Altes Jugendheim in Jüchen wird kernsaniert „Es ist ein Abenteuer, aber ein schönes“

Jüchen · Gut 880 Arbeitsstunden und über 50 volle Container später ist das alte Jugendheim an der St.-Jakobus-Kirche in Jüchen von innen kaum noch wiederzuerkennen. Die Kernsanierung schreitet gut voran. Pfarrer Ulrich Clancett, Küster Dirk Wendland und Joachim Schreiber von der SJ Projektbau GmbH verrieten bei einem Besuch auf der Baustelle, was für das historische Gebäude geplant ist.

Von links: Pfarrer Ulrich Clancett, Küster Dirk Wendland und Joachim Schreiber von der SJ Projektbau GmbH.

Von links: Pfarrer Ulrich Clancett, Küster Dirk Wendland und Joachim Schreiber von der SJ Projektbau GmbH.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Bereits über 300 Jahre hat das alte Jugendheim, das in Fachwerkbauweise entstanden ist, Bestand, berichtet Ulrich Clancett. Damit ist es älter als das benachbarte Gotteshaus, das Mitte der 1890er Jahre neu erbaut wurde. Über die Jahrhunderte wurde das Jugendheim vielseitig genutzt, war lange Wohnort des Küsters, wurde als Schule genutzt und beherbergte eine Zeit lang eine Bücherei. Bisweilen war es Tradition, dass der Kirchenmusiker die in der oberen Etage liegenden Räumlichkeiten bewohnte und so wurden die Räume im Erdgeschoss als Probenlokal des Kirchenchores genutzt.

Zwischenzeitlich, während des Erweiterungsbaus der Kirche 1910 bis 1912, sei das Haus schon von der Provinzialregierung in Düsseldorf für baufällig erklärt worden. „Das hat hier aber keinen gekümmert“, schmunzelt Clancett, „die letzten Mieter sind vor gut 30 Jahren ausgezogen. Seitdem stand die Wohnung im Obergeschoss leer. Es wurde nur noch das Probenlokal des Kirchenchores genutzt, auch von anderen Musikern“. Doch nach dem Zusammenschluss zur Chorgemeinschaft mit den Chören aus Hochneukirch und Otzenrath stand das Jugendheim endgültig leer, da die Proben nach Otzenrath verlegt wurden. Am Ende wurde das alte Jugendheim nur noch für eines genutzt: den Glühweinausschank der Feuerwehr beim Jüchener Weihnachtsmarkt.

Lange habe man überlegt, was mit dem Gebäude passieren solle, berichten der Pfarrer und Küster Dirk Wendland. Letztlich habe sich der Kirchenvorstand die Frage gestellt: „Wie kriegen wir diesen Platz belebt?“ Das soll nun mit der Sanierung des Jugendheimes passieren, in dem zwei Mietwohnungen mit jeweils zwei Ebenen und Balkonen in den oberen Etagen sowie ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss entstehen werden.

Die intensive Planung ging bereits 2019 los, da allen bewusst war, dass es „eine Operation am offenen Herzen“ werde. So spielt beispielsweise der Denkmalschutz eine besondere Rolle. Denn das Haus selbst ist nicht denkmalgeschützt, aber das gesamte Ensemble „Altes Jugendheim“ und Kirche. Von daher werde die Grundfläche und das Gebäude an sich, das die letzte Anbindung der Kirche an den historischen Ortskern darstellt, nicht verändert.

Ein Blick in die entkernte erste Etage.

Ein Blick in die entkernte erste Etage.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Joachim Schreiber, Geschäftsführer und Gesellschafter der SJ Projektbau GmbH aus Jüchen, hat mit seiner Firma die Planung des Projekts übernommen. Schreiber und sein Team sind in allen Belangen Ansprechpartner für die Kirchengemeinde. Als Generalübernehmer arbeiten sie mit örtlichen Bauunternehmen zusammen und koordinieren alle anfallenden Aufgaben von den Bauanträgen bis hin zum letztendlichen Ausbau. „Es ist ein Abenteuer, aber ein schönes“, lacht er.

Das Haus wurde, mit Rücksicht auf die historische Bauweise, in den vergangenen Wochen bereits so weit wie möglich entkernt. In mühevoller Handarbeit finden die ganzen Arbeiten statt, um alles, was möglich ist, zu erhalten. Die eine oder andere Überraschung habe es dabei gegeben, wie die drei Männer berichten. So habe es zum Beispiel bisher keine Bodenplatte gegeben, der alte Holzboden lag auf Schlacke und Erde. Und als Dämmmaterial wurden alte Zeitungen, Holzspäne und Glas gefunden. Außerdem seien über die Jahrzehnte verschiedene Baumaßnahmen umgesetzt worden, wobei auch schon mal stützende Balken entfernt worden seien. Die Fachwerk-Konstruktion habe letztlich dazu beigetragen, dass das alte Jugendheim bis heute in dieser Form überlebt habe und nichts eingestürzt sei. Pfarrer Ulrich zeigt sich von der Bauweise begeistert: „Nach den ersten Erfahrungen mit den Sanierungsarbeiten bin ich der festen Überzeugung, dass es keine bessere Bauform, nichts Stabileres gibt.“

Bei dem ganzen Bauprojekt wird übrigens viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. So werde fein säuberlich zwischen Holz, Bauschutt und Sondermüll getrennt. Der Strom soll später über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach generiert werden und geheizt werden soll mit Geothermie. Auch die Sanierung von außen soll nun zügig voranschreiten. Dafür wird die angrenzende Kirchstraße zeitweise für den Verkehr gesperrt werden müssen, erzählen die drei. Das werde voraussichtlich im Juni geschehen. „Am Ende, spätestens in einem Jahr, soll man sagen können: Das hat immer so ausgesehen. Es soll mit der Kirche eine Einheit bilden und kein Fremdkörper sein“, betont Joachim Schreiber. Zwischen 500.000 und 600.000 Euro wird die gesamte Sanierung des alten Jugendheims vermutlich kosten.

Ulrich Clancett, Dirk Wendland und Joachim Schreiber blicken nun freudig auf die nächsten Schritte der Sanierung. Wenn alles so läuft wie erhofft, könne der traditionelle Glühweinverkauf der Feuerwehr beim diesjährigen Jüchener Weihnachtsmarkt dann wohl schon in den neuen Räumlichkeiten stattfinden.

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