Gesamtschule Jüchen feiert Vernissage „Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl“

Jüchen · „Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl“. Unter diesem Thema stand ein Kunstprojekt der Gesamtschule Jüchen von „Seiteneinsteigerkindern“, die ihre Heimat unter anderem aufgrund des Krieges in der Ukraine verließen, mit der ukrainischen Künstlerin Hanna Melnykova. Gemeinsam feierten sie nun Vernissage im Schloss Dyck.

 Die Gesamtschule Jüchen feierte Ausstellungseröffnung im Schloss Dyck.

Die Gesamtschule Jüchen feierte Ausstellungseröffnung im Schloss Dyck.

Foto: Kurier Verlag GmbH/Daniela Furth

Voller Stolz eröffnete die Gesamtschule Jüchen die einzigartige Kunstausstellung im „Stallhof“, was sich auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Thomas Lindgens, Ratsmitglied und Kulturausschussvorsitzender, in Vertretung für Bürgermeister Harald Zillikens nicht entgehen ließen. Schulleiterin Susanne Schumacher über die Ausstellung: „Es sind wirklich tolle Werke entstanden, sodass wir gesagt haben: Es ist zu schade, sie nur in der Schule auszustellen.“ Daher wurde mit der Stiftung Schloss Dyck Kontakt aufgenommen, die die Ausstellung in diesem besonderen Ambiente möglich machte.

Nach der großen Flüchtlingswelle 2015 und auch nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine nahm die Gesamtschule viele Schüler auf, die ihre Heimat verlassen hatten. „Jedes Kind hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Hintergrund. Die Kinder haben nicht nur ihre Heimat verloren, sondern sind rausgerissen worden auf ihrem Kulturkreis, haben ihre Sprache, Freunde und Familie verloren“, erklärt die Schulleiterin. Das Kunst-Projekt zum Thema Heimat ermöglicht es den Schülern nun, ihre persönlichen Erfahrungen und Gefühle auf ganz besondere Weise auszudrücken und mit Außenstehenden zu teilen. Die Ausstellung lädt die Besucher ein, sich auf eine Reise durch die Vielschichtigkeit von „Heimat“ zu begeben.

„Die Zusammenarbeit mit den Seiteneinsteigerkindern der Gesamtschule Jüchen war für mich eine zutiefst inspirierende Erfahrung“, sagt Künstlerin Hanna Melnykova. Und Irina Parsick, betreuende Lehrerin der Gruppe, fügt hinzu: „Es war unglaublich bereichernd, ihre Geschichten zu hören und zu sehen, wie sie durch Kunst ihre Stimmen zum Ausdruck bringen. ‚Heimat‘ ist so individuell und vielfältig wie die Menschen selbst, und diese Ausstellung ist ein Spiegelbild dieser Vielfalt.“

Über mehrere Wochen arbeite die Künstlerin, mit großer Unterstützung der Lehrer Irina Parsick und Manuel Reißmeier, mit den Schülern am Foto-Projekt. „Am Anfang haben wir intensiv gebrainstormt, was Heimat für die Kinder bedeutet und welche Symbole es vielleicht gibt. Ein Symbol war zum Beispiel Brot. Beim nächsten Mal haben sie dann eines mitgebracht und damit Kompositionen gebildet“, erklärt die Künstlerin, dass alle sehr offen mit dem Thema umgegangen seien.

Gut fünf Tage dauerte der Workshop insgesamt, wie sie berichtet. Allein zwei Tage haben die Kids am Bau eigener Lochkameras gearbeitet und deren Prozess verstehen gelernt. Einen weiteren Tag beschäftigte sich die Gruppe mit dem Prinzip der Fotogramm-Technik, der Fotografie ohne Kamera. Dabei werden Gegenstände auf Fotopapier positioniert und das Ganze belichtet, sodass es eine Abbildung der Schatten gibt. Ein anderes Mal gingen sie raus und arbeiteten dort mit ihren Kameras.

Zu den Nachwuchskünstlern gehörte unter anderem der zwölfjährige Dima, der die sechste Klasse der Gesamtschule Jüchen besucht. Er ließ seine Heimat, eine kleine Stadt im Osten der Ukraine, zurück, kam im April 2022 nach Deutschland. Er hatte viel Spaß an dem Projekt, wie er berichtet, insbesondere an der Arbeit im eigens im Gesamtschulkeller eingerichteten Fotolabor. Alles nötige dafür hatte Künstlerin Hanna Melnykova mitgebracht.

Auch ein paar Arbeiten ihrer Kunstschüler aus Charkiw sind bei der Ausstellung zu sehen. Diese hatten sich ebenfalls mit dem Thema Heimat befasst. „So wird gezeigt, wie Jugendliche, die in der Ukraine geblieben sind, Heimat sehen, und was sie für Kids, die ihr Heimatland verlassen haben, bedeutet.“ Die Ausstellung im „Stallhof“ von Schloss Dyck ist noch bis zum 13. Juni für die Öffentlichkeit zugänglich.

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