1. Grevenbroich

Toll - nicht nur für Gruissem: Schnelles Internet aus dem All, nur die Zocker bleiben außen vor!

Toll - nicht nur für Gruissem : Schnelles Internet aus dem All, nur die Zocker bleiben außen vor!

Auf Gruissem, das kleine Örtchen, das bei der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 quasi aus Versehen in einen Neusser und in einen Grevenbroicher Teil zerschnitten wurde, wird in den kommenden Wochen und Monaten ganz Europa, ja die Welt schauen. Der Grund: Die Gruissemer bekommen das „schnelle Internet“ direkt aus dem Weltraum zugespielt. „Airbus“, „Eutelsat“ und das „Deutsche Zentrum für Raumfahrt“ sorgen dafür.

Gruissem. Der Satellit, der diese Versorgung sicherstellen soll, wurde schon im Januar ins Orbit geschossen. Er ist, wie Thomas Fuchs, Pressesprecher von „Airbus“ und „Eutelsat“, betonte, ein Satellit der „Next Generation“, der mit Plasma-Antrieb arbeitet und der dann Ende Oktober/Anfang November seine genauen Ziel-Koordinaten über dem Örtchen Gruissem erreicht haben soll.

Auf der Erde, im geteilten Ort, wird ein 14 Meter hoher Mast errichtet, der sechs Empfangsanlagen trägt, die dann die Internetanbindung per WLAN an die angeschlossenen Nutzer weiterleiten werden. Ein Segen für die Gruissemer, die bis dato keinerlei Chancen hatten, ans Glasfasernetz angeschlossen zu werden.

Das Ganze ist ein europaweit einzigartiges Pilotprojekt mit dem Ziel, auch in den abgelegensten Gegenden eine Internetverbindung sicherzustellen. Gerade Frankreich sei an den Ergebnissen hochinteressiert und habe bereits einen zweiten Satelliten für den Weltraum präparieren lassen.

 Großer Bahnhof für den Satelliten, der im Anflug ist: Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zusammen mit Reiner Breuer (Neuss) und Klaus Krützen (Grevenbroich) sowie den Vertretern der Investoren und der Bürgerschaft.
Großer Bahnhof für den Satelliten, der im Anflug ist: Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zusammen mit Reiner Breuer (Neuss) und Klaus Krützen (Grevenbroich) sowie den Vertretern der Investoren und der Bürgerschaft.

Entstanden sei die Idee, berichtete Marc Hofmann vom „Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ in Bonn, bei einem Gespräch seines Vorstandes mit Landes-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Zwei Tage später habe man bereits die nötigen Partner in der Industrie gefunden.

In der Verwaltung des Rhein-Kreises habe man dann von diesem Projekt erfahren und sich prompt „mit dem weißen Fleck Gruissem“ beworben. Und das erfolgreich. Denn am Mittwoch wurde „Dorf.Digital“ offiziell gestartet.

So soll noch in diesem Herbst das Internet nach Gruissem kommen. Den angeschlossenen Haushalten werden Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde versprochen. Die kommen während des Probelaufes übrigens kostenlos. Auch die Investitionskosten (WLAN-Antenne am Haus) werden übernommen. Je nachdem, wo die Antenne platziert wird, könnte nur zusätzlicher Blitzschutz auf die Eigentümer zukommen.

Down- und Uploaden sowie aller Datenversand sollen dann in hoher Geschwindigkeit erfolgen. Auch Streamen bei „Netflix“ und Co. soll dann möglich sein. Einzige Einschränkung: Um das System nicht zu überlasten, werden die Programme nur in SD gesendet.

Und noch eine Kröte müssen die Gruissemer schlucken: Da der Satellit eine Verzögerung bei der Datenübertragung von 30 bis 45 Sekunden erzeugt, könne man weder Ego-Shooter-Spiele noch Aktien-Trading in Echtzeit sicherstellen.

Wenn das Jahr Probelauf vorbei ist, sollen die technischen Einrichtungen natürlich stehen bleiben. Die Anschlüsse müssten dann nur von den Nutzern (so wie auch bei anderen Anbietern und anderer Technik) bezahlt werden. Wie viel das dann kosten wird, könne noch nicht gesagt werden, da in diesem früheren Stadium noch gar kein Preiskonzept angedacht worden sei.

Immerhin können pro Satellit 30. bis 40.000 Haushalte bedient werden.

Übrigens sind für „Airbus“ und „Eutelsat“ Orte wie Gruissem nicht das letzte Ziel. Thomas Fuchs geht davon aus, dass auch „Single-Anschlüsse“ üblich werden. Auch hierfür soll es mit benachbarten Bauernhöfen einen Testlauf geben.

Gerhard Müller