Grevenbroicher Schützenfest Wird Julian Flintz zum Wiederholungstäter? „Möglich wär´s“

Grevenbroich · Wenn es nach Schützenkönig Julian Flintz vom Jägerzug „St. Sebastian“ geht, feiert er zusammen mit seiner Königin Leonie Wilms den krönenden Abschluss seiner Regentschaft bei „angenehmen 24, 25° Celsius“. Beide hoffen, „dass es nicht so heiß wird wie bei unserer Krönung im vergangenen Jahr“.

Das hoch offizielle BSV-Königsfoto von Julian Flintz und Leonie Wilms.

Foto: Gelowicz

Denn so eine Krönung ist für das Paar, das dabei im Mittelpunkt steht, eh schon schweißtreibend genug: Die Gefühle fahren Achterbahn. Und die Emotionen kochen hoch. Julian Flintz kann sich so zum Beispiel noch genau an den Moment erinnern, als ihm der Allrather Schützenkönig gratulierte mit den Worten „Das älteste Königspaar im Umkreis gratuliert dem jüngsten.“

Immerhin kam Julian Flintz mit 24 Jahren ans Königssilber. Gab es deshalb für ihn im Grevenbroicher BSV oder in der Runde der Königspaare aus dem gesamten Stadtgebiet so etwas wie „Welpenschutz“? Das nicht, lacht er: „Die meisten waren erstaunt, dass man in unserem Alter dieses Amt annimmt.“

Dabei sei das Königsspiel mit all seinen Terminen gar nicht so anstrengend gewesen. Die Begegnung mit immer neuen Leuten, Auftritte bei großen und kleinen Festen, die offiziellen Anlässe zusammen mit dem Vorstand – das alles habe Spaß gemacht und bleibe in guter Erinnerung. Allerdings gesteht der junge Mann ein: So ein Königsjahr sei ein „Härtetest fürs Paar“. Und: „Wir sind uns öfters in die Wolle geraten“, gesteht er durchaus griemelnd.

Dabei sei es stets um die normalen, alltäglichen Kleinigkeiten gegangen ... dass er seine Krawatte nicht auf Anhieb finden konnte. Oder dass sie für den Sitz der Frisur ein paar Minuten länger brauchte. Nichts Weltbewegendes, aber im jeweiligen Augenblick eben ausreichend Anlass für Hektik.

Klippen und Klippchen, die Julian Flintz und Leonie Wilms perfekt gemeistert haben. Zu den Höhepunkten ihres Regierungsjahres zählen die beiden übrigens auch den diesjährigen Vogelschuss. „Dass wir einen netten Nachfolger haben, mit dem wir gut klar kommen“, sei für sie wichtig.

Und Leonie Wilms ergänzt: „Etwas Besonderes war auch, wie wir bei den anderen Schützenfesten empfangen und behandelt worden sind.“ Überhaupt das Verhältnis zu all den Königspaaren in den anderen Teilen der Stadt Grevenbroich sei toll, sehr harmonisch und beeindruckend gewesen. Und werde in einer eigenen WhatsApp-Gruppe weitergepflegt, in der auch die inzwischen abgekrönten Paare sind. Mit dabei – und darüber freuen sich die zwei sehr – auch das über 80-jährige Paar aus Allrath.

Zu den Freundschaften, die begründet oder verstärkt wurden, zählen die beiden Grevenbroicher Majestäten auch jene Gruppe, mit der man das Jahr an den unterschiedlichsten Orten zusammentraf: Helfer, Mitstreiter, Vorstandsvertreter, Menschen eben, die sich unterstützend eingebracht haben,

Die Königsbinde muss nicht nur gehütet, sondern auch bestens gepflegt werden.

Foto: KV./Gerhard P. Müller

Und die so dafür gesorgt haben, dass wirklicher Stress nicht aufkam. Auch an jenem Abend nicht, an dem es Einladungen zu drei Veranstaltungen gab, die alle zur gleichen Uhrzeit begannen. „Wir haben bei den ersten jeweils anderthalb Stunden verbracht und haben beim dritten Termin bis zum Ende mitgefeiert“, strahlt Leonie Wilms unbekümmert.

Der König erinnert ans Orkener Schützenfest, bei dem er mehrfach die Uniformen wechseln musste. Immerhin ist er im dortigen Tambourkorps an Trommel oder Becken aktiv. Während des Schützenfestes ging er Samstag abends in seinem Spielzug mit, machte sonntags vormittags die Honneurs als Grevenbroicher Schützenkönig, um dann nachmittags mit den Kameraden die Trommel zu rühren.

„Von Ende April bis heute waren genau vier Wochenenden Pause“, rechnet Julian Flintz vor. In diesen „Pausen“ habe es aber andere Termine gegeben. Oder er sei mit dem Orkener Tambourkorps auf Tour gewesen. Beim Schützenfest im benachbarten Gierath beispielsweise.

Man sieht: zwei junge „Heimattreue“, die ihre Aufgabe ernstgenommen haben. Leonie Wilms: „Wir wollten alles mitnehmen, was man so macht.“

Zwei, die sich verstehen: König & Kronprinz beim Nuss-Schnaps.

Foto: KV./Gerhard P.Müller

Und da steht nun das abschließende Schützen-, Volks- und Heimatfest an. Thema sind hier immer die Kleider der Königin. Leonie Wilms zeigt sich aber auch bei diesem Thema locker: Samstags abends im Zelt reiche „irgendwas Schickes“, Jumpsuit oder Cocktail-Kleid eben. Gleiches gelte für die Abkrönung am Dienstag. Zum Frühschoppen am Montag gebe es „Bequemes“, zum Beispiel das Polo-Shirt des BSV.

Also dreht sich alles um das Kleid für Königskutsche und Regimentsabnahme. „Das ist eine Überraschung“, betont die Königin und unterbindet alle weiteren Nachfragen. Er ist sich aber sicher: „Ich schätze, das kommt gut an.“

Das „Sonntagskleid“ hat sie dabei nicht nur mit Mama Kerstin Wilms in einem Fachgeschäft in Rommerskirchen (!) ausgesucht. Die Mama war dabei so angetan, dass sie ihr das Kleid auch geschenkt hat.

Mutter Kerstin ist übrigens MakeUp-Artist und wird auch für den Style der Tochter verantwortlich sein.

Und dann zeigt sich wieder einmal der recht trockene Humor der Grevenbroicher Majestät: Er habe es da ja deutlich einfacher. „Ich brauche meine Uniform, gehe vorher vielleicht noch mal zum Friseur. Und dann muss ich mir noch den Bart shaven ...“, lacht er.

Übrigens haben die beiden nach der Abkrönung am Schützenfest-Dienstag noch nicht „dienstfrei“: Am Mittwoch müssen sie zum traditionellen Fischessen, donnerstags sind sie ebenfalls eingeladen. Weitere Einladungen stehen im Kalender. Und noch zweimal will Flintz mit den Spielleuten aus Orken mitmarschieren, zum Beispiel in Elsen. Erst danach kann „Ruhe“ einkehren.

Vielleicht kann auch ein wenig Urlaub gemacht werden. Den hatten die beiden für diesen Sommer natürlich gestrichen. Aus Zeit-, aber auch aus Kostengründen. Doch Julian Flintz kann beruhigen: Das Grevenbroicher Königsspiel sei „finanzierbar“, macht er im großen Interview mit dem Erft-Kurier deutlich.

Oft habe er in diesem Jahr den Satz gehört: „Du bist ja noch jung, du könntest das mit dem Schützenkönig noch mal machen“, gibt Flintz zu Protokoll. Er sei noch unschlüssig, antwortet die amtierende Majestät der Schloss-Stadt Grevenbroich. „Möglich wär´s“, lächelt er der Zukunft entgegen ...