Liebe, die unter die Haut geht:: „Meine Heimat, mein Verein, meine Liebe“

Liebe, die unter die Haut geht: : „Meine Heimat, mein Verein, meine Liebe“

Jens Brandofsky ist wohl der einzige Schützenkönig im Stadtgebiet, der die Liebe zu seinem Verein und seiner Heimat unter der Haut trägt: Das Wevenlighovener Wappen hatte sich der 43-Jährige bereits vor einiger Zeit auf den linken Unterarm tätowieren lassen. Eine Woche nach dem erfolgreichen Vogelschuss im vergangenen Jahr ließ er sich über das Wappen das Datum seines Erfolges, die Uhrzeit und die Schusszahl stechen. Wer sich so zu seiner Heimat bekennt, ist der perfekte Schützenkönig. Und das werden Jens Brandofsky und seine Frau Nicole jetzt noch ein paar Tage unter Beweis stellen.

Wevelinghoven. „Wir freuen uns unheimlich auf das Schützenfest. Das vergangene Jahr war wunderschön und jetzt kommt der Höhepunkt. Wir haben uns vorgenommen, richtig zu feiern“, so die Brandofskys. Und wer sie kennt, der weiß, dass das ernst gemeint ist. So ernst wie die Liebe zur Gartenstadt. Und die kommt nicht von ungefähr, denn natürlich ist der Schützenkönig in Wevelinghoven aufgewachsen, nie weggegangen und hat auch in Zukunft nicht vor, die Heimat zu verlassen. „Meine Heimat, mein Verein, meine Liebe“, beschreibt Brandofsky die Verbindung. Und mit Ehefrau Nicole hat er die perfekte Frau an der Seite, denn ihr geht es genauso: „Da kann ich meinem Mann wirklich nur zustimmen!“ Auch sie ist eine waschechte Wevelinghovenerin, kennt das Schützenwesen ebenfalls seit frühester Kindheit.
Das Jahr als Königspaar von Wevelinghoven haben Jens und Nicole Brandofsky in vollen Zügen genießen dürfen: „Es ist ein absolutes Erlebnis, die Termine wahr zu nehmen. Jedes Schützenfest ist anders, hat andere Traditionen. Und wir haben so tolle Menschen kennen lernen dürfen. Und der Kontakt wird bleiben, zum Beispiel zu Dominik und Nicola Speck aus Orken oder Dieter Minkenberg aus der Stadtmitte. Sie hätten wir bestimmt ohne unser Königsjahr nicht getroffen.“ Und so kam es sogar, dass die Specks den Brandofskys eine gute Möglichkeit boten, die Schützenfest-freie Winterzeit gut zu nutzen.

„Ich durfte In Orken beim Karnevalszug auf einem Wagen mitfahren. Das war so ein tolles und unvergessliches Erlebnis“, erinnert sich der Schützenkönig.
Bei den kommenden Tagen freut sich der 43-Jährige ganz besonders auf den Fackelzug und die Parade: „Ich weiß ja gar nicht, wie die aussehen. Wenn man mitzieht, kennt man ja nur die Strecke.“ Und die ist dem Wevelinghovener seit frühester Kindheit vertraut, denn bereits mit fünf Jahren trat er dem Verein bei. Vater Karl-Heinz, der selbst 1996/97 Schützenkönig war, hatte seinem Sohn die Liebe zum traditionsreichen Heimatfest in die Wiege gelegt. „Ich wollte eigentlich schon immer Schützenkönig werden“, so der amtierende König.

Als er im vergangenen Jahr den Vogel von der Stange holte, war die Freude entsprechend groß. „Ganz klar ist, dass dieses Jahr und das Schützenfest ohne unseren Zug ,Ever Jrön‘ niemals zu realisieren gewesen wäre. Alle haben angepackt und sind mit Feuereifer dabei. Allein wenn wir uns die Residenz anschauen, ist es überwältigend, was die Zugmitglieder und ihre Frauen da mit uns auf die Beine gestellt haben.“ Einen Teil der Residenz hat das Paar aus Langwaden abgekauft, der Rest ist komplett selbst gebaut und gestaltet. Und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Statt typischem Tannengrün verziert ein echtes Kunstwerk die Residenz. Künstler Patrick Schmitz hat sechs Wochen lang jeden Tag an der Residenz gemalt. „Und wir haben uns etwas ganz Tolles einfallen lassen: Am Montag werden drei Resident-Platten mit dem Wappen, der Motte und dem Wevelinghovener Rathaus versteigert.“ Der Erlös kommt „Brauchtum hilft“, den Wevelinghovener Edelknaben und dem eigenen Zug zu Gute.
Für das Schützenfest haben sich Jens und Nicole Brandofsky vorgenommen zu feiern wie jedes Jahr: „Wir sind ja nichts Besseres, nur weil wir das Königspaar sind. Wir feiern genau so wie die letzten 38 Jahre.“ Die Brandofskys genießen „ihr“ Jahr. Ihr Geheimrezept ist, alles nicht zu ernst zu nehmen und mit Humor zu genießen. Und so weiß wohl auch jeder, wie es gemeint ist, wenn das Handy des 43-Jährigen los geht und als Klingelton ein lustiges Stimmchen ruft „Eure Majestät…“.
Für Nicole Brandofsky, die sich selbst als Jeans-und-Turnschuh-Typ bezeichnet, war die Suche nach der passenden Königinnen-Robe eine Herausforderung, die sie aber gut gemeistert hat: „Ich wollte Kleider, in denen ich mich wohl fühle und in denen ich mir nicht verkleidet vorkomme. Schließlich wollen wir bei allen Aufgaben authentisch bleiben. Aber ich denke, dass ich sehr gute Entscheidungen getroffen habe.“ Ehemann Jens kennt zwar die Kleider, hat aber alles Wissen „wieder aus dem Kopf gelöscht“. „Damit es doch eine kleine Überraschung wird“, lacht er.
Nach dem Schützenfest werden es die Brandofskys etwas ruhiger angehen lassen: „Ein bisschen Wellness, ein Urlaub und vor allem Zeit für unseren Sohn Dean. Der kam die letzten Wochen wirklich oft zu kurz.“ Aber wer in einer Schützenfest-verrückten Familie aufwächst, hat Verständnis, dass im Königsjahr alles etwas anders läuft: „Man ist ja nur einmal im Leben Schützenkönig. Wir haben zum Beispiel bisher auf Urlaub verzichtet, weil so viele Termine anstanden. Aber Dean hat sich eine Reise gewünscht und die werden wir deshalb auch zeitnah antreten. Aber erst einmal genießen wir die nächsten Tage.“J. Schäfer