1. Jüchen

: Der reife Samen wird viele Meter weit aus dem Schnabel katapultiert

: Der reife Samen wird viele Meter weit aus dem Schnabel katapultiert

Auch jetzt noch im Oktober sind am Wegesrand dezente lila bis rosarote Blüten zu entdecken, die schon den ganzen Sommer lang Farbtupfer gesetzt hatten. Es ist der „Pyrenäen-Storchenschnabel“, dessen Name sich erst erschließt, wenn die Wildblume Früchte angesetzt hat.

Jüchen. Die lang gestreckten, spitzen Früchte erinnern stark an den Schnabel eines Storches.

Die deutsche und auch die botanische Namensgebung beim Storchenschnabel bietet für Menschen, die gerne Knoten im Gehirn auflösen, viel Spielraum. Folgendes deshalb zu diesem Namenswirrwarr:

Die Wildblume „Storchenschnabel“ hat nämlich den botanischen, altgriechischen Gattungsnamen Geranium (geranos = Kranich).

Hier wird die Frucht eben mit einem Kranichschnabel assoziiert, was zunächst nicht tragisch ist, da die Unterschiede der beiden Schnabelformen für die Beschreibung einer Fruchtform nun einmal eher nebensächlich ist.

Pflanzengattungen werden zu Familien zusammengefasst. In der Familie der Storchenschnabelgewächse (mit botanischen Namen „Geraniaceae“, also übersetzt Kranichschnabelgewächse) kommt kniffligerweise der Schnabel des Storches auch noch einmal als griechischer

Namensteil vor, – aber nicht für die Storchenschnabel-Gattung, die ja „Geranium“ (= Kranich) heißen, sondern für die nah verwandte Gattung, mit den „Pelargonium“-Arten (pelargos = Storch).

Die bekannte Garten-Geranie (geranos = Kranich) gehört also zu der Gattung Pelargonium

(pelargos = Storch), während die Storchenschnabelarten aus griechischer Sicht „Kranich-Schnäbel“ in der Gattung Geranium sind. Alles klar?

Storchenschnabel- und Pelargonium-Arten haben wegen ihrer Familienzugehörigkeit zwar beide die gleiche schnabelförmige Fruchtform, aber ihre Blütenformen unterscheiden sich.

Während die Blüten der Pelargonien eine spiegelsymmetrische Form haben, sind die Blüten des Storchenschnabels radiärsymmetrisch und zudem fünfzählig.

Einige Arten haben eingekerbte Blütenblätter, wodurch die Blüte zehnzählig wirkt.

Farblich hervortretende Adern auf den Blütenblättern, die Saftmale, weisen Insekten den Weg zum Nektar. Oft stehen bei dem Storchenschnabelarten die Blüten zu zweit auf den Blütenstielen. Die Laubblätter sind bis auf den „stinkenden Storchenschnabel“ alle fingerförmig gelappt mit mehr oder weniger tiefen Einkerbungen.

Durch einen raffinierten Mechanismus erfolgt beim Storchenschnabel die Samenverbreitung:

Trocknet die Frucht, lösen sich die langen Grannen an der Mittelsäule, rollen sich auf und schleudern die Samen katapultartig heraus. Dabei können Flugstrecken von durchaus mehreren Metern erreicht werden.

Einige Storchschnabelarten, wie der blutrote, der stinkende, der gefleckte und der Wald- Storchschnabel werden zur Heilbehandlung verwendet – wie zur Blutstillung, bei Wunden und Infektionen sowie bei Haut-, Magen- und Darmerkrankungen.

Verwendet werden fast immer die Wurzeln der Pflanzen. Nur beim „stinkenden Storchschnabel“ enthalten auch Blätter und Blüten größere Mengen der Wirkstoffe.

Bei ihm ist weder der Geruch noch der Geschmack angenehm, – aber getreu einer altbekannten Redewendung muss gute Medizin ja nun einmal bitter sein.

Sowohl Storchenschnabel-Arten als auch Pelargonium-Arten können einige Heilpflanzen vorweisen.

Doch so setzt sich die Namensverwirrung von Storch- und Kranichschnäbeln auch hier bei den Heilmitteln fort: Das

„Geranium-Öl“ ist kein Extrakt aus einer Geranium-Art, sondern das Extrakt aus einer Pelargonium-Art, der Rosen-Pelargonien.

Der BUND Jüchen wünscht viel Spaß beim Namen-Entwirren und herbstlichem Storch-und Kranich-Sichten am Boden!

-tkG.