1. Jüchen

: Schon die Mönche nutzten die Wurz, um ihre Liköre aufzupeppen

: Schon die Mönche nutzten die Wurz, um ihre Liköre aufzupeppen

Nach einem Spaziergang kann es sein, dass an den Socken Pflanzensamen hängen geblieben sind. Oft ist es schwierig, sie zu lösen, weil sie sich wie Kletten in den Garnfasern verhakt haben. Es könnte sich um die Samen der „gemeinen Nelkenwurz“ handeln.

Jüchen. „Gemein“ bedeutet im Namen nicht, dass es eine hinterhältige Pflanze ist, sondern dass sie in der Gruppe der Nelkenwurze die (all-)gemeinste, also verbreitetste Nelkenwurz ist. Dabei weist der lateinische Artname auf das häufige

Vorkommen in der Nähe von Siedlungen hin.

Der Trick mit dem Klettverfahren ist eine alte Erfindung von Pflanzen. Irgendwann hat sich der Mensch diesen Mechanismus für den Knopf- und Reisverschlussersatz abgeguckt und ihn nach der Klette benannt, deren Samen sich eben wie Kletten anhängen.

Für eine Pflanze, die ja nicht mobil ist, besteht immer das Problem, ihre Samen möglichst weit zu verbreiten, denn in unmittelbarer Umgebung der Mutterpflanze würde es schnell keinen Platz mehr geben. Für die Samenverbreitung gibt es deswegen raffinierte Mechanismen.

Mal werden die Samen mit Tragflügeln ausgestattet, mal sind sie besonders schmackhaft und süß, um von Vögeln gefressen zu werden, wie die Brombeeren aus dem jüngsten Beitrag.

Es gibt aber auch Pflanzensamen, die sich mit Kletthärchen im Fell von vorbeikommenden Tieren festhaken und so weite Wege mitgenommen werden, bis sie irgendwann bei der Fellreinigung entfernt werden. Diese Transportlösung nutzt die

Nelkenwurz.

Die gemeine Nelkenwurz (das „die“ ist richtig, Nelkenwurz ist nämlich feminin) steht an Wegränder, dabei eher an den schattigen als an den rvollsonnigen.

Wo sie vorkommt, bildet sie meist größere Bestände. Die Pflanzen haben eine Grundrosette und gefiederte Blätter an den Blütenstielen, die nach oben hin immer kleiner werden.

Die Nelkenwurz behält auch im Winter ihre grünen Laubblätter. An den fünf gelben Kelchblättern der Blüten lässt sich die Rosenverwandtschaft erahnen.

Zwischen den Kelchblättern sind die fünf grünen Kronblätter gut zu erkennen.

Warum heißt die Pflanze nun Nelkenwurz?

Die Erklärung liegt in der Wurzel, die besonders nach Verletzung oder Trocknung nach Nelken riecht. Obwohl sie eine wesentlich geringere Konzentration an Eugenol bildet, wurde die Nelkenwurz lange als Gewürznelkenersatz genutzt, denn die echte Gewürznelke war exotisch und deswegen teuer.

In der Naturheilkunde wird die Nelkenwurz als Mittel bei Zahnentzündungen und in Magen- und Darmtees angewendet. In Bier und Kräuter-Likören findet Nelkenwurz wegen ihres Aromas ebenfalls Verwendung.

So ist Nelkenwurz auch im Benedikinerlikör enthalten. Deswegen heißt die Nelkenwurz auch Benediktinerkraut.

Der BUND Jüchen wünscht viel Spaß beim Riechen und der Klettprobe.

-tkG.