Bernd Lohr begrüßte die Gäste und freute sich besonders darüber, auch Unterstützer wie die Bürgerstiftung Jüchen willkommen heißen zu können. „Ohne die finanziellen Hilfen aus PS-Sparen der Sparkasse Neuss und der Bürgerstiftung hätten wir unseren Wunsch, inklusiver zu werden, vom letzten Jahr nicht erfüllen können“, betonte Lohr, 1. Vorsitzender und Ideengeber des inklusiven schwimmens. Ein besonders großer Wunsch des Teams ist inzwischen Realität: Mit dem mobilen Badelift können Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen selbstbestimmter ins Wasser gelangen. Der Lift war passend zum Fest mit zahlreichen Luftballons geschmückt. „Ein großer Wunsch ist erfüllt. Wir müssen keinen Menschen mehr abweisen, der im Bad ins Schwimmbecken möchte. Unser Bad ist komplett barrierefrei!“, sagte Bernd Lohr.
Anschließend wurde es plötzlich still in der Schwimmhalle und dann erklang ein bekanntes Lied der „Toten Hosen“ – allerdings mit einem eigens für das inklusive Schwimmen geschriebenen Text. Sina trug das Lied vor; der Text war von einem kreativen Mitglied des Vorstands verfasst worden. Einsingen durfte Sina das Lied im Tonstudio von Julian Schramm. Auch die „Toten Hosen“ hatten ihr Einverständnis für die besondere Aktion gegeben. Damit alle Gäste mitsingen konnten, war der Text auf kleinen Handzetteln verteilt worden.
Danach war niemand mehr zu halten. Bei der Staffel ging es um Ehre und Ruhm – und vor allem um jede Menge Spaß. Mit großem Ehrgeiz traten die Teilnehmer gegeneinander an. Am Ende gab es jedoch nur Gewinner: Jeder erhielt eine Medaille.
Bei Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Waffeln wurden zahlreiche Gespräche geführt. Erinnerungen aus den Anfangszeiten des inklusiven Schwimmens wurden ausgetauscht, während neue Eltern aufmerksam den Geschichten lauschten. Schnell wurde deutlich: Hier ist ein besonderer Ort entstanden. Ein Ort, an dem Inklusion nicht nur versprochen, sondern gelebt wird.
Die größte Freude kam für viele schließlich mit der Eröffnung der Spaßzeit im Wasser. Zahlreiche bunte Schwimmhilfen wurden ausprobiert, gespielt und gemeinsam genutzt. Die Helfer in ihren pinken T-Shirts waren rund um das Becken verteilt und sorgten aufmerksam dafür, dass alle sicher und gut begleitet waren. „Wir sind sehr stolz auf unser Team und unsere besonderen Mitglieder. Ohne diese gäbe es das hier nicht. Sie geben uns die Energie, jeden Dienstag hier zu sein, weil der Spaß nie zu kurz kommt!“, erklärte Integrationscoach Dieter Polak.
Doch während der zweite Geburtstag gefeiert wurde, richtet sich der Blick bereits nach vorne. Das nächste Ziel steht fest: Noch mehr Inklusion. „Wir werden noch inklusiver!“, kündigte Dieter Polak mit einem Augenzwinkern an. Mehr wollte er noch nicht verraten. Neben ihm stand David und strahlte. „Ich weiß es schon, aber verrate es nicht!“, sagte er lachend. David ist einer der Menschen, die bereits vor zwei Jahren zu den ersten Teilnehmern des inklusiven Schwimmens gehörten. Heute kommt er regelmäßig selbstständig mit dem ÖPNV aus Dormagen nach Jüchen. Für seine Eltern ist diese Entwicklung etwas ganz Besonderes. „Dass David ÖPNV fährt, alleine – das haben wir diesem Team hier zu verdanken. Ohne diese Idee hier in Jüchen, die einmalig im Rhein-Kreis Neuss ist, wäre David nie alleine ÖPNV gefahren. Wir können nur Danke sagen zu diesem Team um Bernd und Bianca Lohr. Sie versuchen alles möglich zu machen für besondere Menschen!“
Den Beteiligten war an diesem Tag deutlich anzusehen, wie eng die Gemeinschaft inzwischen zusammengewachsen ist. Aus einem Schwimmangebot ist eine besondere Patchworkfamilie geworden, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Zeit verbringen, voneinander lernen, lachen und Erfolge feiern. Erfreulich war für den Vorstand, dass Vertreter des Sportausschusses wie Justin Krönauer und Stefan Heckhausen sowie Torben Reipen und Heinz Kiefer, obendrein Ehrenvorsitzender des Stadtsportverbands Jüchen, und Unterstützer wie die Bürgerstiftung der Einladung gefolgt waren. „Gemeinschaft, die schafft was. Daran haben wir immer geglaubt. Und daran werden wir weiter arbeiten!“, lautet das gemeinsame Credo.
Zwei Jahre inklusives Schwimmen in Jüchen – das sind zwei Jahre voller Begegnungen, kleiner und großer Erfolge, neuer Freundschaften und vor allem voller Lebensfreude. Und eines wurde an diesem Geburtstag ganz deutlich: Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.