1. Grevenbroich

Alderaths Frimmersdorf-Plan: Die Blickwinkel machen das Projekt erst richtig spannend

Alderaths Frimmersdorf-Plan : Die Blickwinkel machen das Projekt erst richtig spannend

Jeder Ort hat seine ganz eigene Geschichte und seine ganz eigenen Einwohner. Manche leben seit mehreren Generationen im Ort. Andere sind längst weggezogen, kommen aber zu festen Terminen immer wieder. Und wiederum andere wohnen erst seit ein paar Wochen, Monaten oder Jahren im Ort. Dabei hat jeder etwas Anderes zu erzählen. Jeder hat eigene Beweggründe, im Ort wohnen zu bleiben oder in den Ort zu ziehen. Nach genau diesen Geschichten aus Frimmersdorf sucht Werner Alderath.

„FrimmersDORFgeschichten“ ist ein Projekt, bei dem er mit Frimmersdorfern und Frimmersdorferinnen, jung wie alt, hier lebend, zugezogen, aber auch gerne weggezogenen, sprechen möchte, damit sie ihm ihre Dorfgeschichten erzählen können. Werner Alderath: „Das können alle möglichen Geschichten sein. Solche über das Leben früher und heute im Dorf, das Schützenwesen, Glaube und Kirche, aber auch wie die eigene Kindheit hier war oder wie man die Zeit im Dorf erlebt hat, seitdem man hierher gezogen ist. Was die Menschen mir erzählen, das überlasse ich ihnen selbst.“

 Er habe auch schon Texte aus früheren Zeiten erhalten, so etwas nehme er ebenfalls gerne. Aus dem Input der Gespräche und der Texte will er selbst Texte entwickeln, die dann eingesprochen werden. „Das können Gedichte oder Dialoge werden, kurze Erzählungen, das kann ich noch nicht endgültig sagen, weil ich schaue, welchen Input ich bekomme und was man daraus machen kann. Anschließend werden die Texte von mir und Marie Kalvelage, die gerade ihre Ausbildung zur Schauspielerin abgeschlossen hat, eingesprochen.“

 Das Ganze soll dann mit dorftypischen Geräuschen (Naturgeräusche, Aufnahmen der Kirchturmglocken, Musik von Tambour-Corps) untermalt und mit Musik ergänzt werden, sodass kurze, unterhaltsame Hörspielepisoden entstehen. Die Episoden werden online veröffentlicht und können gegen eine Spende angehört werden.

Alderath ist aktuell dabei, die ersten Gesprächstermine zu vereinbaren. Diese Gespräche sollen bis etwa August laufen und die ersten Episoden sollen im September erscheinen. „Ich habe vier bis sechs Episoden geplant, je nachdem wie viel Material mir zur Verfügung steht.“

 Um das Projekt umsetzen zu können, braucht er natürlich Gesprächspartner. „Nur, weil jetzt schon die ersten Termine gemacht werden, heißt es nicht, dass man sich nicht noch bei mir melden kann. Die Leute müssen auch keine Angst haben, inzwischen wurde mir schon oft gesagt: ,Ich weiß gar nicht ob meine Geschichte interessant ist“. Aber das ist egal, denn jede Geschichte ist auf ihre Art spannend, und deshalb ist es mir wichtig, auch einen guten Schnitt durch die Dorfgemeinschaft zu bekommen, denn so ergeben sich automatisch unterschiedlich Blickwinkel auf das Dorf.

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  • So könnte sich die „Smart Social City“ an Frimmersdorf schmiegen. Im Mittelpunkt: die Erft-Promenade. Hierfür müsste das Flüsschen wieder zugänglich gemacht werden.Vielleicht könnte der Torbogen erhalten werden und Platz für ein Restaurant geben. Für Daniel Rinkert und Klaus Krützen sind erst einmal den Ideen keine Grenzen gesetzt.
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  • Das alte Kino an der Mühlenstraße war ein Magnet in Hochneukirch. Bis in die späten 70-er Jahre liefen hier echte Klassiker. Rechts: Der Steigerturm hat eine spannende Geschichte. <![CDATA[]]>Jessica Manteca, André von Blumenthal, Isabelle Heidbüchel und Benedikt Obst hatten sich eigentlich viel für dieses Jahr vorgenommen. Dank Corona stürzen sie sich jetzt in die Arbeit an einer Chronik über Hochneukirch. <![CDATA[]]>
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 Auch Personen, die noch nicht lange im Dorf leben oder solche, die vielleicht gerade erst weggezogen sind, können sich sehr gerne bei ihm melden (werner.alde

rath@theaterwg.de). Ansonsten wäre es später schön, Rückmeldung zu bekommen, um zu sehen, dass die Leute die Episoden auch abrufen und eventuell eine kleine Spende dalassen, damit ließe sich das Projekt bei einem guten Erfolg fortsetzen. „Denn das Ganze ist sehr zeitaufwendig“, so Werner Alderath weiter.

 Unterstützt wird er von Marie Kalvelage bei dem Projekt; sie wird mit ihm gemeinsam später die Texte einsprechen und seine Entwürfe vorher auch noch einmal sichten. Außerdem wird das Projekt vom Bürger-Verein Frimmersdorf unterstützt, der es als sehr schönes Projekt für die gesamte Dorfgemeinschaft ansieht und sich deshalb gerne unterstützend am Projekt beteiligt.

Und was macht derweil die Theatergruppe „no.name“?

 Eine Szene aus der letzten Inszenierung, die wegen Corona nie auf die Bühne gekommen ist.
Eine Szene aus der letzten Inszenierung, die wegen Corona nie auf die Bühne gekommen ist. Foto: Alderath

„Ehrlicherweise war die erste Zeit ohne ,no.name‘ sehr entspannt. Sowohl Marius Panitz als auch ich haben uns etwas von der Theaterarbeit entfernt, uns erschien das Konzept nach gut zehn Jahren auch nicht mehr passend, weil uns immer mehr der Nachwuchs fehlte. Das hat unsere Motivation in den jüngsten Produktionen etwas ausgebremst“, erklärt Werner Alderath zu der Corona-bedingten Zwangspause bei der jungen Theatergruppe aus der Grevenbroicher Südstadt.

Diese Zwangspause und der damit weggefallene Druck eine Produktion auf die Bühne bringen zu müssen, war für die beiden Regisseure zunächst sehr befreiend.

„Ich persönlich habe die Zeit ohne ,no.name‘ damit verbracht, Dinge für mich zu tun. Den gesamten Sommer habe ich wegen der Corona-Krise und dem Wechsel zum Theater nicht gearbeitet, in der Zeit war ich öfters im Freibad oder mit dem Rad unterwegs. Nach ein paar Wochen, vor allem aber ab dem Herbst, fehlte einem irgendwann die Routine und gerade solche regelmäßigen Termine, wie unsere wöchentlichen Proben mit ,no.name‘.“

Er hat dann begonnen, selbst Texte zu schreiben, die Idee zum Podcast ist entstanden, im vorigen Herbst hat er mit Freunden eine Online-Schreibwerkstatt veranstaltet.

„Inzwischen habe ich mich zu einem Online-Schwedischkurs angemeldet. Allerdings habe ich auch wieder den Beruf vom Theater zurück in die Industrie gewechselt. Rückblickend war ,no.name‘ eine von vielen Routinen in meinem Alltag, die nach und nach durch die Corona-Krise weggefallen sind, das hat mich teilweise auf neue (oder auch alte) Wege geführt, was für mich persönlich sehr bereichernd war.“

Und weiter erzählt er: „Fest steht inzwischen aber auch: So ganz ohne ,no.name‘ wird es auf Dauer auch nicht laufen. Inzwischen überlegen Marius und ich in Richtung Herbst/Winter diesen Jahres, wenn es die Pandemie zulässt, wieder die Theaterarbeit aufzunehmen. Ob das mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein wird oder mit einer anderen Altersgruppe und ob wir das weiter unter ,no.name‘ machen ist noch unklar, dafür ist die Idee noch zu unausgereift, wir werden aber definitiv einen Aufruf starten, sobald wir uns selbst sicher sind, wie ein neues Theaterprojekt aussehen könnte“, so Werner Alderath gegenüber der Redaktion.

(-gpm.)