1. Grevenbroich

Im Interview: „Innenstadt-Berater“ Heiner Schnorrenberg

Im Interview: „Innenstadt-Berater“ Heiner Schnorrenberg : Eine „sechs“ für die Nörgler, denen man es nicht recht machen kann.  

Im nach den Kommunalwahlen neugebildeten „Ausschuss für Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing“ ist er beratendes Mitglied. Das heißt: Die Politiker wollen auf Heiner Schnorrenbergs Sachverstand hören, wenn es um die Zukunft der „Grevenbroicher Einkaufsmeile“ geht.

Und Erfahrung bringt der langjährige Vorsitzende des Werberings aus der Innenstadt durchaus mit. Zudem hat er sich in diesen Jahren als streitbar und argumentationsstark erwiesen. Im Interview mit dem Erft-Kurier schaut er schon einmal in die Zukunft der Schloss-Stadt.

Wenn Sie die Stadt Grevenbroich in einem Satz beschreiben sollten, wie würde der dann lauten?

Grevenbroich ist meine Heimat und die Stadt, in der ich mich wohlfühle. 

 Gut geschützt durch die Pandemie: Heiner Schnorrenberg ist im nach den Kommunalwahlen neugebildeten „Ausschuss für Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing“ beratendes Mitglied. Das heißt: Die Politiker wollen auf Heiner Schnorrenbergs Sachverstand hören, wenn es um die Zukunft der  „Grevenbroicher Einkaufsmeile“ geht. Und Erfahrung bringt der langjährige Vorsitzende des Werberings aus der Innenstadt durchaus mit.
Gut geschützt durch die Pandemie: Heiner Schnorrenberg ist im nach den Kommunalwahlen neugebildeten „Ausschuss für Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing“ beratendes Mitglied. Das heißt: Die Politiker wollen auf Heiner Schnorrenbergs Sachverstand hören, wenn es um die Zukunft der  „Grevenbroicher Einkaufsmeile“ geht. Und Erfahrung bringt der langjährige Vorsitzende des Werberings aus der Innenstadt durchaus mit. Foto: privat

Verteilen Sie Noten: In welchen Bereichen bekommt Grevenbroich ein „gut“ oder „sehr gut“? Und in welchen eher ein „unbefriedigend“?

Eine glatte „eins“ für die vielen engagierten Menschen in Grevenbroich, die im sozialen und caritativen, kulturellen und sportlichen Bereich in Vereinen, Gemeinschaften oder auch als „Einzelkämpfer“ privat dafür sorgen, dass unsere Stadt lebenswert und liebenswert ist. Eine „sechs“ für die Nörgler, denen man es nicht recht machen kann.

Auch wenn Sie den Vorsitz im Werbering, den es im Übrigen gar nicht mehr gibt, abgegeben haben, waren und sind Sie so etwas wie das „Gesicht der Fußgängerzone“. Und darüber hinaus auch ein scharfer Beobachter der Einzelhandelslandschaft. Warum sind Sie stolz auf die „Grevenbroicher City“?

Weil wir in unserer Stadt viele Händler und Gastronomen (!) haben, die mit Herzblut und Freude an ihrem Job hängen und auch in schwierigen Zeiten (Corona) mit Einfallsreichtum und Flexibilität vorausgehen.

Außerdem sind sie oft „Aushängeschild“ unserer Stadt für die Besucher aus der Region.

Derzeit ist viel die Rede davon, dass Innenstädte neu gedacht, „neu erfunden“ werden müssten. Gerade auch nach Corona – welche Ansätze halten Sie da für notwendig, für wünschenswert?

Grevenbroich ist mit dem Bedeutungsverlust seiner City nicht allein. Nahezu überall zeigen sich die gleichen Entwicklungen – nicht nur in Deutschland!

Ich beobachte oft das fehlende grundsätzliche Verständnis für die Lage der Innenstädte. Anstatt der Frage nachzugehen, wie die City zu schützen ist, sollte der Focus auf dem Bewusstsein liegen, Anreize für die Ansiedlung im Zentrum zu schaffen.

Ein Einzelhandelskonzept, zumal wenn es halbherzig betrieben wird, reicht nicht aus, die City zu beleben. Die Kunden suchen sich ihre Konsumlocations selbst aus und lassen sich nichts vorschreiben.

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Wenn die Innenstadt verkehrlich nicht bequem erreichbar ist und Parkmöglichkeiten, Anbindungen im ÖPNV fehlen, dann sind gut gemeinte Subventionen und schlaue Konzepte von teuren Beratern schlicht `raus geworfenes Geld!

In 2021 sind die Umsätze im Handel – trotz Corona – bundesweit gestiegen? Nur die Einzelhandelsgeschäfte (non food) vor Ort haben weitere Umsätze abgegeben. Ein unaufhaltbarer Trend oder wie wollen Sie da gegensteuern?

Der Fachhandel (non food) ist der klare Verlierer seit Beginn der Pandemie, weil hier der flächendeckende Lockdown in aller Konsequenz durchgeführt wurde. Schlimmer waren nur die Gastronomie sowie die Eventbranche betroffen.

Es wird schwer werden, hier verlorenes Terrain zurückzuerobern. Viele Händler und Gastronomen stellen ihre Lebensentwürfe infrage und geben auf.

Selbstkritisch ist anzumerken, dass mangelnde Professionalität bei manchem Anbieter zu keiner Alternative zur Betriebsschließung führen kann.

Schlussendlich liegt die Entscheidung beim Kunden beziehungsweise beim Gast. Der nämlich bestimmt durch seinen Konsum, welche Betriebe Erfolg haben.

Und dieser Konsum wird allgemein eher abnehmen. Handel ist Wandel – mehr denn je!

Wagen wir einen Blick voraus: Wie, denken Sie, wird Grevenbroich in zehn, zwanzig Jahren aussehen? Wie sollte Grevenbroich dann aussehen?

Grevenbroich wird bedingt durch viele unterschiedliche Entwicklungen (Strukturwandel, Energiewende, Konsumwandel und -verzicht, demografische Entwicklungen, Einwanderung und so weiter) ein anderes Gesicht haben als bisher.

Die große Aufgabe wird darin liegen, diese Entwicklungen ohne Brüche kontinuierlich zu gestalten. Wenn alle Beteiligten Engagement zeigen und bereit sind, alte Denkmuster zurückzustellen, dann ist mir nicht bange um die Zukunft von Grevenbroich.

… und in der Fußgängerzone reiht sich eine Gastronomie an die andere, während am „Hammerwerk“ der Handel blüht? Immerhin ist bis dahin der Strukturwandel gelungen und hat viele Studenten, Start-Up´er und moderne Unternehmungen in die Stadt gebracht…

Ich bin überzeugt, dass die funktionierende City in Grevenbroich einen Mix aus Handel, Gastronomie, Arztpraxen, Dienstleistungen, attraktiven anderen (auch neuen) Arbeitsplätzen und Events, Freizeit-, Erholungs- und Erlebnis-, Aufenthalts- und Wohnqualitäten bieten muss. Verschiebungen innerhalb dieses Mix` machen die Entwicklung spannend.

(Gerhard P. Müller)