1. Rommerskirchen

Rommerskirchener Großfamilie sitzt seit Februar auf der Straße.

„Wir finden einfach keine Wohnung“, klagt die Fünffach-Mutter sorgenvoll : Eine sechsköpfige Familie sitzt seit Februar unverschuldet auf der Straße

Schon seit Februar leben Karoline Schramm (Name geändert, Anmerkung der Redaktion) aus Rommerskirchen und ihre fünf Kinder im Hotel, haben kein eigenes Dach mehr über dem Kopf. Aus dem Haus, in dem sie zur Miete lebten, musste die Familie wegen einer Eigenbedarfsmeldung des Vermieters ausziehen. Und jetzt finden die Schramms einfach keine Wohnung.

„Ich glaube, wenn wir an Weihnachten immer noch im Hotel sind, drehen wir hier alle durch“, meint die alleinerziehende Mutter traurig. Drei Zimmer und ein Badezimmer teilt sie sich dort mit ihren fünf Kindern und den beiden geliebten Familienhunden – und das seit acht Monaten.

„Das Haus, in dem wir vorher zur Miete lebten, wurde verkauft und wir wurden herausgeklagt – seitdem sitzen wir quasi auf der Straße, weil wir einfach nichts finden. Die Gemeinde bot uns an, uns in einer Unterkunft für Obdachlose unterzubringen – aber dort darf jeder nur eine Tasche mit hinnehmen. Außerdem habe ich drei Töchter“, erklärt sie, warum sie sich mit dieser Lösung nicht wohl gefühlt hätte. Da sei ihr das Hotel allemal lieber – wenngleich ihr so nicht viel Geld zum Leben übrig bleibt. Eine Weile konnte die Familie auch bei Verwandten unterkommen, aber dort gab es nicht genügend Platz und es wurde allen zu viel.

Zur Arbeit gehen kann Schramm nicht, da ihr jüngstes Kind im KiTa-Alter ist. Das heißt aber nicht, dass es auch in die KiTa gehen würde: „Wir haben gerade leider keinen festen Wohnsitz, da ist es mit einer KiTa-Anmeldung nicht so leicht. Und weil ich zur Betreuung meines Kindes hier sein muss, kann ich nicht arbeiten gehen“, so Schramm.

Und auch ihre älteren Kinder hatte sie in den vergangenen Monaten häufiger auch vormittags da – Stichwort „Homeschooling“. „Es ist wirklich nicht leicht für uns“, so die Fünffach-Mutter.

Die Familie lebt derzeit vom Kindergeld, dem Unterhaltsvorschuss und einem kleinen Betrag vom Jobcenter. „Mein Sohn, der in der Lehre ist, gibt auch einen Teil dazu“, so die Rommerskirchenerin. Sie möchte gern wieder arbeiten gehen – dazu bräuchte sie allerdings zunächst ein Dach über dem Kopf und letztendlich auch einen KiTa-Platz für ihr Kind.

Natürlich hatte sie bereits bevor sie das Haus räumen musste nach einem neuen Heim für ihre Familie gesucht – aber keine Chance. „Und seither habe ich so viele Anfragen geschickt. Einige werden gar nicht beantwortet, andere kommen gleich mit einer Absage und manche würden uns die Wohnung sogar geben – aber laut Jobcenter ist sie zu teuer“, schildert Schramm.

Das Jobcenter erklärt: „Die Kosten der Unterkunft werden, sofern diese angemessen sind und ein Leistungsanspruch vorliegt, vom Jobcenter übernommen. Die Angemessenheit wird vom Rhein-Kreis festgelegt. Aktuell beträgt die angemessene Bruttokaltmiete für eine sechsköpfige Familie in Rommerskirchen 920 Euro.“

Die Anmietung einer Wohnung könne durch das Jobcenter nicht untersagt werden, selbst dann, wenn die so genannte „Angemessenheitsgrenze“ überschritten sei – lediglich die Kostenübernahme könne gegebenenfalls nicht in voller Höhe erfolgen.

„Sollte eine Wohnung nicht angemessen sein, können durch das Jobcenter zudem weder Umzugskosten noch Mietkaution und gegebenenfalls anfallende Betriebskostennachzahlungen geleistet werden“, heißt es weiter. „Auf diese Zahlungen bin ich aber angewiesen“, meint die Alleinerziehende – denn Möbel hat die Familie keine mehr. „Die Einlagerung konnte ich mir nicht leisten“, so Schramm. Und so haben sie und ihre Kinder nur die nötigsten Dinge mit ins Hotel genommen. Immerhin: Der Hotelbesitzer erlaubte der Familie, eine Waschmaschine aufzustellen. „Vorher musste ich mit Bus und Bahn in den Waschsalon fahren – für die Wäsche von sechs Personen“, erzählt sie.

Jetzt träumen sie und ihre Kinder von einer Wohnung oder einem Haus, vorzugsweise in Rommerskirchen, Grevenbroich oder Dormagen, in dem sie es nicht nur im Winter schön warm haben und in dem sie ein schönes Weihnachtsfest feiern können, sondern in dem sie möglichst dauerhaft leben können. „Das wäre wirklich ein Traum“, hofft Schramm auf bessere Zeiten.

Ein positives Signal gab es schon mal vom Jobcenter: „In Härtefällen, zum Beispiel bei drohender Obdachlosigkeit, hat das Jobcenter die Möglichkeit, die angemessene Bruttokaltmiete um zehn Prozent anzuheben.“ Inwieweit Familie Schramm geholfen werden kann, werde weiter geprüft – für eine schnelle Lösungsfindung hat sich die zuständige Teamleitung als Ansprechpartnerin für die Familie angeboten.

Dennoch: Eine passende Wohnung fehlt immer noch. Wer helfen möchte und eine entsprechende Idee hat, kann sich melden unter hanna.loll@stadt-kurier.de.