Prinz Philip, der im Frühjahr 2021 verstorbene Duke of Edinburgh und Ehemann von Queen Elizabeth, war ein leidenschaftlicher Verfechter der Rechte junger Menschen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Schulleiter, dem deutschen Pädagogen Kurt Hahn, entwickelte er die Grundzüge eines Programms für die selbstbestimmte Förderung junger Menschen. Im Jahr 1956 wurde seine Vision mit der Einführung des „Duke of Edinburgh’s Award“ in Großbritannien verwirklicht und spielt heute eine wichtige Rolle im britischen Schulwesen.
Auch international gewinnt der „Duke Award“ immer mehr an Bedeutung und wurde besonders in den vergangenen Jahren in Deutschland bekannter. Insbesondere Schulen gehören zu den Programmanbietern, erzählt Stefan Lesser, einer der Duke-Award-Koordinatoren für Deutschland. Circa 170 Schulen nehmen hierzulande mittlerweile am Programm teil – und nun auch das Gymnasium Jüchen. Der Anstoß dazu kam im Austausch mit der Elternschaft, wie Schulleiter Hakan Ören erklärt. Gemeinsam sei man auf die Suche nach Möglichkeiten der non-formalen Bildung gegangen und in einer Fachzeitschrift auf den „Duke Award“ aufmerksam geworden. Der Schulleiter, ebenso wie die Eltern, war direkt begeistert vom Programm und zu seiner Freude war auch das Kollegium schnell mit an Bord.
Doch was verbirgt sich genau hinter dem Programm? Um die individuellen Stärken und Interessen abseits vom Schulunterricht zu fördern, wählen die Jugendlichen selbst ihre Ziele aus und bestimmen Aktivitäten, in denen sie sich über einen kontinuierlichen Zeitraum fordern und beweisen möchten. Hierbei werden vier Programmbereiche abgedeckt: „Engagement“ (ehrenamtlicher Einsatz), „Talent“ (Entwicklung besonderer Fähigkeiten), „Fitness“ (Stärkung von Fitness und Gesundheit durch Sport) und „Expedition“ (Planung und Durchführung einer Natur-Expedition in einer Gruppe).
Der „Duke Award“ kann auf den drei Stufen Bronze, Silber und Gold absolviert werden, die aufeinander aufbauen und von Stufe zu Stufe mehr Zeit in Anspruch nehmen und mehr Durchhaltevermögen erfordern. Auf der Goldstufe kommt zudem noch das sogenannte „Goldprojekt“ hinzu, bei dem sich die Teilnehmer in ein bestehendes Projekt in einem unbekannten Umfeld einbringen. Das Programm soll zeigen: Du kannst mehr, als du glaubst! Am Ende halten die Teilnehmer mit dem Zertifikat etwas in Händen, was, im Gegensatz zu vielen anderen Zertifikaten, auch international vergleichbar ist. Der „Duke Award“ ist auf der ganzen Welt anerkannt und eine Teilnahme zeigt Engagement und weitere Soft Skills, die zum Beispiel von Arbeitgebern sehr geschätzt werden.
Schulleiter Hakan Ören ist davon überzeugt, dass sich mit dem „Duke Award“ für die Schüler viele tolle Möglichkeiten ergeben, neues Terrain zu erkunden und über sich hinauszuwachsen. Das kann Stefan Lesser aus eigener Erfahrung nur bestätigen.
Doch bevor das Programm für die Jüchener Gymnasiasten startet, hieß es erst einmal für die Lehrer, die Schulbank zu drücken. Im Rahmen des pädagogischen Tags am Mittwoch fand die offizielle Auftaktveranstaltung des „Duke Award“ statt. Duke-Award-Koordinator Stefan Lesser stellte dabei nicht nur das Programm vor, sondern verlieh auch das erste Zertifikat und bildete die ersten zehn Kollegen zu „Award Leadern“ aus. Sie werden die Schüler künftig bei ihrer Reise begleiten.
In der nächsten Zeit werden die „Award Leader“ nun also konkretisieren, wie das Programm am Gymnasium Jüchen umgesetzt werden soll. Ein Jahreskalender, wann was gemacht wird, wird entstehen. Dabei müsse nicht bei null angefangen werden, wie Stefan Lesser erklärt. Der „Duke-Award“ sei vielmehr eine Erweiterung und sensibilisiere, bestehende Angebote zu prüfen und zu erweitern. „Die Teilnahme am Programm wird Dinge, die schon vorhanden sind, in eine Struktur bringen und wirksamer gestalten. Gleichzeitig werden neue Bereiche entwickelt“, betont Schulleiter Ören.
Infoveranstaltungen für Eltern und Schüler werden folgen. Interessierte Schüler sollen voraussichtlich im kommenden Schuljahr mit dem „Duke Award“ starten können. Natürlich sind diese angehalten, selbst Ideen, wie und wo sie sich engagieren möchten, einzubringen. Doch das Gymnasium freut sich auch über Kontakt zu Vereinen, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und mehr, die die Schüler beim „Duke Award“ unterstützen und Teil des stetig wachsenden Netzwerks werden möchten. Auch ein Sponsoring, gerade mit Blick auf die Ausrüstung für die anstehenden Expeditionen, ist denkbar.
Wer mehr über die Unterstützungsmöglichkeiten erfahren möchte, meldet sich bei Stefan Weber, Koordinator Öffentlichkeitsarbeit des Gymnasiums, per Mail an stefan.weber@gymjuechen.de.