: Die Top-Kurier Ortsvorstellung: Das sind jetzt unsere STADT-TeileKelzenberg: Ein Ort, bei dem alte Traditionen noch bewahrt werden

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Dass Kelzenberg (frühere Schreibweisen waren Kelsenberg oder Keltzenberg – Namensgebung erfolgte nachweislich zu Beginn des zweiten Jahrtausends) damals einmal eine eigenständige Gemeinde gewesen ist, ist so direkt gar nicht mehr erkennbar. Denn das ehemalige Rat- und auch Bürgermeisterhaus werden heutzutage als normale Wohnhäuser genutzt. Mehr als zehn Höfe schmücken dagegen immer noch das idyllische Dörfchen. „Allein auf der Hauptstraße standen fünf Höfe“, weiß Toni Becker, Vorsitzender des Heimatvereins Kelzenberg-Mürmeln. Mehr als die Hälfte der Höfe sind heute noch in Betrieb. „Hier herrscht eben immer noch ein sehr dörflicher Charakter“, lächelt er.

Kelzenberg. Für die Einwohner beginnt der Ortsteil eigentlich schon weit aus früher als am Ortsschild unmittelbar an der Kirche. „Kelzenberg wird bereits an der Grenze zu Gierath schon mit Feldern einbezogen, ebenso Richtung Garzweiler und Mürmeln“, so Becker mit Stolz. Seit 2007 ist er im Vorstand des Heimatvereins, der sich bereits 1986 gegründet hat, Gattin Gertrud ist bereits im Kindesalter hier groß geworden.

„Wir sind oft in der Gaststätte Coenen (heute Landgasthof Kelzenberg) essen gewesen. Vier Kegelbahnen hat es hier gegeben (heute sind es noch zwei) und aus Erzählungen weiß ich, dass es im vorderen Bereich einen Lebensmittelladen gegeben hat“, erzählt Gertrud Becker. Übrigens hat es damals eine weitere Gaststätte auf der Keltenstraße gegeben. Danach errichtete sich hier die Bäckerei Junker, die später dann unter dem Namen Andler in Güdderath expandierte. „Das ist so schade, wir haben gerne frisches Brot direkt an der Haustüre gekauft“, überlegen die beiden Beckers.

Von Kapellen über Bedburdyck hat es die Familie von Gertrud Becker damals nach Kelzenberg verschlagen. „Vor unserem Haus (Ecke Keltenstraße/ Im Kamp) stand sogar früher das Spritzhaus der Feuerwehr“, so die Kelzenbergerin weiter. 1968 wurde das Häusschen aber abgerissen.

Die heutige Feuerwehr (1922 wegen der vielen Scheunenbrände gegründet) befindet sich nun unmittelbar am Bolzplatz. Gerne haben die Kinder und Jugendlichen hier gespielt. „Das ist noch heute so“, erzählt Toni Becker, der sich mit dem Heimatverein für neue Tore eingesetzt hat, „fast alles, was hier im Ort gemacht wurde, ist dem Heimatverein zu verdanken.“ Sei es die Flutlichtanlage an der Feuerwache oder eine Wasserstelle für Veranstaltung am Bolzplatz. „Unser Festzelt zum Heimatfest hat immer auf einer Weide gestanden. Dann wurde irgendwann im Gasthof gefeiert und bis 2015 die Festlichkeit auf den Bolzplatz verlegt“, so Becker.

Nachdem es zwischen 2002 und 2007 keinen König gegeben hat, lebte das Heimatfest 2008 dann wieder auf. „2014 und 2015 haben meine Frau und ich das Königspaar gestemmt“, berichtet der 58-Jährige – danach war Schluss. Zu wenig Anklang fand das Heimatfest, obwohl es auf dem traditionellen Erntedank- und Schlachtfest zurückzuführen war. Und auch der Friedhof hat für Toni Becker einen bedeutenden Einfluss. „Mir liegt das Ehrenmal für die Gefallenen aus den beiden Weltkriegen sehr am Herzen“, berichtet er, „ich finde es traurig, wenn es verkommen würde. Weil das Miteinander ist gerade im Dorf sehr wichtig.“

Deswegen setzt er sich auch dafür ein, dass der Dorfplatz in die Baumaßnahmen an der Keltenstraße einbezogen werde. „Unmittelbar hinter dem Dorfmittelpunkt versteckt sich auch eine alte Pumpe“, weiß er und präsentiert stolz das historische Ansehen des Dorfes, „es wäre toll, wenn man das von der Straße aus viel besser wahrnehmen würde.“

Von da aus geht die Wanderung weiter die Keltenstraße entlang. Rechts und links befinden sich hier das ehemalige Rat- und auch Bürgermeisterhaus. Am Ende ragt die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde in die Höhe. Hierzu hat der Heimatverein in seiner Dorf-Chronik festgehalten, dass die alte Kirche am Platz des Bürgermeisteramtes gestanden hatte. Um 1820 wurde sie jedoch so baufällig, dass man sich zum Neubau der Kirche am heutigen Platz entschied. Übrigens das „11 Uhr-Läuten“ ist heutzutage immer noch aktiv und darauf zurückzuführen, dass die Feldarbeiter ihre Pferde abspannen und füttern sollten.

Interessant sei hierbei auch zu erwähnen, dass der Hof der Familie Klaßen ursprünglich als „Knappertz-Hof“ bekannt war. Der Name stammt von der Familie Wilhelm Knappertz, die im 18. Jahrhundert dort gewohnt hat. Der Hof selbst ist früher einmal ein Kloster-Hof gewesen, der dem „Klarissen-Kloster“ in Neuss gehört hat.

Alina Gries

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