Koch-Karriere auf Kreuzfahrtschiff gestartet

Volle Kraft voraus: : Koch-Karriere auf Kreuzfahrtschiff gestartet

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Für Luca Urbschat aus Stessen ist das Alltag: Er absolviert seine Ausbildung als Koch auf einem großen Kreuzfahrtschiff.

Gekocht hat der Zwanzigjährige schon immer gerne. Mit Mama am heimischen Herd. „Es war bei uns immer selbstverständlich, dass wir frisch und mit guten Zutaten gekocht haben. Wir haben auch immer viel Neues ausprobiert“, berichtet der Azubi. Nach dem Abitur an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Grevenbroich begann Urbschat zwar ein Studium, merkte aber schnell, dass dies nicht der richtige Weg für ihn war: „Alle haben angefangen zu studieren, da habe ich das Gefühl gehabt, dass ich das auch machen sollte. Aber eigentlich hatte ich die ganze Zeit den Wunsch, Koch zu werden.“

Und so bewarb er sich nach seiner kurzen Zeit an der Uni als Koch. „Ich hatte hinterher wirklich tolle Angebote von sehr guten Häusern wie ,Schloss Bensberg‘ oder dem ,Kempinski‘ in Berchtesgarden. Aber ich habe mich bewusst für ,Mein Schiff‘ entschieden, weil ich hier alles lerne. Wir haben 12 verschiedene Restaurants an Bord. Mal koche ich für bis zu 1.200 Leute, mal exklusiv und hochwertiger für nur 60 Personen.“ Nach dem ersten Ausbildungsjahr weiß der Stessener aber auch, wo er seine Zukunft sieht: „Ich möchte in einer Sterneküche kochen.“

Im Wechsel verbringt Urbschat vier Monate auf dem Schiff, dann ist er zwei Monate Zuhause. An Bord gibt es keinen freien Tag: „Wir arbeiten jeden Tag morgens und abends. Die Berufsschule ist auch auf dem Schiff. Wir haben einen Lehrer für nur drei Azubis. Das ist natürlich ein sehr gutes und intensives Lernen. Ansonsten kommen wir auf rund zehn Arbeitsstunden am Tag. Wenn wir in einem Hafen anlegen, der direkt in der Innenstadt liegt, nutze ich die freie Zeit gerne und schaue mir die Gegend an.“

Die Routen wechseln. Und so war Urbschat schon im Mittelmeerraum unterwegs, in Skandinavien bis hin nach Russland. Wenn er in der kommenden Woche wieder auf „sein“ Schiff zurückkehrt, steigt er in Barcelona auf. Und dann wird es zwar wieder spannend und aufregend, aber Urbschat wird auch über Weihnachten und Silvester arbeiten müssen statt mit der Familie unter dem Tannenbaum zu sitzen. „Ich fürchte, dann wird das Thema Heimweh schon noch mal aufkommen. Das hatte ich dieses Jahr schon, als meine Schwester geheiratet hat und ich nicht dabei sein konnte. Aber ich habe mich nun mal bewusst für den Job entschieden und wenn ich es jetzt nicht mache, dann nie. Später will ich sicher mal sesshaft werden und eine Familie gründen.“

Kreuzfahrten kannte der junge Koch schon von früheren Ferien. Doch als Crew-Mitglied bekommt er ganz andere Einblicke in die Faszination Traumschiff: 1.200 Mitarbeiter aus 58 Nationen sorgen sich um das Wohl der Reisenden. Die Stimmung in der Crew ist gut, die Mitarbeiter haben ihren eigenen Bereich an Bord. Können Sport treiben, haben einen Club und Speisesäle. Sie dürfen zwar auch in die Bereiche der Gäste – aber Pool und Sauna sind dabei tabu.

Auf 16 Etagen sind die Urlauber, die Mitarbeiter und zahlreiche Animationsangebote untergebracht. Da musste sich der Azubi erst einmal orientieren, als er mit seiner Arbeit begann. 2.900 Personen können ihre Reise auf der „Mein Schiff“ genießen. Luca Urbschat teilt sich eine Kabine mit einem Kollegen. Die ist klein und ohne Fenster, aber „man gewöhne sich an alles“.

Die Arbeit in der Küche muss perfekt geplant werden, schließlich kann nicht mal eben so neue Ware gekauft werden. Die Speisekammern sind gigantisch groß. 200 Tonnen Lebensmittel müssen für zehn Tage untergebracht werden. Ein Beispiel: Pro Tag verarbeiten die Küchen-Mitarbeiter 5.000 Eier.

Auch für die Familie ist es natürlich eine Herausforderung, wenn Sohn und Bruder weit weg ist. „Wobei meine Mutter da ganz spezielle Sorgen hatte“, lacht der Zwanzigjährige und erklärt: „Sie hatte Angst, dass ich mir in jedem Hafen schlechte Tattoos stechen lasse.“

Bei seinen Aufenthalten in Jüchen kocht der Auszubildende immer noch gerne mit seiner Mutter oder überrascht die Eltern auch mal mit einem leckeren Abendessen, wenn die beiden von der Arbeit kommen. „Ich finde, dass meine Mama richtig gut kocht! Aber am meisten Spaß macht es eben, wenn wir gemeinsam am Herd stehen“, freut sich Urbschat. Und dann fällt der Mama auch schon mal auf, was ihr Sohn anders macht, seit er an Bord seine Ausbildung macht: „Sie meinte letztens, dass ich auch ganz anders anrichte und natürlich viel besser schneide als vorher. Sie schaut sich da schon den ein oder anderen Trick bei mir ab.“

Dank der Ausbildung hat Luca Urbschat auch Lebensmittel neu entdeckt. Er lacht: „Ich esse mittlerweile sogar Zwiebeln und Pilze. Das war früher undenkbar. Ich bin jetzt viel offener Lebensmitteln gegenüber. Nur Gorgonzola wird wahrscheinlich nie gehen.“

Aber auch wenn Luca das Koch-Handwerk nun von der Pike auf lernt, gibt es eine Sache, die bei Mama immer noch am besten schmeckt: „Mein Risotto ist mittlerweile schon sehr gut. Aber kein Risotto kommt an das von meiner Mutter ran. Das ist einfach mein Lieblingsessen.“

(Julia Schäfer)
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