Klappt es mit dem Ticket für Tokio? : „It´s hemmer time“

„Man sagt immer ,dabei sein ist alles‘ – das ist aber gelogen. Wenn ich es schon geschafft habe, versuche ich auch, so weit wie möglich zu kommen“, berichtet Nina Hemmer. Nachdem die Ringerin 2016 bei den olympischen Spielen in Rio recht zügig wieder die Koffer packen musste, will sie sich Ende März bei der Europameisterschaft oder Ende April bei der Weltmeisterschaft im Ringen noch ein Ticket für die Olympia 2020 in Tokio sichern.

Der rechte Unterarm ist mit dem Spruch „Fight´ till the end“ verziert. Das linke Handgelenk mit der alten Ringermatte, der olympischen Flagge und dem Wort „WarriorPrincess“ – „damit ich mein Ziel immer vor Augen habe“, begründet die 26-Jährige ihre Tattoo-Auswahl.

Bereits im Alter von fünf Jahren wagt sich Hemmer auf die Matte – zu diesem Zeitpunkt noch als Turnerin. Über einen Kollegen des Onkels dann fünf Jahre später beim AC Ückerath als Ringerin. „Raufen, Ringen und Kräfte messen – das war genau das Richtige für mich“, strahlt sie. Und dass die Sportlerin damit Recht behält, zeigen zahlreiche Erfolge in nur kurzer Zeit.

2008 zählt sie zu den besten deutschen Athleten in der Gewichtsklasse bis zu 53 Kilogramm, ringt daraufhin in der Nationalmannschaft und nimmt zum ersten Mal an einer Europameisterschaft teil. Acht Jahre später geht es dann zum ersten Mal zur Olympia nach Rio. „Die olympischen Spiele sind für jeden Sportler das Größte“, zeigt sich Nina Hemmer begeistert, „es ist ein sportliches Event, was jeder kennt und guckt – ein Highlight, wo der Fokus auch mal auf Nischensportarten und deren Leistungssportler gelegt wird.“ Ein Event für das Hemmer bereits seit der vergangenen Olympia wieder regelmäßig trainiert – zweimal am Tag an fünf Tagen in der Woche. „Und wenn man das Ticket für die olympischen Spiele erst einmal hat, dann muss man hoffen und bangen, dass sich das auszahlt, wofür man jahrelang gearbeitet hat“, erzählt die Ringerin über den Leistungsdruck.

Denn dazu zählen nicht nur hartes Training, sondern auch Physio-Therapien, Schlafenszeit und eine gesunde und ausgewogene Ernährung. „Jeden Tag muss man alles geben“, weiß sie aus eigener Erfahrung, „an erster Stelle steht der Sport. Alles andere baue ich drum rum.“ Freizeit, Familie und Freunde müssen dann auch mal hin und wieder zurückstecken – „die stehen aber voll hinter mir und verstehen das“, freut sie sich über die Unterstützung.

Und auch ihr Studium in sozialer Arbeit an der TH in Köln, das sie für eine Perspektive nach dem Sport begonnen hat, ihr Job als Betreuerin am Sportinternat in Knechtsteden sowie als Sportsoldatin bei der Bundeswehr kann sie individuell anpassen. „Mein Trainingsplan beim AC Ückerath ist der Dienstplan der Bundeswehr“, erklärt sie den Zusammenhang, „ich werde unterstützt und repräsentiere in der Öffentlichkeit die Bundeswehr.“

So wird sie zwar nicht für Auslandsaufenthalte eingezogen, absolviert aber ebenso wie ihre Kameraden Lehrgänge und Trainingslager. Zuletzt war Nina Hemmer beispielsweise bei den „Military Games“ in China und sicherte sich einen guten dritten Platz.

Und trotz der vielen Auslandsaufenthalte geht es immer wieder ins traute Heim zurück. „Aufgewachsen bin ich in Dormagen und dann nach Rommerskirchen gezogen“, erzählt sie, „hier mag ich den Mix aus Natur und Stadtleben.“ Gerne wäre die 26-Jährige auch in der Gemeinde am Gilbach geblieben und hier sesshaft geworden. „Es gibt aber kaum noch Grundstücke und wenn doch, dann sind die einfach nicht bezahlbar“, begründet sie ihren Weggang nun nach Neuss-Erfttal. Doch hier fühlt sich die Wohnungseigentümerin wohl – inmitten einer familiären Wohnlandschaft. Denn Geborgenheit ist für Nina Hemmer essentiell – deshalb auch die Vereinswahl. „Der Verein ist wie eine Familie, aber im Sport bin ich alleine. Wenn ich verliere, verliere ich alleine. Wenn ich gewinne, gewinne ich für mich. Ich bin nicht abhängig von anderen Menschen“, begründet sie ihre Vorliebe zum Ringen.

Und wenn der Platz für Tokio 2020 gesichert ist? „Will ich mir vielleicht gerne ein neues Tattoo stechen lassen“, überlegt sie lachend. Einen Spruch oder einen Hammer mit einem Wecker als persönliches Symbol. „Oft gewinne ich einen Kampf aufgrund meiner Technik in der allerletzten Sekunde. Dann heißt es immer ,it’s hemmer time‘“, lacht sie über das Wortspiel.

(-agr.)