Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November hatte die Bürgerstiftung Jüchen die Aufstellung der orangen Bank bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Die Farbe Orange steht weltweit symbolisch für das Ende von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Das Projekt beschäftigt die Bürgerstiftung aber schon viel länger, wie Vorsitzender Joachim Drossert erklärt: „Den Anstoß, eine orangefarbene Bank in Jüchen aufzustellen, gab Vorstandsmitglied Bärbel Meisen bereits 2024. Einen geeigneten Platz dafür zu finden, war aber nicht einfach.“
Pfarrer Ulrich Clancett und der Kirchenvorstand stellten schließlich ein Stück Kirchenland zur Verfügung, wofür die Bürgerstiftung sehr dankbar ist. Denn mit der Fläche am Parkplatz von Haus Katz Ecke Rektor-Thoma-Straße/Alleestraße wurde ein zentraler Platz für die Bank gefunden, der durch die Nähe zu den Kindergärten und dem Marktplatz viel frequentiert wird. Einen Dank für die Hilfe beim Aufstellen richtet die Bürgerstiftung an Bürgermeister Philipp Sieben und den Baubetriebshof.
„Mit der Aufstellung der Bank möchte die Bürgerstiftung Jüchen ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen“, betont Joachim Drossert, „sie soll Passanten einladen, innezuhalten, sich zu informieren und Haltung zu zeigen. Mit der orangen Bank wollen wir einen dauerhaften Ort schaffen, der für Respekt, Schutz und Solidarität gegenüber Betroffenen steht.“ Doch die Bank steht nicht nur für eine deutliche Botschaft, eine Plakette macht außerdem auf Hilfsangebote aufmerksam.
Für Bürgermeister Philipp Sieben, der die Bank direkt in Augenschein nahm, ist es unverständlich, dass Gewalt gegen Frauen heutzutage immer noch ein Thema ist: „Das sollte längst der Vergangenheit angehören. Umso wichtiger ist es, für Aufmerksamkeit zu sorgen und ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen.“
Aus diesem Grund ist auch Kristina Schmeinck, Leitung und Geschäftsführung der Frauenberatungsstelle Neuss, dankbar, dass das Thema abseits des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und des Weltfrauentags am 8. März sichtbar gemacht wird. Denn an diesen Tagen werde zwar ausführlich darüber gesprochen, den Rest des Jahres rücke es aber leider oft in den Hintergrund.
„Im Januar merken wir eine größere Nachfrage bei uns“, berichtet sie, wie passend die Zeit des Aufstellens nun sei. Gut 1.000 Erstanfragen, davon 31 aus Jüchen, habe es im Jahr 2024 insgesamt gegeben – Tendenz steigend. Der Schwerpunkt liege auf der häuslichen Gewalt, weswegen Symbole wie die orange Bank samt Hinweis zu Anlaufstellen für Betroffene von großer Bedeutung seien.
„Die Dunkelziffer ist groß“, wissen die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Jüchen, Andrea Schiffer und Ursula Schmitz. Auch sie seien immer wieder Anlaufstelle für Frauen, hätten schon erlebt, wie Frauen unter Tränen von ihren Erfahrungen berichten. Die Gleichstellungsbeauftragten vermitteln dann beispielsweise an die Frauenberatungsstelle Neuss weiter.
Die Bürgerstiftung Jüchen ruft auf, nicht wegzusehen und betroffenen Frauen Unterstützung anzubieten. Diverse Hilfsangebote stehen zur Verfügung, darunter das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 (kostenfrei, 24/7), Online-Beratung (www.hilfetelefon.de) und regionale Beratungsstellen und Unterstützungsangebote wie die Frauenberatungsstelle Neuss (www.fbst-ne.de).