„Wir, als kleine Stadt Jüchen, sind mit einer Fußballmannschaft in der höchsten Amateurklasse des Fußballverbands Niederrhein vertreten“, lässt sich Christoph Sommer, 1. Vorsitzender des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler, die Worte auf der Zunge zergehen. „Das ist für unseren Verein, aber auch für unsere Stadt etwas Besonderes. Wir messen uns mit Vereinen, zum Beispiel dem KFC Uerdingen und Schwarz-Weiß Essen, die bereits in der Bundesliga gespielt haben. Es sind viele große Namen in der Oberliga vertreten, ebenso große und finanzkräftige Städte wie Duisburg, Monheim oder Ratingen.“
In den vergangenen Jahren ist es für den VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler kontinuierlich bergauf gegangen. Und die Oberliga soll nicht nur ein Gastspiel sein: Die Jüchener sind gekommen, um zu bleiben. Die Hinrunde lässt schon von einem Klassenerhalt träumen, denn die „Viktoria“ behauptet sich als Aufsteiger gut.
Mit sechs Siegen, sieben Unentschieden und vier Niederlagen und 28:16 Toren liegt die Mannschaft auf einem starken 6. Platz (von 18) und ist derzeit bester Aufsteiger. „Wir als kleines gallisches Dorf haben extrem viel Freude daran, uns mit den großen Namen zu messen“, strahlt Christoph Sommer. Damit spricht er auch für das Gremium, das für den Verein zuständig ist. Dazu gehören der 2. Vorsitzende Markus Brütsch, Geschäftsführer Norbert Lorenz, Kassierer Guido Roelen und der Sportliche Leiter der Senioren Achim Venten, der mit dem Aufstieg in die Oberliga einiges an Arbeit hat.
Das Gremium ist relativ schlank strukturiert, was den Vorteil hat, dass Entscheidungen klar auf dem kurzen Dienstweg getroffen werden können. Immerhin sind die Genannten alle schon jahrelang zusammen in dem Bereich unterwegs und befreundet. „Anderseits könnten wir noch mehr Leute gebrauchen, die uns unterstützen. Es macht viel Freude, einen Verein zu führen, doch wir stoßen an unsere Grenzen und würden uns über Menschen freuen, die den Erfolg mit uns teilen möchten“, lädt Sommer ein, sich für ein Ehrenamt beim VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler zu bewerben (Kontakt: vorstand@vflviktoria.de).
Christoph Sommer, 1. Vorsitzender des VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler und Mitglied des Vorstands des SSV Jüchen, würde sich mehr Unterstützung der Stadt bezüglich der sportlichen Infrastruktur wünschen: „Wir brauchen einen Sportentwicklungsplan. Ich vermisse hier die Weitsichtigkeit, für einen bestimmten Zeitraum schon die finanziellen Mittel einzuplanen, um solche Projekte wie einen Kunstrasenplatz anzugehen. Wir spielen am höchsten, müssen aber am längsten auf die Erneuerung warten.“
Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela FurthWährend es sportlich in der ersten Oberliga-Saison bisher mehr als ordentlich für die Aufsteiger läuft, fällt im Vergleich mit manch großem Verein nun aber noch stärker auf, dass die Sportinfrastruktur hier vor Ort verbesserungswürdig ist. „Der Erfolg ist schneller gewachsen als die Infrastruktur“, bringt es Christoph Sommer kurz und knapp auf den Punkt.
So musste beispielsweise ein neuer Zaun installiert werden, um die Zuschauerführung während der Spiele zu gewährleisten. Denn bestimmte Bereiche wie hinter dem Tor dürfen dann von Zuschauern nicht betreten werden. Gemeinsam mit seinen Sponsoren, die beiden Hauptsponsoren sind 2. Vorsitzender Markus Brütsch und Ehrenmitglied Walter Muyres, hat der Verein vor Kurzem einen entsprechenden Zaun installiert.
Doch nicht alles sei kurzfristig und vor allem in Eigenleistung stemmbar, wie Christoph Sommer erklärt. So sei unter anderem die Kabinensituation nicht mehr zweckgerecht. Das Umkleidegebäude aus den 60er-Jahren sei zwar Anfang der 2000er kernsaniert worden, aber mit zwei Umkleidekabinen und einer Schirikabine sei es sehr beengt und obendrein nicht barrierefrei.
Ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht außerdem ein neuer Kunstrasenplatz. „Unserer ist von 2009/2010. Man sagt, nach zwölf bis 15 Jahren ist die Oberfläche abgespielt… so sind wir nicht wettbewerbsfähig“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Der Kunstrasenplatz sei sehr hart, wodurch die Verletzungsgefahr groß sei. Christoph Sommer wird deutlich: „Der Platz ist eigentlich nicht Oberliga tauglich. Wir spielen in Jüchen am höchsten, müssen aber am längsten auf die Erneuerung warten. Hier muss schnell gehandelt werden.“
Der VfL Viktoria Jüchen-Garzweiler hofft daher auf die Unterstützung der Stadt, um die Infrastruktur zu verbessern und konkurrenzfähig zu bleiben. Immerhin sei ein Platz in der Oberliga auch gut für die Sichtbarkeit der Stadt. „Wir arbeiten seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit der Stadt zusammen, legen selbst stark Hand an und sind, denke ich, ein zuverlässiger Partner“, resümiert Christoph Sommer mit Blick auf den Pflegevertrag mit der Stadt Jüchen, „wir machen auch viel in Eigenleistung, was der Infrastruktur dient. Nun ist es wichtig, dass Dinge wie der Kunstrasenplatz von der Stadt angepackt werden. Denn alleine kommen wir dabei nicht weiter.“
Die Hoffnung beim Verein ist groß, dass die Stadt den Weg in der Oberliga weiter mit ihm geht. Um sich dort zu etablieren, müssen nun jedoch auch die Rahmenbedingungen vor Ort geschaffen werden. „Den sportlichen Part bekommen wir hin. Über weitere Sponsoren würden wir uns freuen. Notwendig ist aber vor allem eine Verbesserung der sportlichen Infrastruktur“, schließt der Vereinsvorsitzende.