: Alpaka-Liebe: viel mehr als Trend-Tiere

: Alpaka-Liebe: viel mehr als Trend-Tiere

Der kleine „Macho“ Elmo, der verpeilte Felix, der entspannte Oskar und und der neugierige Moritz: Marvin Schumacher hat ein außergewöhnliches Hobby – er hält vier Alpakas auf einer Weide. Und die halten den Jüchener ganz schön auf Trab.

Jüchen. Alpakas, die ursprünglich aus Peru stammen, gehören wohl zu den „Trend-Tieren“ der vergangenen Monate. „Leider“, findet Marvin Schumacher. Denn für den Jüchener steckt viel mehr hinter den Tieren, als viele sehen: „Alpakas sind keine Kuscheltiere, wie sie oft dargestellt werden. Wenn sich ein Alpaka von einem Fremden streicheln lässt, dann ist es vermutlich krank.“ Zu ihrem „Herrchen“ haben die Tiere indes eine ganz besondere Beziehung: „Als ich ihnen einen Tannenbaum in die Nähe ihres Unterstandes gestellt habe, haben sie sich richtig gefreut und mir kleine Nasenküsschen gegeben.“ Wichtig dabei: Die Tiere kommen von alleine, denn Schumacher achtet sehr darauf, dass sie natürlich bleiben dürfen. Und das bedeutet eben wild, aber scheu.

Die Idee zur Haltung der Tiere kam Schumacher spontan: „Wir hatten das Land und wollten es als Weide nutzen. Also haben wir überlegt, welche Tiere sich anbieten. Meine Freundin Nadine und ich haben dann schnell gemerkt, dass wir Spaß an Alpakas haben.“ Und so zogen 2018 vier Männchen ein. Doch Alpakas kann nicht jeder einfach so halten. „Zum Glück“, gibt Schumacher zu bedenken, denn es gibt eine Anforderungen zu erfüllen, damit es den Tieren gut geht: „Pro Tier müssen mindestens 1.000 Quadratmeter Fläche vorhanden sein. Die Tiere müssen als kleine Herde gehalten werden.“ Das Veterinäramt nimmt genauestens unter die Lupe, dass alle Bedingungen stimmen. Aktuell baut der Jüchener zum Beispiel einen zweiten Unterstand: „Auch der wird abgenommen werden müssen. Denn ich möchte gerne auch noch Weibchen halten. Die müssen aber getrennt von den Männchen leben.“ Sollte es Nachwuchs geben, dürfte dieser ein Jahr lang nicht angefasst werden: Sonst kann es zum „Berserker Syndrom“ kommen, bei dem sich das Tier nicht als Herdentier erkennt. Ist es ausgewachsen und wiegt um die 70 Kilogramm, kann aus einem als Kuscheltier falsch gehaltenem Tier schnell ein unberechenbares Alpaka werden, das seine Grenzen nicht kennt und so seine Kraft nicht richtig einsetzen kann. Das kann gefährlich werden.

Die Alpaka-Herde soll aber ein Hobby bleiben: „Es ist wirklich eine intensive Arbeit, aber die entspannt Nadine und mich.“ Den Austausch findet das Paar online mit vielen anderen Alpaka-Besitzern

Wo genau in Jüchen sich die Alpaka-Herde befindet, bleibt ein Geheimnis – zum Schutz der Tiere. Denn nett gemeinte Fütterungen könnten sogar den Tod für die Tiere bedeuten: „Alpakas sind Diabetiker. Da würden schon zwei Scheiben Brot reichen und sie könnten sterben. Sie dürfen wirklich nur Gras und Heu essen. Und ihre Leck-Steine mit Salz aus den Anden.“ Deshalb wird das Gelände per Video überwacht und die Weide ist mittlerweile so abgetrennt, dass Spaziergänger nicht direkt an die Alpakas kommen.

Julia Schäfer