauen, sondern das Grundstück versilbern.

Der Bebauungsplan sieht fünf Wohnblöcke vor. Die Fläche sei dabei „komplett ausgereizt“. Es bliebe quasi kein Platz für Grün, Spielplätze oder Aufenthaltsräume, heißt es in der Bewertung. Furiose Kämpferin für dieses Bauprojekt ist übrigens Dorothea Rendel.

Damit es Wirklichkeit werden kann, muss der Regionalplan geändert werden: Aus dem „Allgemeinen Siedlungsbereich mit der Zweckbindung für Gewerbe“ muss ein „Allgemeiner Siedlungsbereich werden“. Diese Änderung kann im Regionalplan allerdings nicht nur für die 14 Hektar im Kopfbereich vorgenommen werden. „Nur ein Teilbereich ist im Regionalplan nicht abbildbar“, macht denn auch Dirk Brügge deutlich. Ergo würde die Änderung das gesamte „Hammerwerk“ (von „Dross“ bis „Aldi“) betreffen.

„Es geht um Wohnraum“, macht Bürgermeister Klaus Krützen unmissverständlich deutlich. Der sei (nicht nur) in Grevenbroich Mangelware und jede Chance (gerade in Bahnhofs- und Citynähe), ihn zu schaffen, müsse ergriffen werden, stellt er sich hinter Rendel.

Krützen geht sogar noch einen Schritt weiter: In seinen Augen gehöre das „Hammerwerk“ eigentlich zur Innenstadt und müsse so auch genutzt werden. Er spielt damit auf die bekannte, langjährige Diskussion um die Ansiedlung eines Elektrofachmarktes im ehemaligen Bundeswehrdepot an, die immer am Land und am Einzelhandelsstandortgutachten gescheitert ist.

Mit den betroffenen Bestandsmietern sei man noch unter Führung von Kristiane von dem Bussche ins Gespräch gekommen. Und die sollten fortgeführt werden.

Wolfgang Kaiser (CDU) versteht nicht, dass das „Hammerwerk“, das „stark und erfolgreich“ sei und für das man seit Jahren „fraktionsübergreifend gekämpft“ habe, geopfert werden solle. Gewerbe müsse in der Stadt gehalten werden, ist Kaiser überzeugt: „Es heißt ja auch Gewerbesteuer. Und nicht Wohnsteuer.“

Sollte der Regionalrat die Änderung ablehnen (Sitzungen finden der kommenden Woche statt), wäre der Bebauungsplan Makulatur.