„Mein Hausarzt hat mir geraten: Ziehen Sie aus“

„Mein Hausarzt hat mir geraten: Ziehen Sie aus“

„Jede Nacht liege ich mit 200er Blutdruck im Bett, kann nicht schlafen und rege mich auf“, macht sich Renate Kullmann Luft. Dabei war sie vor einem halben Jahr mit ihrem Mann von Düsseldorf weg „aufs Land“ gezogen.

Doch an ihrer Wohnung in Langwaden donnern jeden Tag zahllose Lkw vorbei, so dass die „Kloschlüssel vibriert“. Wörtlich: „Mein Hausarzt hat mir geraten: Ziehen Sie aus!“

Die Problematik ist seit Jahren bekannt, seit Jahren laufen die Langwadener Sturm: Mehr als tausend Laster benutzen die Landstraße, die offiziell „am Ort vorbei“ geht. Viele kommen von der „Hydro“, viele kürzen das Kreuz „Neuss Süd“ ab. Ihnen geht es darum, Mautgebühren einzusparen. „Wenn die ,Hydro’ jetzt die Produktion verdoppelt, wird das alles ja noch schlimmer“, so eine Langwadenerin bei einer „Bürgerversammlung“ am Dienstag Morgen an Ort und Stelle.

An manchen Tagen bilde sich, so die Anwohner, ein Rückstau vom „Jägerhof“ bis nach Langwaden. „Wenn die Mütter dann die Grundschulkinder nach Neukirchen bringen wollen, müssen sie durch die Felder fahren“, hieß es.

Schlimmer noch: Die Schulkinder müssen die Straße kreuzen, um zur Bushaltestelle Richtung Grevenbroich zu kommen. „Ein Fußgängerüberweg wurde uns von der Polizei ausgeredet. Der bringe den Kinder nur eine scheinbare Sicherheit: Die Laster würden sie vom Überweg runterholen“, so ein Langwadener.

Eine Ampel wäre auch keine Lösung, würde den Lärm nur erhöhen. Denkbar wäre ein Umleitung hinter Langwaden über die Kreisstraßen zwischen Ramrath und „Gut Nobisrath“, die der Erft-Kurier schon einmal vorstellte. „Aber auch das würde Jahre dauer. Und außerdem hat dafür niemand Geld“, warf Bertram Graf von Nesselrode ein.

Der Politiker will im Rat aber einen anderen Vorstoß machen, eine Anregung der Bürger aufgreifen: Das Kloster soll wieder ins Klosterdorf integriert werden. Heißt: Wenn das Klostergelände planungsrechtlich Teil der Ortslage wird, würde die Landstraße durch Wohnbebauung führen. „Tempo 30“ oder Lkw-Fahrverbote würden möglich. Graf von Nesselrode will von der Stadt abklären lassen, welche planungsrechtlichen Schritte erforderlich wären.

Die Verwaltung müsse klären, welche Pläne (Flächennutzungsplan? Entwicklungspläne?) geändert und welche Behörden ihr Okay geben müssten. Parallel soll die Gründung einer Bürger-Initiative betrieben werden. Die Langwadener wollen jedenfalls ihr Dorf nicht dem Lkw-Donnern anheim geben.

(Kurier-Verlag)