: Stadt duldete Falschparker wegen „herzergreifender Geschichten“

: Stadt duldete Falschparker wegen „herzergreifender Geschichten“

„Ich habe kein Verständnis dafür, dass Leute einfach den Behindertenparkplatz blockieren, ohne eine Behinderung zu haben“, beschwert sich Dirk Yurtseven bei der Erft-Kurier-Redaktion, „es ist erschreckend wie gleichgültig das Vielen ist.“ Und die Stadt Grevenbroich? Schleppe die Fahrzeuge wegen „herzergreifender Geschichten“ nicht ab?

Grevenbroich. Der Auslöser für Yurtsevens Anruf in der Redaktion ereignete sich Mitte Oktober. „Meine Partnerin ist an der Lunge erkrankt, weswegen wir mehrere Tage hintereinander das Krankenhaus aufsuchen mussten“, so der Grevenbroicher.

Die Behindertenparkplätze waren aber alle belegt – eine Ausweichmöglichkeit nur auf den üblichen Parkplätzen weit entfernt vom Eingang des Krankenhauses nötig. Kann ja mal passieren – nicht aber, wenn drei der fünf parkenden Autos gar keine Parkberechtigung vorliegen haben, auf dem Behindertenparkplatz zu parken. Ein Anruf beim Ordnungsamt klärt schnell: Die bekommen eine Verwarnung. Doch selbst nach mehreren Stunden ist von dem Halter des Fahrzeuges keine Spur.

Ein erneuter Anruf bei der Stadt erschüttert Dirk Yurtseven zutiefst. „Es wurde sich geweigert, die Autos abzuschleppen“, zeigt er sich empört. In Düsseldorf oder Köln greife man härter durch. Ist ja auch laut Straßenverkehrsordnung erlaubt.

Doch Sebastian Johnen, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Grevenbroich, weiß um die Weigerung des Kollegen. „Die würden nicht abgeschleppt werden, weil die Geschichte, weshalb sie den Behindertenparkplatz in Anspruch nehmen, zu herzergreifend sei.“ Fassungslos schüttelt Yurtseven den Kopf: „Meine Partnerin ist blind und an der Lunge erkrankt. Ist das nicht herzergreifend genug?“

Nicht nur, dass es respektlos sei, einen Behindertenparkplatz zu blockieren, sondern vor allem die Nachsichtigkeit der Stadt verärgere ihn. Schließlich habe er eine solche Problematik bereits auch schon bei der Bank, an der „St. Peter und Paul“-Kirche sowie beim Supermarkt festgestellt.

„Die Menschen haben keine Vorstellung, wie einschränkend es ist, wenn der Behindertenparkplatz nicht frei ist. Doch spricht man sie darauf an, wird man teilweise aggressiv angegangen“, bedauert er über so viel Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft. Sogar eine Tracht Prügel wurde ihm deswegen schon angedroht.

Übrigens: Der Behindertenausweis alleine reicht nicht. Lediglich die passende Parkberechtigung ist nötig, um den Behindertenparkplatz zu nutzen.

Darauf verweist nun auch Stadtsprecher Stephan Renner. „Wir wollen ab sofort vermehrt im Bereich des Krankenhauses abschleppen“, reagiert er auf die Anfrage der Erft-Kurier-Redaktion.

Diese Möglichkeit gelte und würde auch so durchgeführt werden. Auf die Nachfrage, weshalb in Yurtsevens Fall nicht reagiert wurde, weiß Renner auch Bescheid: „In der Vergangenheit ist man mit Fahrzeughaltern, die sich wegen eines Notfalls ihr Auto auf den Behindertenparkplatz am Krankenhaus gestellt haben, nachsichtiger umgegangen. Das rechtfertigt aber nicht, den Parkplatz über Stunden zu blockieren.“Alina Gries

Mehr von Erft-Kurier