Marco Hornbacher aus Frixheim: : Alle Hindernisse tapfer überwunden

Marco Hornbacher aus Frixheim: : Alle Hindernisse tapfer überwunden

Vor knapp acht Jahren veränderte sich das Leben von Marco Hornbacher innerhalb weniger Wochen. Der aktive junge Mann erkrankte an „Leber’scher Hereditäre Optikus-Neuropathie“ (LHON), einer genetischen Augenkrankheit, die zum Erblinden führen kann. Trotz des Schicksals lässt sich der 27-Jährige nicht unterkriegen. Er nimmt sogar an sportlichen Wettkämpfen teil.

Der Sport bedeutete Marco Hornbacher schon sein Leben lang viel. Immer unterwegs sein, an die Grenzen kommen. Als er vor gut acht Jahren seine Sehkraft verlor, war zunächst nicht klar, welche Hobbys noch möglich sind. Doch der junge Mann kämpfte sich nach dem Schicksalsschlag zurück: „Ich konnte plötzlich ganz viele Dinge nicht mehr machen, die früher für mich selbstverständlich waren. Ich musste mein Leben ganz neu strukturieren und damit auch Möglichkeiten finden, wie ich den Sport einbinden kann.“

Er landete beim Blindenfußball. Doch den richtigen Ausgleich fand er beim Laufen: „Ich habe angefangen mit einem Freund aus dem Schützenzug zu laufen. Beim Laufen bekomme ich den Kopf einfach frei.“ Meistens sind die Läufer zu dritt, es ist aber auch schon vorgekommen, dass Hornbacher ganz alleine gelaufen ist: „Aber dann laufe ich nur am Feld, wenn es keine wirklichen Hindernisse gibt.“

Und es bleibt nicht bei den Runden durch die Heimat: Denn Hornbacher nimmt sogar an Wettkämpfen teil. Im vergangenen Jahr war es ein Halbmarathon und dieses Jahr lief er mit seinen Freunden vom 1. FC Köln-Fanclub „Kölsch Patrioten“, zu dem er seit sechs Jahren gehört, beim „Fisherman's Friend Strongmanrun“ mit. Bei dieser Veranstaltung geht es nicht nur ums reine Laufen, sondern um das Bewältigen von Hürden. „Als meine Freunde gefragt haben, ob ich mitlaufe, hatten wir noch darüber gesprochen, dass man auch zur Not an den Hindernissen vorbei gehen kann, wenn eines für mich nicht zu überwinden ist. Aber ich habe alle bewältigt. Auch wenn mich – und ich weiß, dass das etwas verrückt klingt – meine Höhenangst bei einem Hindernis erwischt hat. An Tauseilen mussten wir hochklettern auf Container, die waren sicher sechs, sieben Meter hoch. Höhe hat mir noch nie gelegen, da reicht für mich schon ein Meter aus. Aber ich habe es geschafft.“


Eine sportliche Herausforderung wäre noch ein Triathlon: „Aber die kleine Variante mit kürzeren Strecken. Schwimmen gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken, aber ich habe auch schon andere Sachen geschafft!“

Doch wie kam es eigentlich zu der Krankheit? Beim Spielen am Computer sah plötzlich alles anders aus, milchig irgendwie. Erst dachte der damals 19-Jährige, dass er vielleicht eine Brille brauchen könne. Doch beim Arzt gab es die schockierende Nachricht: Die erbliche Krankheit zerstört das Augenlicht. Noch kurze Zeit zuvor hatte der junge Mann volle Sehkraft, innerhalb weniger Wochen sank diese auf nur noch sechs Prozent. Mittlerweile sind auf einem Auge noch 1,7 Prozent vorhanden, auf dem anderen 1,2 Prozent.

„Ich habe quasi einen Anti-Tunnel-Blick. In der Mitte sehe ich gar nichts mehr, außen kann ich wenige Umrisse erkennen“, erklärt der junge Mann. Farben sind schwierig, oft sieht er nur Grau-oder Blau-Töne.

Nach der Diagnose und der schnellen Verschlechterung ging Marco Hornbacher in die Reha nach Düren und Marburg. Dort lernte er mit der neuen Situation umzugehen, bekam Hilfen, wie er in Zukunft den Alltag meistern kann. Mittlerweile lebt er alleine. „Im Erdgeschoss lebt aber meine Schwester und meine Großeltern und meine Patentante wohnen um die Ecke. Meine Eltern sind einen Ort weiter. Also wenn ich wirklich Hilfe brauche, habe ich Leute, die für mich da sind.“ In seiner Heimat hat er nicht immer den Blindenstock dabei. „Wenn ich zur Arbeit fahre, nutze ich den Stock aber. Ich fahre mit der Bahn und muss nach Köln. Da ist die Orientierung mit Hilfe des Blindenstocks einfacher. Hier in meiner gewohnten Umgebung verzichte ich meistens drauf“, erklärt der 27-Jährige, der bei der Stadt Köln am Bürgertelefon arbeitet.

Ansonsten ist die Sprachausgabe bei Handy und Computer die größte Hilfe für ihn. Mit kleinen Hilfsmitteln wie Punkten aus Window Color an Mikrowelle oder Backofen, die beim Bedienen helfen, hat sich der Frixheimer schnelle und unkomplizierte Hilfe gebastelt.

Das Feedback von fremden Menschen ist ganz unterschiedlich: „Da habe ich wirklich schon alles erlebt. Manchmal wollten die Menschen mir auch helfen an Stellen, an denen es gar nicht nötig ist. Oder mir wird vorgeworfen, dass ich doch gar nicht blind sei, weil ich ja noch minimale Sehkraft habe. Dabei sehe ich ja wirklich kaum etwas und muss lernen, mich anders zu orientieren.“

Aus diesem Grund hat sich das Gehör immens verbessert: „Mein Körper hat sich da ganz schnell umgestellt und mein Gehör wurde sehr empfindlich. Normale Lautstärke erschien für mich plötzlich ganz extrem laut. Ich habe dann aber bewusst dagegen gearbeitet, damit mein Gehör nicht ganz so empfindlich ist.“ Außerdem wurde das Empfinden sensibler: „Ich merke ganz viel. Auch wenn ich angestarrt werde.“

Es wirkt, als habe Marco Hornbacher sich komplett zurück gekämpft: „Ich unternehme viel, habe eine tolle Familie und Freunde. Nach außen wirkt es immer so, dass ich alles gut verkrafte und das Beste draus mache. Aber das ist auch nicht immer so. Es gibt auch Momente, in denen es mir nicht wirklich gut geht.“

Dann helfen die beiden Katzen und die zahlreichen Hobbys über die trüben Gedanken hinweg. Denn neben dem Laufen nimmt sportlich der 1. FC Köln Platz im Leben des Rommerskircheners ein. Im Stadion gibt es sogar extra Plätze für Blinde. Diese sind mit Kopfhörern versehen und Marco Hornbacher kann dank eines Kommentators das Geschehen bei den Geißböcken verfolgen und Stadion-Atmosphäre dabei erleben.

Auch das Heimatwesen kommt bei dem 27-Jährigen nicht zu kurz: Als Zugführer führt er den Jägerzug „Streifschuss“ in Frixheim an. Neu dabei ist er beim Tambour-Corps Oekoven. An „St. Martin“ sorgte er das erste Mal mit für die Musik. „Das ist eine bessere Premiere als direkt eine Parade“, lacht Hornbacher.

(Julia Schäfer)