Bernd Müller aus Gierath lehrt als Professor:: Zwischen Banken-Landschaften und Kapitalmärkten

Bernd Müller aus Gierath lehrt als Professor: : Zwischen Banken-Landschaften und Kapitalmärkten

Er steht täglich im Hörsaal, referiert vor seinen Studenten über die Finanzwirtschaft und gibt ihnen das Rüstzeug, in der Branche Karriere zu machen: Professor Dr. Bernd Müller aus Gierath. Und damit hat der 60-Jährige seinen absoluten Traumjob ergattert: „Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen.“ Und so ist er seit 20 Jahren als Professor an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach tätig.

Einen wichtigen Anspruch hat der Familienvater dabei an sich selbst: „Ich versuche immer, dass ich wirklich im aktuellen Geschehen drin bin und selbst auch noch Erfahrungen auf dem Markt sammele.“ Er kommt also nicht mit verstaubten Konzepten um die Ecke, die längst überholt sind, sondern hält den Kontakt zu verschiedenen Banken, um auf dem neuesten Stand zu bleiben: „Der Praxisaustausch ist auch für mich wichtig, ich halte nichts davon, nur Lehrbuch-Weisheiten zu vermitteln. Mein Wissen muss tagesaktuell sein.“

Diese Überzeugung beinhaltet auch den aktiven Austausch mit den Studierenden: „Es ist ein Geben und Nehmen. Ich finde es spannend, die Studierenden zu Wort kommen zu lassen und ihre Sichtweisen kennen zu lernen.“ Für Müller selbst bedeutet seine Einstellung, dass er sich beruflich fit und jung hält.

Wenn er sich an seine Anfänge als Professor erinnert, muss er schmunzeln: „Da gab es schon Situationen, wenn ich vor über 100 Studierenden gesprochen habe, in denen ich anfangs aufgeregt war. Aber man wächst mit der Zeit und wird routinierter und sicherer.“ Gibt es denn auch schon mal Fragen der Studierenden, auf die der 60-Jährige keine Antwort weiß? „Natürlich. Aber da bin ich ehrlich und sage, dass ich die Antwort schuldig bleibt und mich selbst erst einmal informieren muss. Wenn man authentisch und ehrlich bleibt, kommt das bei den Studierenden gut an. Die durchschauen schnell, wenn jemand ein Aufschneider ist“, erklärt der Familienvater.

Dass es Bernd Müller in die Finanzwirtschaft getrieben hat, verdankt er seinem ehemaligen Lehrer an der Grevenbroicher Handelsschule, Dieter Schmiedicke, der ihn sehr geprägt hat: „Was er sagte, hat die Neugierde bei mir geweckt. Er hat wirtschaftliche Zusammenhänge so toll und spannend rüber gebracht.“

Während des Studiums in Köln arbeitete der gebürtige Jüchener als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Schon damals erlebte er, wie viel Freude die Arbeit mit den Studenten bereitet, durfte auch Seminare leiten: „Seitdem hatte ich im Hinterkopf, dass ein Lehrberuf mir liegen könnte.“ Zunächst landete Müller allerdings bei verschiedenen Banken und sammelte dort Erfahrungen.

Nach 20 Jahren bei den Instituten wurde es dann aber Zeit für etwas Neues und der Professor bewarb sich als Lehrkraft an Universitäten. Dass er sich für die Nachbarstadt Mönchengladbach entschied, verdankte er seiner Mutter. „Man muss halt auch als Erwachsener mal auf die Mutter hören“, lacht er.

Als Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Fachbereich Finanzwirtschaft vermittelt er sein Wissen über die Bankenlandschaft und die internationalen Kapitalmärkte. Müller ist es auch zu verdanken, dass namhafte Gastredner von Unternehmen wie der „Lufthansa“ oder Vereinen wie „Eintracht“ Frankfurt die Studenten zum „Forum Banking and Finance“ besuchen und nicht nur Vorträge halten, sondern in den Diskurs mit den jungen Leuten gehen. „Da freue ich mich, wenn ich höre, dass aus den Begegnungen auch schon Praktika oder sogar feste Arbeitsverträge entstehen.“


Die perfekte Entspannung neben dem stressigen Arbeitsleben als Professor findet Bernd Müller zuhause bei seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter Mira. Die Familie lebt im ehemaligen Haus von Müllers Großeltern: „Ich bin irgendwann zurück in meine Heimat gekommen und genieße mein Leben hier.“ Ein ganz besonderes Hobby hat der Professor: Er liebt Literatur und hat sich eine beachtliche Bücherei aufgebaut. Besonders Erstausgaben haben es dem Gierather angetan.

Sein liebstes Werk fand er nach langer Recherche über das Internet in einem Antiquariat in Buenos Aires: die Erstausgabe von Franz Werfels „Eine blassblaue Frauenschrift“ aus dem Jahr 1941. Nachdem Müller diesen Schatz in den Händen hielt, ließ er das Buch in Leipzig vom Zentrum für Bucherhaltung bearbeiten. Die Leidenschaft für Literatur und Bücher hat der Professor auch an Tochter Mira vererbt: „Sie kann mit vier schon lesen, da waren wir ganz verblüfft. Wir lesen deshalb viel gemeinsam.“

Ehrensache, dass auch der jüngste Spross der Familie Müller schon eine kleine Kinder-Bibliothek aufbaut. Und wenn Papa und Tochter sich gemeinsam in den Sessel kuscheln und ein Buch lesen, dann ist die Finanzwelt ganz weit weg…

(Julia Schäfer)
Mehr von Erft-Kurier