1. Grevenbroich

Vanessa Döpp warnt vor gut gemeinten privaten Helfer-Tripps an die Ahr

Vanessa Döpp warnt vor gut gemeinten, privaten Helfer-Trips an die Ahr : „Das Wohnhaus mit der Nummer eins ist komplett weggefegt worden“

Es waren anstrengende, aber vor allem emotionale Stunden, die die 120 Helfer aus Grevenbroich unter Führung von Vanessa Döpp in Altenburg, Altenahr und Mayschoss am vergangenen Samstag verbrachten. Die Organisatorin erzählt zum Beispiel von einem kleinen Jungen, den sie da unten traf, dessen größter Wunsch es war, „wieder mal normal schlafen zu können“.

„Ich hatte ein Seelsorgeteam vor Ort und hier in Grevenbroich organisiert. Das haben einige auch in Anspruch genommen“, berichtet Vanessa Döpp. Denn neben der körperlichen Anstrengung lastet das, was die Helfer sehen mussten, schwer auf der Seele.

Sie selbst war in Mayschoss eingesetzt: „Da standen Schlamm und Wasser noch in den Häusern“, erzählt sie. Diese mussten leer geräumt werden, damit mit dem Abpumpen begonnen werden konnte. Das Zeug wurde auf die Straßen gebracht. „Keine Straße, wie man sie kennt. Nur ein matschiger Weg, der entstanden ist, weil die Fahrzeuge immer wieder daher fahren.“ Eben dort pendeln die Kipper und Bagger, die den raus geräumten Schrott abtransportieren.

„Schrott“, der oftmals das gesamte Leben der betroffenen Bewohner enthält.

 Zwei Busse brauchte Vanessa Döpp am vergangenen Samstag, um alle Hilfswilligen an den vereinbarten Treffpunkt an der Ahr zu bringen. Vorausschauend hatte sie auch für seelsorgerische Betreuung gesorgt. Immerhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass man bei den Aufräumarbeiten auch auf Leichen stößt.
Zwei Busse brauchte Vanessa Döpp am vergangenen Samstag, um alle Hilfswilligen an den vereinbarten Treffpunkt an der Ahr zu bringen. Vorausschauend hatte sie auch für seelsorgerische Betreuung gesorgt. Immerhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass man bei den Aufräumarbeiten auch auf Leichen stößt. Foto: KV/Gerhard Müller

Schlimmer noch hat es die Häuser getroffen, die in Mayschoss flussabwärts am Ortseingang standen: Ganz viele von ihnen gelten als nicht mehr rettbar. ... und die werden erst gar nicht mehr leer geräumt. „Die Haus mit Nummer eins ist komplett weggefegt worden. Man sieht nicht, das mal was stand“, erzählt Vanessa Döpp absolut bewegt.

Sie beschreibt weiter, dass die Menschen dort unendlich dankbar für die Hilfe seien, die jetzt geleistet wird. Dass sie zugleich aber auch eine große Sorge haben: Momentan gebe es einen großen Andrang. In zwei, drei Wochen fürchten sie aber, wieder vergessen zu werden.

Dass soll, wenn es nach Vanessa Döpp geht, nicht passieren. Am kommenden Sonntag will sie wieder mit zwei Bussen an die Ahr fahren (gesponsert von Stefan Fücker und vom Busunternehmen Schröder in Neuss). Und auch in den folgenden Wochen wollen sie und ihre Helfer weitermachen.

Dabei sind diese Touren „angemeldet“, was ihr ganz wichtig ist: Für sie werden schon im Vorfeld Einsatzorte bestimmt, die auch mit den großen Rettungsdiensten koordiniert sind. Döpp warnt vor spontanen Privataktionen, die schon am vergangenen Wochenende zu Chaos führten. „Da haben private Pkw mitunter sogar in den Tunnels geparkt, so dass die Rettungsdienste mit ihren großen Fahrzeugen nicht mehr durchkamen“, erzählt sie. Damit aber sei niemanden geholfen.

Wer sich einbringen will, kann sich (ab morgen) bei Vanessa Döpp per „facebook“ für die freien Plätze im Bus melden.

Gerhard Müller.

(Gerhard Müller)