1. Grevenbroich

Bürgermeister kandidat CDU Grevenbroich

CDU-Mitglieder dürfen zwischen zwei möglichen BM-Kandidaten wählen: : Paradiesvogel vs. Erfahrung

Lange und von vielen Seiten war gemunkelt worden, dass CDU-Chef Wolfgang Kaiser die Bekanntgabe der Kandidatur für den Bürgermeister-Posten so lange herauszögern würde, weil er am Ende selbst den Hut in den Ring werfen wolle. Das hat er nicht getan. Dafür zauberte er aus dem besagten Hut nun zwei mögliche Gegenkandidaten für Klaus Krützen heraus, die beide – auf ganz unterschiedliche Weise – überraschen dürften.

Grevenbroich. Am Donnerstag Abend informierte er seinen Vorstand („Ich kandidiere nicht.“), am Mittwoch dürfen die Mitglieder in Rahmen der Aufstellungsversammlung für die Kommunalwahlen dann entscheiden, wen von beiden sie ins Rennen schicken wollen.

Stephen Haines, Groß- und Einzelhandelskaufmann für Golf-Zubehör (morgen wird er 56), der bei vielen Veranstaltungen vor allem durch seine kunterbunten Hosen ins Auge fällt, wurde dabei schon hinter den Kulissen gehandelt. Er hat sich dem Vernehmen nach selbst ins Spiel gebracht, sitzt seit 2009 im Rat und ist aktuell Vorsitzender des Personal-Ausschusses.

Stephen Haines ist Unternehmer und kennt sich im Golfsport aus.

Mit politischen Aussagen oder Positionen hat er bis dato noch nicht besonders auf sich aufmerksam gemacht. Er führt die Mittelstandsvereinigung; in Erinnerung blieb das Bild, wie er im vorigen Kommunalwahlkampf die damalige Kandidatin zu Ostern im bunten Hasen-Kostüm begleitete.

Der andere Kandidat ist dagegen ein politisches Schwergewicht, ja fast schon ein „Urgestein“ der Grevenbroicher CDU. Immerhin startete Michael Heesch seinen politischen Werdegang bereits im Jahre 1991, einte die damals in der Stadt zerstrittene Partei und zog 2003 als Dezernent ins Rathaus ein. Seit 2006 ist er Erster Beigeordneter, vertritt die Bereiche Schule, Jugend und Sport.

Mit seinen 63 Jahren befindet sich er sich eigentlich „auf der Zielgeraden seines Arbeitslebens“ und viele hatten den Eindruck, dass er es in den vergangenen Monaten „ruhiger“ angehen würde. Und gegenüber dem Erft-Kurier gesteht er ein, dass diese Kandidatur im vergangenen Jahr noch nicht auf seiner Lebensplan-Agenda gestanden hätte. Für ihn sei naheliegend gewesen, dass Wolfgang Kaiser gegen den Amtsinhaber antreten würde.

Nachdem der

aber (mit Rücksicht auf seine Familie sowie auf die Mitarbeiter und langjährigen Kunden seines „Ingenieur- und Planungsbüro mit Familientradition“) verzichtet habe, habe es Heesch quasi in den Fingern gejuckt.

Die vielen Jahre als Dezernent und Beigeordneter hätten ihn gelehrt, dass man in dieser Position noch so viele gute Ideen haben könnte. Letztendlich aber könne man nicht entscheiden, sie auch umzusetzen. „Der Bürgermeister kann qua Amt diese Prioritäten setzen“, argumentiert Heesch. Und er macht gleich deutlich, dass er da an viele Maßnahmen gerade auch im Bereich der Familien und der Kinder denkt. Er wisse, „wie viele Eltern sich verzweifelt an uns wenden“, denen dann nicht immer geholfen werden könne. Auch wenn hier von ihm schon viel Gutes angestoßen worden sei, müsse dieser Weg forciert werden. „Und das hängt auch mit dem Budget zusammen“, macht er klar.

Schwerpunkte will er darüber hinaus beim Strukturwandel (hier habe die Stadt Grevenbroich noch immer nichts Konkretes vorzuweisen, während andere schon ihre Zuschüsse in trockenen Tüchern hätten), in der Finanz- und Stadtentwicklung sowie bei der Digitalisierung setzen. Letzteres dürfte die lokale FDP freuen, die schon angedeutet hat, einen CDU-Bürgermeister-Kandidaten zu stützen.

Michael Heesch ist übrigens auch für seinen besonderen Humor bekannt, der auch in der Aussage aufleuchtet: „Von Karneval bis Konfliktsituationen hat der Heesch alles schon gemacht. Und ich habe gezeigt, dass ich das kann.“

Am Mittwoch werden die CDU-Mitglieder entscheiden, auf wen von beiden sie setzen wollen.

Gerhard Müller