„Grüne“ Anfragen zur Offenlegung des Braunkohlenplanes Es geht um die Zukunft des Gillbachs

Eckum · Die Zukunft des Gillbachs als fließendes Gewässer bleibt trotz der Arbeit des wasserwirtschaftlichen Facharbeitskreises ungelöst. Die „Grünen“ bitten um Beantwortung mehrerer Anfragen, idealerweise noch zur kommenden Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 5. Februar.

Es geht um die Zukunft des Gillbachs.

Foto: Gemeinde Rommerskirchen

Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung nehmen Katharina Janetta und Norbert Wrobel Stellung zur Erhaltung des Gillbachs als fließendes Gewässer sowie zur zukünftigen Entwicklung des Gillbachs. Hier ihr umfassender Text:

Die Wasserführung des Gillbachs ist nach dem absehbaren Ende der Braunkohleverstromung am Standort Kraftwerk Niederaußem Block G, H und K (BoA) weiterhin nicht gesichert. Der Gillbach wird derzeit maßgeblich durch Einleitungen aus dem Kraftwerks- (Kühlwasser) bzw. Tagebaubetrieb (Sümpfungswasser Hambach) gespeist. Mit dem Wegfall dieser Nutzungen besteht die konkrete Gefahr, dass der Gillbach seine Funktion als dauerhaftes Fließgewässer verliert oder erheblich beeinträchtigt wird. In dem Zwischenbericht des Wasserwirtschaftlichen Facharbeitskreises ist eine Bespannung des Baches für den Ober- und Mittellauf nicht vorgesehen.

Der Gillbach – Zahlen – Daten – Fakten

Die heutige Quelle des Gillbachs liegt in Bergheim-Auenheim im Bereich des Kraftwerks Niederaußem. Der Abfluss des Gewässers erfolgt über die Erft in den Rhein. Die Länge des Gillbachs beträgt insgesamt 28,5 Kilometer. Über den größten Teil seines Verlaufs durchquert der Bach die Gillbachgemeinde Rommerskirchen und prägt dort maßgeblich Landschaft und Siedlungsstruktur.

Hydromorphologisch ist der Gillbach dem Fließgewässertyp 18 zuzuordnen, der charakteristisch für die löss- und lehmgeprägte Tieflandebene ist. Kleine Bäche dieses Typs können natürlicherweise in Trockenperioden zeitweise trockenfallen.

Durch den Braunkohleabbau verlor der Gillbach bereits vor Jahrzehnten sein natürliches Quellgebiet, den Bethlehemer Wald und wird derzeit hauptsächlich aus Kühlwasser des Kraftwerks Niederaußem gespeist.

Keine Zukunftsperspektive als fließendes Gewässer – Position des RWE und des Erft-Verbands

Im Zuge des Ausstiegs aus der Braunkohleförderung wird diese Wasserzufuhr absehbar eingestellt und der Gillbach droht nach aktuellem Stand teilweise trocken zu fallen. Der Erft-Verband und RWE vertreten die Auffassung, der Gillbach habe in seinem historischen Verlauf im Ober- und Mittellauf, im Abschnitt zwischen Auenheim (bei Niederaußem) und Rommerskirchen-Widdeshoven, nicht ganzjährig Wasser geführt. Laut Erft-Verband spricht man hier über ein ephemeres Gewässer, das nur in der Folge von Starkregenereignissen Wasser führte. Demnach gebe es auch keine Anhaltspunkte, dass der Gillbach im genannten Abschnitt dauerhaften Grundwasserkontakt aufgewiesenen habe. Hierzu wird ein geologisches Gutachten angeführt.

Co-Sprecherin Katharina Janetta und Co-Sprecher Norbert Wrobe.l

Foto: Grüne

Historische Aspekte

Bisher gibt es keine weitere historische, wissenschaftlich fundierte Einschätzung. Die Ausführung eines historisch-wasserwirtschaftlichen Gutachtens konnte bisher nicht in Auftrag gegeben werden. Bereits eine kurze Durchsicht zahlreicher kommunaler Archivdokumente zur historischen Beschaffenheit und Bedeutung des Gillbachs ergibt ein anderes Bild. Daraus wird ersichtlich, dass der Gillbach auch im Bereich des Ober- und Mittellaufs eine historisch wertvolle Funktion für die Gemeindeentwicklung und die Trink- und Nutzwasserversorgung eingenommen hat.

Die Siedlungsgeschichte der Gemeinde Rommerskirchen ist vielschichtig und reicht bis in die prähistorische Zeit zurück. Besonders intensiv war die Besiedlung während der römischen Epoche im 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. Entlang des Gillbachs wurden an mehreren Stellen Überreste so genannter „Villae rusticae“ (römischer Landgüter) nachgewiesen. Eine landwirtschaftliche Nutzung in diesem Umfang wäre ohne eine verlässliche und dauerhafte Wasserversorgung nicht möglich gewesen.

In den folgenden Jahrhunderten siedelten im sogenannten Gillgau die Merowinger, die eine ganze Grafschaft nach dem prägenden Gewässer benannten. In späteren Epochen entstanden entlang des Gillbachs mehrere Wasserburgen. Der Erhalt der überwiegend aus Holz bestehenden Gründungs- und Tragkonstruktionen dieser Bauwerke ist nur bei einer dauerhaft stabilen Wasserführung gewährleistet. Zu nennen sind insbesondere die Burg Anstel, das Schloss Hülchrath sowie die Wasserburg Geretzhoven. All diese Entwicklung kann man sich an einem „Trockenkorridor“, wie Erft-Verband und RWE implizieren, nicht vorstellen. Hier wäre eine weitere Prüfung, ob der Gillbach ein ephemeres/ temporär fließendes oder ein im Sommer trockenfallendes Gewässer war, notwendig.

Ökologische Aspekte

Wie bereits lange vor dem Abbau der Braunkohle stellt das Einzugsgebiet des Gillbachs auch heute eine schützenswerte Natur- und Kulturlandschaft dar. Der Gillbach selbst sowie seine unmittelbare Umgebung bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Im Oberlauf des Gillbachs gibt es nachgewiesene Vorkommen des Eisvogels sowie des Farnes Hirschzunge.

Insbesondere in Zeiten des fortschreitenden Artensterbens ist es erforderlich, bestehende hochwertige Lebensräume konsequent zu erhalten und zu sichern. Fachwissenschaftliche Einschätzungen weisen darauf hin, dass die aktuelle Biodiversitätskrise in direktem Zusammenhang mit dem Verlust und der Fragmentierung von Lebensräumen steht. Diese Entwicklung führt unmittelbar zur Verarmung der biologischen Vielfalt, zum Verlust wertvoller Biotope und in der Folge zum Verschwinden seltener Arten.

In den Jahren zwischen 1995 und 2015 hat der Erft-Verband zahlreiche Abschnitte der Gillbachaue renaturiert und dabei finanzielle Unterstützung durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten. Diese Bereiche haben sich seither zu bedeutenden Hotspots der biologischen Vielfalt entwickelt. Die im Zuge der Renaturierung angepflanzten Gehölze, darunter Erlen sowie weitere typische Auen- und Bruchwaldarten, werden eine künftig zu erwartende Trockenheit jedoch voraussichtlich nicht überstehen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb ein Bach renaturiert und wertvolle, für ein Fließgewässer charakteristische Strukturen geschaffen werden, um ihn anschließend als ephemeres Gewässer zu deklarieren.

Auch im Rahmen des von Naturschutzverbänden entwickelten und vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts „Ein Biotopverbundkonzept für das Rheinische Revier“ kann dem Gillbach eine wesentliche und bislang einmalige Rolle als Verbindungskorridor zukommen. In diesem Konzept wird der Wasserwirtschaft und insbesondere den Fließgewässern eine herausragende Bedeutung für den Biotopverbund zugeschrieben. Für die Planung funktionsfähiger Korridore entlang von Fließgewässern wird davon ausgegangen, dass auf beiden Seiten eines Flusses oder Baches jeweils mindestens 30 Meter Fläche vorzuhalten sind. Darüber hinaus ist die Bedeutung des Gillbachs für das lokale Mikroklima der Gemeinde Rommerskirchen ausdrücklich hervorzuheben.

Soziokulturelle Aspekte

Der Gillbach und die Gillbachaue sind seit Jahrhunderten identitätsprägende Elemente der sogenannten „Gillbachgemeinde“ Rommerskirchen und ihrer Ortsteile. Das Gewässer ist fester Bestandteil der regionalen Landschaftsgeschichte, besitzt eine hohe Bedeutung für Natur und Naherholung und ist eng mit der Identität der Bevölkerung verbunden.

Die zentrale Rolle des Gillbachs spiegelt sich bis heute in vielfältiger Weise wider, unter anderem in der Benennung von Straßen, gastronomischen Betrieben, Geschäften sowie im lokalen Vereinswesen, etwa im Sport-, Schützen- und Karnevalsbereich. Diese ausgeprägte regionale Verankerung spricht deutlich gegen die Annahme eines lediglich ephemeren Gewässers, das nur sporadisch Wasser führt. Vielmehr handelt es sich um einen Bach, der seit Jahrtausenden die Landschaft prägt und über Generationen hinweg eine wesentliche Lebensgrundlage für die ansässige Bevölkerung darstellte.

In der Vergangenheit vorgenommene Begradigungen 1995 – 2015 des Gillbachs wurden in verschiedenen Projekten teilweise und mit erheblichem Aufwand zurückgebaut und renaturiert. Gerade diese renaturierten Abschnitte stellen heute sowohl eine ökologische Aufwertung der Gillbachaue für Flora und Fauna als auch einen wichtigen Raum für die Naherholung der Bevölkerung der Gemeinde dar.

Eine Erhaltung des Gillbachs als Fließgewässer ist unter aktuellen Voraussetzungen jedoch unwahrscheinlich.

Eine positive Wendung könnte vielleicht die Aussage des Erft-Verbands im Regionalrat im November 2025 in Düsseldorf geben, wonach das „Rheinische Revier“ als Wasserreich bezeichnet wurde. Es könnte sein, dass sich damit doch neue Möglichkeiten ergeben, die Zukunft des Gillbachs neu einzuschätzen

Zukunftsperspektive aus Sicht der Bürger

Vor diesem Hintergrund halten wir es für zwingend erforderlich, dass im Rahmen der weiteren Planung verbindlich sichergestellt wird, dass der Gillbach auch nach dem Ende der Braunkohlenutzung als dauerhaft wasserführendes Fließgewässer erhalten bleibt. Eine bloße Duldung eines zukünftigen Austrocknens oder eine Herabstufung zu einem zeitweise wasserführenden Gerinne ist aus ökologischer, wasserwirtschaftlicher und regionaler Sicht nicht akzeptabel.

Wir fordern daher:

• die langfristige Sicherung einer ausreichenden Wasserführung des Gillbachs auch nach dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung,

• die Berücksichtigung des Gillbachs als schützenswertes Oberflächengewässer in der weiteren Planung

• sowie eine transparente Darstellung, mit welchen wasserwirtschaftlichen Maßnahmen (z. B. alternative Wasserzuführungen, Nachsorgekonzepte oder naturnaher Wasserrückstau) der Erhalt des Gewässers gewährleistet werden soll.

Die Zukunft des Gillbachs muss integraler Bestandteil der Braunkohle-Nachsorge und der regionalen Entwicklungsplanung sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Gewässer seine ökologische, landschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung für Rommerskirchen dauerhaft behält.

Katharina Janetta

Co-Sprecherin

Norbert Wrobel

Co-Sprecher

(-ekG.)