: Grüne Mahnmale für Bürger und Politik

: Grüne Mahnmale für Bürger und Politik

Bereits seit Monaten ragen sie aus den Feldern empor: grüne Mahn-Kreuze. Mittlerweile stehen sie reihenweise und deutschlandweit auf den Feldern der Landwirte – als stiller Protest. „Das was da in der Politik gemacht wird, ist alles andere als fair“, äußert sich Landwirt Jochen Roelen aus Gubberath. Er hofft, dass die Landwirte endlich eine Stimme bekommen, um in politischen Entscheidungen mitwirken zu können.

Jüchen. „Ich beteilige mich an der Aktion ,grüne Kreuze’ unter dem Gesichtspunkt, dass hier wertvolle Ackerfläche zugrunde geht“, erklärt Michael Schieffer, Landwirt des Dycker Hahnerhofs, seine Sichtweise auf die stille Protestaktion. Denn der Rhein-Kreis sei als „rotes Gebiet“ gekennzeichnet, da einzelne Messstellen den Nitrat-Grenzwert überschreiten würden.

Aber jetzt erst einmal auf Anfang: „Die neue Düngeverordnung und das Agrarpaket der Bundesregierung machen uns zu schaffen“, erzählt Michael Schieffer, der vor allem Zuckerrüben und Weizen anbaut. Dabei seien beide Verordnungen in seinen Augen falsch und würden getroffen werden, ohne dabei alle Verursacher zu betrachten.

„Wir sind immer Schuld“, klagt er weiter, „Bienensterben, Grundwasserprobleme und weiteres. Dass das aber auch andere Ursachen hat, danach fragt niemand.“ Diese Meinung teilt Landwirt Jochen Roelen aus Gubberath: „Wir werden in unserer Arbeitsweise stark kontrolliert; das ist auch gut so. Wir produzieren rechtens. Durch die neuen Auflagen würde unsere Landwirtschaft aber zunichte gemacht werden, so dass künftig immer mehr aus dem Ausland importiert wird. Wollen das die Bürger?“ Würde beispielsweise nicht mehr gespritzt und gedüngt werden, so wie es das Agrarpaket und die Düngeverordnung vorsehen, fiele die Ernte nicht mehr reichhaltig aus.

„Dann muss mehr importiert werden. Aus Brasilien zum Beispiel, wo entsprechend immer mehr Regenwald abgeholzt wird“, ärgert sich Schieffer, „gleichzeitig geht bei uns viel Potenzial verloren, CO2aus der Luft zu binden. Ein Hektar Zuckerrüben bindet beispielsweise 36 Tonnen CO2 pro Jahr.“

Dass diese Verordnungen getroffen wurden, weil die Nitratwerte im Grundwasser besorgniserregend seien, verstehen die beiden Landwirte nicht. „Bei Überschwemmungen gelangt auch das schmutzige Kanalwasser in das Grundwasser. Das hat mit der Landwirtschaft nichts zu tun“, weiß Jochen Roelen, „ich muss düngen, um die Pflanze zu schützen und zu ernähren. Deshalb dünge ich sinnvoll und überdünge nicht. Wenn ich das tun würde, dann würde es aber selbst 50 Jahre dauern, bis die Düngemittel das Grundwasser in 90 Metern Tiefe erreichen würden.“

Und auch Michael Schieffer weiß, dass Nitrat auch einfach auf ganz natürliche Weise – ohne Dünger – ins Grundwasser gelange.

„Von Natur aus befinden sich große Mengen an Stickstoff im Boden. Durch den Zusatz von Sauerstoff, Wasser und Wärme wird daraus automatisch und kontinuierlich Nitrat. Und entweder wächst hier eine Pflanze und bindet das Nitrat oder aber es gelangt ins Grundwasser.“

Zwischenfrüchte (wie auf dem Bild zu sehen) übernehmen diese Aufgabe im Winter. Aber diese brauchen Dünger, um ein gutes und tiefes Wurzelsystem auszubilden.

Das würde aber mit der neuen Düngeverordnung verboten. Dabei basiere das Grundwasserproblem auch nur auf einem „roten Punkt“ in der Umgebung, weiß Schieffer. Dadurch würde der ganze Bezirk als „rotes Gebiet“ eingestuft werden, obwohl der Großteil der Messstellen deutlich unter den Grenzwerten liegen. „Hier in Jüchen gibt es aber kein Grundwasserproblem“, weiß Michael Schieffer und verweist auf öffentliche Zahlen der Wasserwerke.

Auch Konrad Thelen, Fraktionsvorsitzender der FDP bestärkt: „Demnach ist die Verhinderung belastender Düngung eine „preiswertere Lösung“ als nachträgliche Aufarbeitung. Diese Positionierung ist grundsätzlich richtig, trifft aber auf die untersuchte Fläche nicht zu.Die hier gemessenen Nitratwerte beweisen, wie verantwortungsvoll die Landwirtschaft unserer Region mit der Problematik möglicher Überdüngung umgeht. Die Einstufung der mit rot gekennzeichneten Parzellen erscheinen mir deshalb – bis zum Vorliegen eines gesicherten Gegenbeweises – alsdurch die politische Großwetterlage verursachteWillkür.“

An einem Tisch sitzen und gemeinsam Lösungen finden, das wollen die Landwirte. „Es muss die Landwirtschaft mitsprechen, mitwirken und mitentscheiden dürfen, was mit uns, unserer Existenz und den Generationen nach uns passiert. Der Verbraucher kann das Ganze auch beeinflussen, indem er für regionale und gute Produkte eben Geld investiert, statt immer nur auf Billig-Produkte zurückzugreifen“, mahnt Roelen abschließend.

Alina Gries

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