Brief ans RWE: „Schämen Sie sich!“ Unwahrheiten, Schauspiel, fiese Tricks?

Rommerskirchen · Den Verantwortlichen der Bürger-Initiative „Gegenwind“ ist in dieser Woche der Kragen geplatzt: „Im Endeffekt haben Sie mit großem Schauspiel suggeriert, großzügig und aufgrund unseres Engagements auf drei Anlagen im Muhrental bewusst verzichten zu wollen. In Wirklichkeit haben Sie nur angeboten, auf eine Anlage zu verzichten, und wollten uns dafür gewinnen, Ihren Vorschlag öffentlich zu unterstützen und uns somit zu instrumentalisieren. Das alles gestützt auf Unwahrheiten, Schämen Sie sich“, schrieben sie Dr. Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender RWE-Aktiengesellschaft.

„Gegenwind“ erstellte diese in drohende Zukunft weisende Fotomontage.

Foto: Zillmer

Vor Kurzem hatte sich Rolf Zillmer als Sprecher von „Gegenwind“ noch beim RWE bedankt „für den respektvollen Umgang miteinander. Das RWE hatte uns zugesagt, keine juristischen Schritte hinsichtlich der Genehmigungsanträge im Muhrental zu unternehmen. Diese Aussage stellte sich nunmehr leider als unwahr heraus.“

Denn inzwischen seien „RWE-Anwälte in der Kreisverwaltung unterwegs, weil denen das Genehmigungsverfahren zu lange dauert“. Der Grund laut Zillmer: „Ausschreibungstermine für Subventionen laufen denen davon. Deshalb wollen sie die Genehmigung schnellstens bekommen.“

Gegenüber „Gegenwind“ (und auch der Gemeinde Rommerskirchen) habe das RWE Taschenspielertricks versucht: „Das RWE hat angeboten, auf drei von acht Anlagen zu verzichten, und uns dabei bewusst verschwiegen, sogar getäuscht, dass man für zwei der drei Anlagen, die man nicht bauen will, überhaupt keine Genehmigung durch den Rhein-Kreis erhalten wird. Diese Informationen liegen nicht nur dem RWE vor, sondern auch uns!“

Schon Mitte Februar hatte der Erft-Kurier entsprechend berichtet: „In Sachen ,Muhrental’ hat das RWE jetzt das Antragsverfahren für acht Windkraftanlagen gestartet, von denen zwei allerdings außerhalb des im Regionalrat vorgesehenen Gebietes liegen.“

Rolf Zillmer von „Gegenwind“.

Foto: KV./Gerhard P. Müller/Repro

„Gegenwind“ drang beim RWE auf einen Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen den Windkraftanlagen und der Wohnbebauung. Gerade in Oekoven und Deelen liegt dieser Abstand nach RWE-Plänen bei weniger als 600 Meter. „Dieser Vorschlag wurde vom RWE rigoros abgelehnt mit Hinweisen zur Wirtschaftlichkeit! Wenn man suggeriert, zwei Anlagen zu streichen, für die man keine Genehmigungen erhalten wird, ist das natürlich im Sinne eines Großkonzerns wie RWE die wirtschaftlichste Lösung, dafür muss man kein studierter Betriebswirt sein. Dass man aber die Bevölkerung von Rommerskirchen und die Mitglieder der Initiative für so naiv und dumm hält, ist dabei eine andere Sache“, so Zillmer gegenüber der Redaktion. Das Ganze habe mit einem „respektvollen Umgang“ nichts zu tun. Das Versprechen, im „heimischen Revier“ die „Bevölkerung mitnehmen“ zu wollen, sei offensichtlich komplett vergessen worden.

Das RWE gehe noch außergerichtlich gegen den Kreis vor und fordere die Genehmigungen für das Muhrental bis Ende März ein,

Das Schreiben der BI ging übrigens auch an die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, denn am Donnerstag fand eine Videokonferenz mit den Fraktionsvorsitzenden, dem Bürgermeister und dem RWE statt. „In diesem Termin wird dem Gemeinderat der identische Vorschlag unterbreitet, der uns unterbreitet wurde. Ich glaube nicht, dass das RWE da was Neues aus dem Hut zaubert“, zeigte sich Zillmer im Vorfeld kritisch.

(-gpm.)