Neu auf Streife: „Wir müssen immer auf uns aufpassen!“

Neu auf Streife : „Wir müssen immer auf uns aufpassen!“

Im September konnte Landrat Petrauschke 57 neue Polizistinnen und Polizisten im Kreishaus in Grevenbroich begrüßen. Einer von ihnen ist Polizei-Kommissar Nikita Gollan, der seitdem auf der Schloss-Stadt-Wache seinen Dienst tut. Der Erft-Kurier befragte ihn nach seinen frischen Erfahrungen.

Grevenbroich. Der Rhein-Kreis war dabei nicht seine Wunsch-Adresse: Am Ende der Ausbildung (Bachelor-Studiengang an der Fachhochschule in Duisburg) konnte er drei „Wunschbehörden“ benennen. „Keine davon ist es am Ende geworden“, lacht der 25-jährige Rheinberger (Moers), der gerne in eine Großstadt im Ruhrgebiet gegangen wäre.

Inzwischen ist er aber privat nach Mönchengladbach gezogen und fühlt sich im Wach- und Wechseldienst sehr wohl. Die nächsten vier Jahre will er auf jeden Fall auch hier am Ort bleiben.

Und so kann es passieren, dass der junge Mann mit dem sympathischen Kohlenpott-Klang in seiner Stimme derjenige ist, der vor der Tür steht, wenn jemand die Polizei gerufen hat. Die Arbeit der Ordnungshüter habe ihn schon immer interessiert, erzählt er dem Erft-Kurier. Dafür habe er sogar – zumindest bis auf Weiteres – seinen Traum, mit seiner Band professionell Musik zu machen aufgegeben; das Schlagzeug wurde eingemottet.

Das Leben im Wachdienst empfindet Nikita Gollan als total spannend: „Da ist man nicht nur Polizist, sondern viel mehr – vom Sozialpädagogen bis zum Handwerker.“ Und ähnlich breit gefächert seien im weiteren Berufsleben die Möglichkeiten, sich zu spezialisieren: Nicht nur Kripo und Verkehrsdienst, sondern auch Hundestaffel, SEK oder vieles mehr stünden ihm da zur Auswahl.

Wie aber sieht es mit der psychischen Belastung im Einsatz aus? Muss man da nicht Dinge sehen, die man eigentlich nicht sehen will? Nikita Gollan fühlt sich da in der Ausbildung gut vorbereitet: „Der Tod ist ein Riesen Thema, mit dem man sich auseinandergesetzt haben muss“, gibt er ganz klar zu Protokoll.

Immerhin gehört die Überbringung von Todesnachrichten mitunter zu seinen Aufgaben. Deshalb gibt es in der Ausbildung auch Trainingseinheiten für diese sozialen Kompetenzen. ... und auch für interkulturelle Kompetenzen, denn oft geht man in anderen Kulturkreisen ganz anders mit dem Tod und auch mit den Toten um.

Und wie sieht es mit der Angst aus? „Wir müssen immer auf uns aufpassen. Auch eine Verkehrskontrolle kann mal ausarten“, lautet die prompte Antwort, die weniger nach eigener Erfahrung, sondern noch sehr nach „Dozenten-Lehrstoff“ klingt.

In der Ausbildung sei die „Eigensicherung“ auf jeden Fall ein Kernthema. „Man muss sich auf seinen Streifenpartner verlassen“, konstatiert er. Und fügt an, dass es nicht immer die „großen“ Einsätze wären, die gefährlich werden könnten. Gerade in Fällen häuslicher Gewalt könne es da eher kompliziert werden. Aber: „Die Dienstwaffe musste ich noch nicht benutzen“, sagt er erleichtert.

An anderer Stelle kommentiert er aber auch ein wenig bedauernd: „Wenn ich im Dienst bin, passiert nichts Größeres.“ Auch beim SEK-Einsatz wegen des renitenten Hundebesitzers (wir berichteten) habe er erst die Kollegen abgelöst, als der Einsatz fast schon zu Ende war.

Gerhard Müller