Verkehrsinfarkt Wevelinghoven : Jetzt wird gezählt und gerechnet

„Mir wurde gesagt, dass im Sommer schon die Bagger kommen sollen.“ Die Wevelinghovener Bürger, die sich aus Angst vor einem drohenden Verkehrsinfarkt in der Gartenstadt zusammengeschlossen haben, haben Angst, dass die Stadt Fakten schafft, ohne ihre Bedenken wirklich zur Kenntnis zu nehmen. Der Erft-Kurier fragte bei Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) und Planungs-Ausschuss-Vorsitzendem Wolfgang Kaiser (CDU) nach.

Wevelinghoven. Beide erklären sich in die gleiche Richtung: „Eventuell kommt 2021 Bewegung in das Gelände“, formuliert es Kaiser. Bei Krützen heißt es: „Das ist Unsinn. Wir fangen gerade mit den Planungen an.“

In der Tat gibt es für „Mevissen 4“ und „Mevissen 2“ gerade einmal den grundsätzlichen Beschluss, jeweils einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen. In diesem Zusammenhang konnten sich Anfang des Monats die Bürger in einer Beteiligung äußern.

Wie diese Gebiete konkret bebaut werden sollen, steht noch nicht fest (Kaiser: „Ich habe noch keinen Bebauungsplan-Entwurf gesehen.“). Fakt sei, so Bürgermeister Krützen, dass schon im Rahmenplan (quasi die Idee, was man grundsätzlich an dieser Stelle machen kann) die Zahl der Wohneinheiten von 400 auf 300 zurückgesetzt worden sei.

Hier haben sich zum einen die Proteste der Wevelinghovener niedergeschlagen. Zum anderen gab es auch Schwierigkeiten, alle „gewünschten“ Grundstücke zu kaufen.

Entscheidender Bestandteil des Bebauungsplanverfahrens ist – auch das betonen beide Politiker unabhängig von einander – das Verkehrsgutachten. Dezernent Florian Herpel teilte am Dienstag im nicht öffentlichen Teil der Sitzung des Planungs-Ausschusses mit, dass dieses „in der Mache“ sei. Es habe Termine mit dem beauftragten Büro gegeben.

Dem Vernehmen nach sollen im Februar die Verkehrszählungen erfolgen. In sechs bis acht Wochen – so die Hoffnung der Verwaltung – soll das Gutachten fertig sein.

Wichtig dabei: In diesem Gutachten soll „das gesamte Gebiet“, so Krützen, berücksichtigt werden. Da heißt: Die Auswirkungen der beiden Logistik-Zentren von „Lidl“ und der Chips-Fabrik sollen mit eingearbeitet werden.

Zudem hat Bürgermeister Klaus Krützen in den nächsten Tagen einen Termin bei „Straßen.NRW“ (in Sachen L 361 n). Bei dieser Gelegenheit will er sich auch persönlich dafür stark machen, dass die Idee eines großen Kreisverkehrs an der Kreuzung L 316/K 10 vom Land nicht einfach vom Tisch gewischt wird. Dieser Kreisverkehr sei „aus der gesamten Entwicklung in diesem Bereich her geboten“, machte Krützen gegenüber dem Erft-Kurier noch einmal deutlich.

Auch bei der Sorge der Anlieger, dass gerade in „Mevissen 4“ mit (sozialem) Geschossbau eine hohe Verdichtung geplant werde, versucht Krützen zu beruhigen. Er spricht von einer Bebauung „vergleichbar zum ,Böhnerfeld’, ähnlich aufgelockert.“ Wolfgang Kaiser, Chef des Planungs-Ausschusses, betont: „Bislang sind keine konkreten Stellen für Geschossbau festgelegt. Die Lage der Geschossbauten ist also noch komplett offen.“

Wenngleich er auch deutlich macht, dass die Stadt Grevenbroich aufgrund des Zuwanderungsdrucks aus Düsseldorf und Köln (5.000 neue Bürger in den kommenden Jahren werden vom Land errechnet) nicht umhinkomme, auch Geschossbau in der Stadt zu ermöglichen. Den aktuellen Rahmenplan soll man allerdings nicht überschätzen; der sei ja auch schon recht alt, so Kaiser.

Als von Seiten der Politik (CDU, SPD, FDP, UWG) der Erhalt des Abenteuer-Spielplatzes direkt an der Schule zugesagt wurde, kam die Idee auf, die notwendigen (Lehrer)Parkplätze in „Mevissen 4“ anzusiedeln (wir berichteten).

Diese Idee wird derzeit allerdings nicht weiterverfolgt. In der Sitzung des Ältestenrates am Mittwoch brachte Bürgermeister Klaus Krützen nämlich einen anderen Vorschlag ein: Demnach könnten Parkplätze im Schulbereich entlang der L 361 errichtet werden.

Dort habe die Stadt Grundstücke, die wegen der Landstraße nicht bebaut werden können, auf denen Parkplätze wohl aber möglich sind. Genau soll in den kommenden Wochen geprüft werden, so der Ältestenrat. – Die Bürger, die sich in einer „WhatsApp“-Gruppe organisiert haben, wollen sich jetzt übrigens mit einem offenen Brief an den Bürgermeister und an die Fraktions-Vorsitzenden im Stadtrat wenden. Auch der Landrat soll von ihnen angesprochen werden.

Sie wollen ihren Kampf gegen den „Verkehrsinfarkt Wevelinghoven“ forcieren, in der Gartenstadt und darüber hinaus aktiv werden. Von der Politik erwarten sie sich zuverlässige Aussagen, „damit wir wissen, wo wir im September unsere Stimme hingeben sollen...“.

Gerhard Müller