Philipp Bolz im Interview Die Wähler honorieren Politiker, die sich wirklich kümmern ...

Grevenbroich · Für die Kommunalpolitik gebe er derzeit „alles von meiner Freizeit“, betont Philipp Bolz, frisch gewählter Stadtverbandsvorsitzender der SPD. Das sei nicht jedermanns Sache. „Aber ich finde das schön. Für mich ist das gerade eine Erfüllung. Und macht mir Spaß.“

Philipp Bolz führt die Grevenbroicher SPD an.

Foto: Bolz

Die Kommunalpolitik ist dabei nur ein Baustein. Der gelernte Religionslehrer arbeitet inzwischen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Daniel Rinkerts Bundestags-Wahlkreisbüro (hier bearbeitet er die Anfragen und Anregungen aus der Bürgerschaft) sowie im Düsseldorfer Landtag. Da betreut er im Pool mit anderen sogenannte „weiße Wahlkreise“, also solche, in denen es keinen Abgeordneten der SPD gibt.

80 Prozent seines Tages sind mit Politik ausgefüllt. In den Rest quetscht er seine Hobbys: Doppelkopf (da gibt es unter anderem eine feste Runde im Ruhrgebiet, da wo er studiert hat). Skat (einmal im Monat in Krefeld, was „ein heiliger Termin“ sei). Drei Schützenzüge und noch ein bisschen Karneval. Joggen, ein großer Freundeskreis und immer wieder die Durchführung von freien Hochzeiten.

Und dann hat Philipp Bolz auch noch eine Dauerkarte für den FC, die in dieser Saison aber deutlich zu kurz gekommen sei. Am Wochenende habe er halt oft Einsätze als Vize-Bürgermeister, begründet er. Aber das 3:3 gegen Mönchengladbach hat er im Stadion gesehen, um danach dann zum letzten Saison-Spiel der „Elephants“ zu eilen. Viele Freunde würden sagen „Das wäre nichts für mich“, er gehe aber darin wirklich auf, nicht zuletzt auch deshalb, weil er bei den Leuten gut ankomme.

Bolz sitzt im Stadtrat. Und im Kreistag. Ist wie gesagt stellvertretender Bürgermeister. Und jetzt auch noch Partei-Chef. Auf die Frage, ob er ein Problem mit dem „Nein“ sagen habe, lächelt er. Er müsse schon mit seinen Ressourcen haushalten, aber der aktive Einsatz für „seine“ Bürger sei ihm einfach wichtig.

„Jeder sollte vor der eigenen Haustüre kehren. In seinem Kosmos dafür sorgen, dass die Welt besser wird“, postulierte der nach eigenen Angaben doch eher konservative Sozialdemokrat.

Genauso aber versteht er Kommunalpolitik: Am Tag nach dem Interview hatte er einen Termin mit den Stadtbetrieben, war mit ihnen unterwegs, um konkrete Bürgerbeschwerden abzuarbeiten: Eine Durchfahrtssperre, die für Kinderwagen zu eng ist. Ein nicht angekündigter Wendehammer. Ein sinnloses Halteverbotsschild. Eine „sehr konkrete To-do-Liste“, die „keine Auswirkungen auf die Weltpolitik“ habe, die aber helfe, „die Lebenswelt in Grevenbroich ein klein wenig zu verbessern“.

Er sieht sich als „Kümmerer“ und will im SPD-Stadtverband für noch mehr und noch jüngere „Kümmerer“ werben. Deshalb nervt es ihn auch, wenn er in Kneipen (zuletzt in Allrath und in Orken) von Fans der AfD angemacht, angemosert wird. „Die verwechseln dann Bundes- mit Kommunalpolitik“, seufzt Bolz.

Apropos: Mit der Bundespolitik, mit Bas und Klingbeil, hadert der neue Partei-Chef ein wenig. Man könne schon das Gefühl haben, dass die SPD etwas den Kontakt zu den Leuten verloren habe.

Und dann wird er doch noch grundsatzpolitisch: Sein Opa sei belesen und intelligent gewesen, habe aber nie die Chance gehabt, eine Bildungskarriere zu machen. Er sei zum Arbeiter geboren worden. Für Vater und Onkel habe das im Prinzip auch noch gegolten. Er selbst sei der erste in der Familie gewesen, der hätte studieren können. Deshalb fordert Philipp Bolz bessere Zugangschancen für alle, eine höhere Systemdurchlässigkeit. Genau dieses Thema habe ihn vor zehn Jahren in die SPD gebracht.

Jetzt steht er dem Stadtverband vor. Der 30-Jährige will die inaktiv gewordenen Mitglieder wieder animieren und darüber hinaus für neue, jüngere Mitstreiter werben.