Yvonne aus Gierath kämpft gegen Blutkrebs Nach der Stammzellspende: „Die ersten 100 Tage sind entscheidend“

Gierath · Blutkrebs – diese Diagnose stellte das Leben von Yvonne Königs-Voigt August 2025 völlig auf den Kopf (der Top-Kurier berichtete). Entschlossen und trotzig nahm sie die Diagnose an: „Ich kämpfe, bis ich gewonnen habe.“ Dank einer Stammzellspende konnte ein wichtiger Sieg bereits gefeiert werden.

Yvonne hat ihrer Diagnose den Kampf angesagt.

Foto: privat

Tag 63 nach der Stammzellspende ist es beim Besuch des Top-Kuriers bei Yvonne Königs-Voigt in der vergangenen Woche. „Die ersten 100 Tage nach der Stammzellspende sind entscheidend“, erklärt sie und freut sich, zu berichten: „Bei der letzten Untersuchung hatte ich keine nachweisbaren Krebszellen mehr in meinem Körper.“

Langsam merke sie, dass es körperlich aufwärtsgehe. Nach der Zeit, die sie hinter sich hat, ist dieser Satz wirklich toll zu hören. „Ich wusste, dass es Lymphknotenkrebs ist, als ich damals in die Klinik ging, aber die Diagnose Leukämie hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Meine erste Frage war: Wir lange habe ich noch zu leben?“, erinnert sie sich zurück.

Für die Gieratherin ging es dann direkt in die Uniklinik Aachen, wo ihre Behandlung am 15. August startete. Neuneinhalb Wochen mit mehreren Blöcken von Chemotherapie und Bestrahlung folgten. Eine Woche konnte sie schließlich nach Hause, bevor in einem „heftigen vierwöchigen Behandlungsblock“ mit hochdosierter Chemo noch einmal gekämpft wurde. Eine harte Zeit für Yvonne. Denn während damit zwar die Leukämie bekämpft wurde, zeigten sich bald Nebenwirkungen. So bekam sie unter anderem Thrombosen im Arm und die Schleimhäute vom Mund bis zum Darm seien kaputt gegangen.

Tatsächlich stand schon in der ersten Behandlungswoche fest, dass bereits ein zu großer Teil des Knochenmarks befallen war, um nur mit Chemo und Bestrahlung gegen die Krebszellen anzugehen. Nur eine Stammzellspende konnte noch Hoffnung auf Heilung geben. Während Familienmitglieder sich bereits typisieren ließen, stellte die Familie eine große Typisierungsaktion auf die Beine, ebenso ihr Arbeitgeber Henkel. Außerdem warb ihre Frau Carolin bei einem Fußballspiel im Borussia Park für die Registrierung als Stammzellspender. „Auf das Thema aufmerksam zu machen, war uns wichtig“, betont Carolin, „vielleicht kann so auch jemand anderem, der betroffen ist, geholfen werden.“ Denn wie sich herausstellte, kam für Yvonne tatsächlich ihr Bruder als Spender infrage.

„Zehn von zehn Merkmalen passten. Das war wie ein Sechser im Lotto, Geburtstag, Weihnachten und alles zusammen. Denn zum einen ist es nicht gegeben, dass jemand aus der Familie Spender sein kann, zum anderen ist es super unwahrscheinlich, dass alle Merkmale passen“, kann Yvonne es immer noch nicht fassen. Schon eine Woche vor der Transplantation ging es für sie zurück in die Klinik, wo wieder Hochdosis-Chemo und Ganzkörperbestrahlung auf sie warteten. In der Zeit bereitete sich auch ihr Bruder auf die Spende vor, indem er mit Spritzen die Stammzellproduktion anregte. Mit einem speziellen Verfahren werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen, der Ablauf ist ähnlich wie bei einer Dialyse. Nach gut zwei Stunden sei ihr Bruder schon mit der Spende durch gewesen, erzählt Yvonne, und die am Morgen gewonnenen Stammzellen wären direkt am Abend desselben Tages übertragen worden.

Da ihr Immunsystem dadurch komplett runtergefahren sei, folgten zehn Tage auf der Isolationsstation. Lagerkoller vorprogrammiert? Nicht bei der Gieratherin: „Wenn ich heute daran denke, ich müsste wieder ins Krankenhaus, müssten mich zehn Pferde reinziehen. Aber zu der Zeit wusste ich, dass ich da durch muss, um geheilt zu werden.“ Dass sie die Zeit gut rum bekommen habe, habe auch an den herzlichen Menschen auf der Station gelegen. „Alle haben sich gut um mich gekümmert.“ Und nicht zuletzt waren die Besuche ihrer Frau Carolin und von Schwiegermutter Maria kleine Highlights im Klinikalltag.

Seit ein paar Wochen ist Yvonne nun wieder zu Hause in Gierath. Nach und nach merke sie, wie es bergauf gehe. Das sei zwar gut, doch verleite dazu, sich manchmal mehr zuzutrauen, als vielleicht im Moment möglich ist. Und auch die Tabletten – 35 bis 40 Stück pro Tag – bringen Nebenwirkungen mit sich. Obendrein dürfe nicht vergessen werden, dass der Körper nach der Stammzellspende quasi auf Werkseinstellungen zurückgesetzt sei. Daher müssten nach einem gewissen Zeitraum alle Impfungen nachgeholt werden.

Durch das heruntergefahrene Immunsystem sei sie außerdem aktuell empfänglicher für Viren und Keime. Daher dürfe Yvonne aktuell beispielsweise keinen Kontakt zu den Hunden haben und müsse strikt auf ihre Ernährung achten. Ein Brötchen vom Bäcker holen oder ins nahe gelegene Schnellrestaurant gehen? Das ist nicht möglich. Alle Produkte müssen frisch verarbeitet sein oder auf Ware aus dem Tiefkühlregal zurückgegriffen werden. „Ein Hoch auf meine (Schwieger-)Mutter“, stimmen Yvonne und ihre Frau Carolin in diesem Rahmen unisono an. Denn während Carolin auf der Arbeit ist, kümmert sich die 75-Jährige aufopferungsvoll um Yvonne, kocht, putzt und greift ihr in allen Situationen unter die Arme.

Die 100-Tage-Grenze nach der Stammzellspende rückt immer näher. Aktuell werden Yvonnes Werte engmaschig kontrolliert, dann wird es alle 14 Tage zur Kontrolle gehen und schließlich alle vier Wochen. Nach einem Jahr soll es dann in die Reha gehen. Mit jedem Tag kämpft sie sich ein Stückchen mehr zurück in den Alltag und kommt damit ihrem Wunsch näher: „Irgendwann würde ich gerne wieder arbeiten gehen!“