Politiker machen sich Sorgen

Ist die „Schloss-Stadt-Klinik“ schon jetzt die Fusions-Verliererin? : Angst um das Krankenhaus: Göckmanns Diagnose

Rolf Göckmann, Ratsherr der UWG/ABG, ist sich sicher: „Die Probleme des Kreis-Krankenhauses Grevenbroich werden nicht durch die Zusammenlegung mit Neuss gelöst.“ Und er schlägt Alarm: Er spricht von großen Hygiene-Problemen, von abwandernden Ärzten und von Verschwendung in der „Cook and Chill“-Küche.

Grevenbroich. Gerade feiern sich Kreis und Stadt Neuss wegen der gelungenen Fusion der beiden Kreis-Krankenhäuser in Hackenbroich und in Grevenbroich mit dem Lukaskrankenhaus aus Neuss, da schlägt der Frontmann der UWG/ABG jetzt Alarm: „Ich habe von großen Hygiene-Problemen und einen deutlichen Nachholbedarf im medizinischen Bereich gehört.“

Außerdem berichtet er von großer Unzufriedenheit mit der in Hackenbroich zentralisierten Küche. „Ich weiß aus sicherer Quelle, dass dort Lebensmittel für 200.000 Euro weggeworfen werden“, sagt Rolf Göckmann dem Erft-Kurier. Ganz zu schweigen von funktionierenden Kaffeemaschinen, die einfach mal so gegen neue (im Wert von 15.000 Euro!) ausgetauscht würden. „Die Wirtschaftlichkeit muss da geprüft werden.“

Schließlich geißelt er die Kommunikation der Kliniken (und des Kreises) in Richtung Stadt Grevenbroich: „Die ist nicht optimal. Das ist ein Monolog und kein Dialog“, so der Politiker wörtlich. Als Beispiel nennt er die Geschehnisse rund um die Schließung des Bewegungsbades (wir berichteten). Da habe es weder eine Abstimmung noch Kommunikation gegeben. Seine Angst: „Grevenbroich rutscht in der Nahrungskette immer weiter nach unten und wird irgendwann von Neuss ganz gefressen.“ Ursache gerade der Hygiene-Probleme sei sicherlich auch der Personalmangel, der dann zu mangelnder Zeit für den einzelnen Patienten führe. Aber: „Handbücher helfen nicht, wenn es anders gemacht wird“, echauffiert sich der UWG/ABG-Politiker.

Und er berichtet von unter Quarantäne gestellten Krankenzimmern, die vom Personal ohne Schutzkleidung betreten werden würden. Oder von Drainageschläuchen, die mit bloßen Händen gezogen worden seien.

„Die Fusion löst solche Probleme nicht“, ist er sich sicher. Und er fügt an: „Ganz, ganz selten ist es so, dass bei einer Fusion alle drei auf Augenhöhe miteinander sprechen. Meistens wird mindestens einer nach unten durchgereicht“. Göckmann befürchtet, dass das das Grevenbroicher Krankenhaus sein wird.

„Wir wissen auf Anhieb nicht, welche Fälle er meint“, kommentierte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke gestern Mittag. Patricia Mebes, Geschäftsführerin der „Rhein-Kreis-Kliniken“: „Diesen unhaltbaren Vorwürfen tritt die Geschäftsführung sehr energisch entgegen. Gleichzeitig fordert sie dazu auf, bei aller Sorge um das St.-Elisabeth-Krankenhaus in der Debatte einen kühlen Kopf zu bewahren.“

Die Krankenhäuser in Grevenbroich und in Dormagen befänden sich in einer Umbruchphase. Das große wirtschaftliche Defizit aus 2015 und 2016 habe damals klar gemacht: So geht es nicht weiter. Entscheidendes Ziel der neuen Geschäftsführung seither sei der Erhalt der Kliniken in kommunaler Trägerschaft und deren wirtschaftliche Sanierung gewesen, so Mebes weiter: „Denn das Problem der Vergangenheit war immer ein betriebswirtschaftliches, nie ein medizinisches. Zahlreiche, fortlaufend aktualisierte Zertifikate stehen für eine beständige hochwertige medizinische Qualität.“

Umbruchzeiten seien unruhige Zeiten, auch die geplante Fusion mit dem Neusser Lukaskrankenhaus bedeutet weiteren Umbruch. Dass es dabei einige „Unkenrufer“ gebe, gehöre eben zum „Nebenprogramm“.

Die wirtschaftliche Trendwende sei inzwischen geschafft – „ohne dass ein medizinisches Defizit entstanden ist. Im Gegenteil führen alle Maßnahmen zu einer Stärkung des Standortes Grevenbroich“, so Mebes weiter.

Probleme aus dem Küchenbereich – die ausschließlich die schmackhafte Zubereitung betrafen – gehörten inzwischen der Vergangenheit an.

Gerhard Müller

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