1. Grevenbroich

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen für Kinder und ihre Familien

Wie sich die Pademie auf Kinder auswirkt : „Großer Respekt an Familien“

Vor knapp einem Jahr berichtete der Erft-Kurier, wie der damals gerade mal zweiwöchige Lockdown sich auf die Kinder auswirkt. Was uns noch bevor stand, konnte damals niemand ahnen. Wie hat sich die Situation in den vergangenen Wochen für die Kinder entwickelt, wie schätzen die Jugendamtsleiter die Pandemie ein in Hinsicht auf die Frage, ob die Corona-Zeit bei den Mädchen und Jungen bleibende Schäden hinerlassen kann?

„Die Zahlen der Familien, die wir betreuen, ist in dem Jahr minimal gestiegen. Es hat aber keine Fall-Explosion wegen Corona bei uns gegeben“, können sowohl Marion Klein vom Kreisjugendamt als auch das Grevenbroicher Jugendamt über die Stadtpressestelle mitteilen. Das Jahr voller Entbehrungen, über Wochen ohne soziale Kontakte, ohne Kindergarten und Schule, dafür oft auf engem Raum war für alle eine Herausforderung. Wenn dann noch Faktoren dafür sorgen, dass in den Familien Umstände herrschen (aus unterschiedlichen Gründen), dass sie vom Jugendamt betreut werden, kann es mitunter schon mal dazu kommen, dass alles über den Kopf zu wachsen scheint.

„Wir setzen stark auf den persönlichen Kontakt“, weiß Klein. Denn auch wenn nicht viele neue Familien vom Jugendamt betreut werden, ist die Intensität der Betreuung gestiegen wie Claudia Leppert von der Stadt berichtet: „Innerhalb der betreuten Familien werden die Belastungen durch den anhaltenden Lockdown und sich daraus ergebene Problemlagen innerhalb des Familiensystems zunehmend deutlich.“ Marion Keion weiß, wovon die Grevenbroicher Kollegin spricht: „Unsere Mitarbeiter unterstützen. Da kann auch schon ein Anruf kommen ,Hilf mir, ich raste gleich aus’. Wir helfen, weil wir den Familien zur Seite stehen. Und rechtzeitig um Hilfe zu bitten, ist immer viel besser, als wenn etwas passiert.“ Denn um die „Grauzone“, also die Familien, die den Kontakt zu den geschulten Mitarbeitern scheuen, macht sie sich Sorgen: „An die kommen wir einfach nicht dran.“

Doch was ist mit den Kindern generell? Nicht alle wachsen im Umfeld von Jugendamt-Besuchen auf. Auch in vermeintlich gefestigten Familien haben die Kinder mit den fehlenden sozialen Kontakten zu kämpfen. „Ob es da zu bleibenden Schäden kommen wird, kann man jetzt noch gar nicht abschätzen. Das wissen wir erst wirklich, wenn die schwere Zeit vorbei ist“, so Klein. Auch das Grevenbroicher Jugendamt sieht das so: „Wie sich die fehlenden sozialen Kontakte (Kindergarten- und Schulbesuch eingeschlossen) auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken wird, bleibt zunächst abzuwarten. Fakt ist, das Entwicklungsfenster sich schließen und das soziale Kontakte für eine positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine große Bedeutung haben. Wie sich dies in den Fallzahlen abbilden wird, wird sich erst im Laufe des nächsten Jahres zeigen.“

Was alle Familien gemein haben, ist der Umstand, dass niemand wusste, was da auf uns zukommt. „Anfangs dachten wir ja noch, dass nach Ostern alles wieder normal wird. Und jetzt ist fast ein Jahr vorbei und niemand weiß, wie es weiter geht“, so Klein, die ein gutes Bild gefunden hat. „Das Ziel fehlt. Wenn ich einen Marathon laufe, dann weiß ich nach 20 Kilometern, dass ich die Hälfte fast geschafft habe, dann motiviert mich das beim Durchhalten. Aber wir haben keine Zwischenziele, keine richtigen Etappen. Da wächst die Unsicherheit, manchmal wird die Stimmung richtiggehend depressiv. Wenn dann noch das Wetter grau und ungemütlich ist, geht das an die Substanz“, weiß Marion Klein.

Grundsätzlich ist der Umgang individuell. „Habe ich eine kleine Wohnung ohne Balkon, kein Geld, eine schlechte Beziehung, Stress auf der Arbeit, wird es schwierig, noch das Beste aus der Situation zu machen“, weiß Klein aus den Erfahrungen mit den Familien. „Dabei haben wir viele, die es sehr hart getroffen hat. Aber eben auch Fälle, die sich zusammen gerissen haben, ganz neu als Familie zusammen gewachsen sind, Spaziergänge oder gemeinsames Kochen für sich entdeckt haben. Dinge, die vorher vielleicht überhaupt nicht alltäglich waren.“

Abschließend fasst Marion Klein zusammen: „Ich habe großen Respekt vor dem, was alle Familien in den vergangenen Monaten geleistet haben. Es war eine harte Probe und die ist noch nicht vorbei! Ich hoffe, dass alle noch mal ihre Kraft bündeln können.“