Die Chapmans und der Dudelsack:: Ältere Damen wagen mal einen Blick darunter …

Die Chapmans und der Dudelsack: : Ältere Damen wagen mal einen Blick darunter …

„Das ist wie Autofahren, da muss man auch Gas geben, Bremsen, die Kupplung treten, Blinken – beim Dudelsackspielen ist es ähnlich mit Pusten, die Luft aus dem vollen Sack lassen, Marschieren und gleichzeitig das Lied spielen“, erklärt Hannah Chapman.

Ehemann Stefan Chapman hat da eine andere Beschreibung: „Das Dudelsackspielen ist als Holzinstrument immer eine neue Herausforderung. Ich vergleiche das gerne mit einer Frau“, lacht er, während Ehefrau Hannah ihn irritiert anschaut, „mein Instrument zickt auch manchmal rum, weil sich das Holz immer wieder verändert und arbeitet.“

Ausgerüstet sind die beiden mit Schottenrock, Felltasche, Mütze, Weste, Hemd, Socken und einem Messer – oder wie es der Schotte sagen würde: Kilt, Sporran, Glengarry, Waistcoat, Shirt, Socks mit sogenannten Flashes und einem Sgian Dubhs. Und natürlich dürfen dabei die Bagpipes, zu Deutsch Dudelsack, nicht fehlen.

Vor zwölf Jahren packte die gebürtige Engländerin das Interesse an dem außergewöhnlichen Instrument. Via „Skype“ wurde sie von einem britischen Lehrer im Spielen des Dudelsacks angelernt. Bei Ehemann Stefan sah das ganz etwas aus. „Ich habe im Alter von sechs Jahren mit der Marschmusik angefangen“, erzählt er. 30 Jahre lang begleitete ihn die Art von Musik, ehe er sich der schottischen Trommel und später dann, seit mittlerweile sieben Jahren, dem Dudelsack widmet. „Meine Eltern sind 2009 zum Schützenkönigspaar gekürt worden und weil ihnen die Musik schon immer gefallen hat, haben wir mit ein paar Freunden schottische Musik gemacht“, erinnert sich der 47-Jährige.

In katholischen Kirchen darf nicht immer gespielt werden

Drei Trachten haben Hannah und Stefan Chapman jeweils in ihrem Kleiderschrank hängen; der Kilt ist dabei abgestimmt auf das Muster des Familiennamens. Die Kunst des Kilt-Schneiderns liege dabei darin, dass die Karos auf der Hinterseite des „Schottenrocks“ dasselbe Muster haben wie vorne auch. „Mit einem Gewicht von drei bis fünf Kilogramm merkt man auf jeden Fall, was man getragen hat“, lacht Stefan Chapman, „und es ist immer noch ungewohnt einen ,Rock‘ zu tragen. Oft werde ich gefragt, was ich darunter trage, andere ältere Damen haben einfach mal ein Foto gemacht.“ Dabei zuckt er gelassen mit den Schultern, will er den gackernden Frauen den Spaß dann doch lassen.

Anders sieht es bei Veranstaltungen in katholischen Kirchen aus. Da dürfen die Chapmans nur in den seltensten Ausnahmefällen Dudelsack spielen. „Zu Kriegszeiten wurde der Dudelsack dazu benutzt, den Krieg anzukündigen. Aus diesen historischen Gründen ist es nicht erlaubt, in einer katholischen Kirche zu spielen“, erklärt Hannah Chapman.

Und während die beiden nie im Duett spielen, werden die Festlichkeiten immer untereinander aufgeteilt. „Ich spiele vor allem zu weihnachtlichen Festen, Stefan bei Beerdigungen, Hochzeiten oder an Karneval“, so Chapman. Die Phase, wo die beiden noch ganz heiß waren in Schottland aufzutreten, ist allerdings vorbei. „Die kleinen Veranstaltungen machen viel mehr Spaß“, sind sich beide einig und Stefan Chapman ergänzt: „Am Schönsten an meinem Instrument finde ich, wenn ich damit in einen Raum komme und gestandene Männer anfangen zu weinen, weil sie die Musik und der Klang des Dudelsacks so sehr berührt.“ Die beiden können unter www.dudelsackspieler-in-rommerskirchen.de gebucht werden.

(Alina Gries)