1. Grevenbroich

Zwei Landwirte reden über Pflanzen-, Insekten- und Umweltschutz: „Schluss mit dem Bauern-Bashing!“

Zwei Landwirte reden über Pflanzen-, Insekten- und Umweltschutz : „Schluss mit dem Bauern-Bashing!“

Eines Tages kam der kleine Neffe ganz aufgeregt aus der Grundschule nach Hause, lief zu seinem Opa und stieß hervor: „In der Schule haben sie gesagt, du hast alle Insekten tot gespritzt.“ Für Landwirt Franz Winters aus Gindorf ist dies klares „Bauern-Bashing“. Und damit müsse endlich Schluss sein.

Gindorf/Hülchrath. Ursache sei, dass zu viele falsche Parolen immer wieder verbreitet würden. Ein treffendes Beispiel sei hier die bekannte Studie der Krefelder Insektenforscher, die einen Rückgang der Fluginsekten um 80 Prozent proklamiert. Hier seien die Fehlerhaftigkeit der Studie und die Unhaltbarkeit der gezogenen Rückschlüsse schon mehrfach nachgewiesen worden. Die ganze Studie sei zur „Unstudie des Jahres“ erklärt worden. Und dennoch geistere sie immer noch durch die Köpfe der Naturschützer und der Umweltpolitiker.

„Seit den 1980er Jahren ist eine Wildbienenart in Deutschland ausgestorben, vier neue wurden dagegen entdeckt“, schüttelt auch Christian Nellen, Gemüsebauer aus Hülchrath, den Kopf.

Der verweist auf seine Äcker, auf denen in echter Fünf-Frucht-Folge unterschiedliche Arten gezogen werden. Spritzen käme für ihn (er betreibt auch eine Biogasanlage) nur bei Gemüse in Frage, das nicht blühen würde (so dass die Mittel Bienen Co. gar nicht erreichen würden).

Zudem seien die Auflagen und Vorgaben so hoch (in Deutschland würde alles noch ein wenig strenger gehandhabt als in den Nachbarländern), dass die Wirksamkeit oft auf der Strecke bleibe. So habe er seine Bohnenfelder nicht unkrautfrei bekommen. Mit der Folge, dass er auf den Anbau von Bohnen verzichten musste.

Franz Winters, Obstbauer aus Gindorf.

„Jetzt kaufen die Verbraucher die Bohnen im Supermarkt, die von Übersee kommen. Und keiner fragt, wie viel da gespritzt und getan wurde“, ärgert Nellen sich. Würden Spielzeuge oder Autos importiert, würde alles bis ins letzte Detail geprüft und kontrolliert. Bei Lebensmitteln würde alles durchgewunken, was billig in die Läden kommen würde. Und: „In Übersee kommen immer noch Mittel zum Einsatz, die vor 20 Jahren bei uns verboten wurden“, weiß Franz Winters, der noch eine andere, klare Argumentationskette aufbaut: „Der Acker ist unser Kapital. Wir haben keinen Anlass, ihn zu vergiften.“

Er habe in den vergangenen sechs Jahren beispielsweise sein Getreide überhaupt nicht gespritzt. Denn: „Das Zeug kostet uns ja auch viel Geld.“ Möglich wurde dies unter anderem durch die warmen Sommer: „Je wärmer der Sommer, umso weniger muss msn spritzen“, bestätigt auch Nellen.

Zudem seien bestimmte Nützlinge mehr geworden: Marienkäferlarven, bestimmte Milbenarten oder auch Blutwanzenwespen würden den Landwirten dann quasi unter die Arme greifen.

Noch verrückter sei es im Rübenanbau: Da seien inzwischen Neonikotinoide in der Saatgut-Umhüllung verboten. Sie sollten die Pflanze vor Läuseanflug schützen. Wurden verboten, um die Bienen zu retten. Nur, dass die heimische Rübe nie blüht, weil sie vorher geerntet wird (wir berichteten).

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